Berlin

Visuell beeindruckende Reise in eine Parallelwelt

Berthold Köhler Na - da hat das Publikum gestern bei den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin aber große Augen gemacht. Mit "Midnight Special" präs...
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Szene aus "Midnight Special" mit Michael Shannon und Jaeden Lieberher. Foto: Ben Rothstein /Warner Bros.
Szene aus "Midnight Special" mit Michael Shannon und Jaeden Lieberher. Foto: Ben Rothstein /Warner Bros.
Berthold Köhler

Na - da hat das Publikum gestern bei den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin aber große Augen gemacht.
Mit "Midnight Special" präsentierte das Festival einen ziemlich abgefahrenen Film, der so als Wettbewerbsbeitrag nicht zu erwarten war. Regisseur Jeff Nichols - der für "Take Shelter" zwar viel Lob, aber keine Zuschauer bekam - präsentierte in diesem Fall eine selten abgefahrene Mischung aus Fantasy-Abenteuer, Familiendrama und Road-Movie.
Eines darf man aber nicht sagen: Dass "Midnight Special" langweilig wäre. Die zwei Stunden, in denen der energetische Vater Roy (Michael Shannon, "Zeiten des Aufruhrs") seinen offensichtlich mit übernatürlichen Gaben gesegneten Sohn Alton vor religiösen Fundamentalisten und der gesamten amerikanischen Staatsmacht beschützt, sind spannend.
Technisch klasse gemacht, visuell und akustisch beeindruckend ist "Midnight Special" ohne Frage. Aber auf die Geschichte von einer mächtigen Parallelwelt, die offensichtlich einen kleinen Jungen in die USA der Gegenwart verloren hat, muss man sich schon einlassen.


"24 Wochen"

Wer viele Fragen stellt - nicht einmal die, wie der kleine Alton überhaupt auf die Erde kam - wird bei diesem Abenteuer wohl zu viele Antworten vermissen. Aber mit ein bisschen Fantasie ist "Midnight Special" durchaus sehenswert.
Ob es letztlich reicht, um bei einem gewiss nicht nur auf Unterhaltung ausgelegten Filmfestival wie der Berlinale positiv wahrgenommen zu werden? Das wird sich bis Freitag zeigen. Dann geht der Wettbewerb zu Ende.
Sehenswert ist allemal, das überrascht bei so einer Art Film aber nicht unbedingt, die Hauptfigur des Alton. Jaeden Lieberher wirkt zwar längst nicht so respekteinflößend wie einst Haley ("ich sehe tote Menschen") Joel Osment im legendären "The Sixth sense" - aber als stiller, voller Vertrauen in sich ruhender Mittelpunkt des Films spielt er seine großen Kollegen schon ein bisschen an die Wand. Allen voran "Spiderman"-Schönheit Kirsten Dunst, die als Altons Mutter blass bis zum Überfluss ist.
Am Wochenende, das hat sich bei der Berlinale inzwischen ein Stück weit zur Tradition entwickelt, ist dann auch der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag zu sehen: "24 Wochen" mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel klingt nach einer klassischen Beziehungsgeschichte und wird, das ist schon mal sicher, mit deutlich weniger Krach und Bumm aufwarten als "Midnight Special".
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