Bamberg

Vom Bürostuhl auf die Bühne

Die Saison 2015/16 präsentiert das E.T.A.-Hoffmann-Theater zwölf neue Schauspieler. Bereits seit zehn Jahren dabei ist Iris Hochberger. Ihr "Neuanfang" war nicht einfach.
Artikel drucken Artikel einbetten
In ihrer Mittagpause entspannt Iris Hochberger gerne bei einer Tasse Tee in einem Café. Foto: Lukas Reinhardt
In ihrer Mittagpause entspannt Iris Hochberger gerne bei einer Tasse Tee in einem Café. Foto: Lukas Reinhardt
Iris Hochberger ist seit 2005 festes Mitglied des Schauspielerensembles am E.T.A.-Hoffmann-Theater. Seit zehn Jahren schlüpft sie in die unterschiedlichsten Rollen.
In der aktuellen Spielsaison unter neuer Intendanz war der "Neuanfang" schwierig für sie: "Ich hatte meinen alten Kollegen gegenüber fast Schuldgefühle, weil ich bleiben durfte." Umso schöner fand sie es, als ihr zahlreiche ehemalige Kollegen am Tag vor dem Probenbeginn für die Inszenierung der Nibelungen alles Gute für die kommende Spielzeit wünschten. Derzeit spielt sie in der zweiten Inszenierung, im Familienstück Peterchens Mondfahrt.
Iris Hochberger arbeitet nicht ausschließlich als Theaterschauspielerin, sondern ist auch in Filmen und Serien im Fernsehen zu sehen und als Synchronsprecherin zu hören. Auch den Nachwuchs fördert Iris Hochberger, gibt Schauspielunterricht als Dozentin an der Theaterschule Bamberg. Trotzdem ist und bleibt die Bühne ihre Heimat.
Der Neustart in ihrer elften Spielzeit sei spannend, viel ändere sich, erzählt sie, angefangen bei den Kolleginnen und Kollegen. "Jeder sucht seinen Platz in der Gruppe und obwohl Schauspieler sehr empfindlich sein können, haben wir schnell ein Team geformt, schildert Hochberger. Anders als 1997, bei ihrem damaligen 10. Berufsjubiläum, hat sie keine Zweifel mehr an ihrer Berufswahl.
Geboren wurde Iris Hochberger 1968 in München. Als sie drei Jahre alt war, zog die Familie nach Bad Homburg, wo sie als Schülerin das Theater für sich entdeckte. Zu dieser Zeit war sie sie in einer Amateurgruppe tätig, die unter fast professionellen Bedingungen große Stücke auf einer Freilichtbühne inszenierte. Mit diesem Hobby im Hintergrund entschied sie sich für etwas Bodenständiges, für eine Ausbildung als Betriebswirtin bei der Sparkasse. Sie schloss die Ausbildung ab und befand sich nun auf der Karriereleiter, die sie zügig empor kletterte. Schon Mitte 20 war sie Filialleiterin mit fünf Mitarbeitern.


Nicht ohne Zweifel

Doch es kamen Zweifel auf. Sie wusste, weitere 30 Jahre wollte sie diesen Beruf nicht ausüben. Eine Karriere, der sie ihre Freizeit und damit der Schauspielerei hätte opfern müssen, kam nicht in Frage. In dieser Zeit wurde ihr auch bewusst, dass ihre Ambitionen in der Theatergruppe größer als die der Kollegen waren: "Ich wollte immer ein bisschen mehr als die Anderen." Mit 29 hängte sie ihren Beruf an den Nagel und begann 1997 das Schauspielstudium in Berlin. Sie finanzierte sich diese Ausbildung zum größten Teil selbst, arbeitete nebenher, investierte ihr lange und mühsam Erspartes, erfuhr aber auch Unterstützung durch ihre Familie. Dennoch, "viele Leute im Umfeld haben gezweifelt", erzählt Iris Hochberger. Sie stellte aber schnell fest, dass dieser Schritt, Schauspiel zu studieren, die Erfüllung war, die ihr in ihrem Beruf zuvor so gefehlt hatte. Diese Erfüllung lag auch zu einem Großteil an den Dozentinnen und Dozenten, von denen sie heute noch schwärmt: "Ein guter Dozent führt dich an deine Grenzen - und zeigt dir, wie du sie überschreitest. Er ermutigt dich zu einem künstlerischen Selbstbewusstsein - und bewahrt dich vor Selbstüberschätzung."
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren