Burghaslach

Viele Hände helfen in der Summe

Flüchtlinge  In Burghaslach möchten die Bürger nicht nur über das Flüchtlingsdrama reden, die meisten wollen helfen. Bei einem Treffen wurde intensiv diskutiert, wie jeder Einzelne aktiv werden kann.
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Die Schicksale der Flüchtlinge bewegen viele Deutsche. Auch in Burghaslach wollen die Bürger helfen.  Foto: Busch (Repro)
Die Schicksale der Flüchtlinge bewegen viele Deutsche. Auch in Burghaslach wollen die Bürger helfen. Foto: Busch (Repro)
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von unserer Mitarbeiterin Sonja Werner

Burghaslach — "Burghaslach ist bunt" - so soll nicht nur die vorgesehene Facebookseite von engagierten Burghaslacher Bürgern heißen. In diesem Sinn auch mit Rat und Tat wollen sie dabei sein, wenn es gilt, 52 Flüchtlinge willkommen zu heißen, die in dem Steigerwaldort eine Unterkunft finden sollen.
Im Vorfeld werden jetzt zehn Arbeitsgruppen gebildet, die sich unter einem bestimmten Thema damit befassen, wie man den Neubürgern das Einleben in ein ihnen fremdes Land und einen fremden Ort erleichtern kann. Sprachkreis, Kleiderkammer, Kinderbetreuung, ein Café International und eben die Facebookseite sind nur ein Teil dessen, was sie sich vorgenommen haben.
Ein erstes Treffen zur Information und zur Bildung dieser Gruppen fand am Donnerstag im Rathaussaal in Burghaslach auf Initiative der politischen Gemeinde und der Kirchengemeinden Burghaslach und Kirchrimbach statt. Auch Vertreter der Caritas beteiligten sich. Der Saal war komplett gefüllt. Zu drei Vierteln mit Burghaslacher Bürgern, zum anderen mit Interessierten von außerhalb, die von dieser Veranstaltung gehört hatten und sich informieren wollten.


"Wir müssen helfen!"

Letztlich der Auslöser für diese Aktion", so Bürgermeister Armin Luther und Pfarrer Daniel Lischewski, "war die negative Reaktion einer "Bürgerinitiative" auf den geplanten Umbau eines örtlichen Gebäudes zum Zweck der Flüchtlingsunterbringung. Besitzer des Gebäudes, die Bezirksregierung von Mittelfranken, und die Gemeinde, alle waren sich schon einig, wie die Sache Handzuhaben ist. Doch dann kamen Proteste unnötigster Art bezüglich der Umbaumaßnahmen. "Da war uns klar, dass sich auch diejenigen zu Wort melden müssen, die Menschen in Not helfen wollen, egal, wo diese herkommen. Darum freut es uns auch besonders, dass heute Abend so viele gekommen sind."
Jürgen Seiermann, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes Höchstadt, erläuterte in einem kurzen Vortrag Grundsätzliches zum Thema Asyl. Flüchtlingsschutz, politisches Asyl, subsidiärer Schutz - drei Dinge, die laut Gesetz unterschiedliche Voraussetzungen und Behandlungen haben, aber von den oft uninformierten Menschen in einen Topf geworfen werden.
"Der Begriff "Asylant", seine Mahnung, "stammt aus der äußerst rechten Ecke der Gesellschaft und zeugt nicht von Wissen über bestehende Unterschiede." Letztlich aber seien die Kommenden alle Menschen, die hier Schutz suchten und denen primär geholfen werden müsse.


Kritische Stimmen

Allerdings verschwieg er auch nicht die möglichen Schwierigkeiten. "Es ist nicht alles rosarot, was da auf Sie zukommt. Wie in jeder Gruppe von Menschen gibt es auch in der Menge der Neuankömmlinge solche und solche. Und dann sind diese Leute oft hochtraumatisiert. Wir brauchen alle viel Fingerspitzengefühl, um uns auf jede Situation richtig einzustellen."
Zwei Monate bis drei Jahre dauert der Aufenthalt der Kommenden, so informierte er auf entsprechende Fragen von Seiten der Interessierten. Auch sonst wurde manches geklärt, was den Burghaslacher Bürgern am Herzen lag. "Manch bislang kritische Stimme konnte überzeugt werden" resümierte Seiermann.
Viele kleine Hände helfen in der Summe, waren sich die Initiatoren mit den bereits vorhandenen Helfern wie Schuldirektorin Ursula Rothmund, dem TSV-Vorsitzenden Dr. Hans-Friedrich Hofmann und anderen einig. "Gemeinsam schaffen wir das!"




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