Bamberg

Viel Lärm um nichts - oder doch sehr wenig

Rudolf Görtler Die Sommeroper Bamberg, 2005 gegründet, alle zwei Jahre veranstaltet, hat sich gut etabliert. Es ist ein Workshop für junge Musiker und Sänge...
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Sibylle Broll-Pape
Sibylle Broll-Pape
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Rudolf Görtler

Die Sommeroper Bamberg, 2005 gegründet, alle zwei Jahre veranstaltet, hat sich gut etabliert. Es ist ein Workshop für junge Musiker und Sänger, die sich mittels Probesingen und -spielen bewerben können. Sie wohnen einige Wochen in der Stadt und proben für eine Opern-Inszenierung. So kam etwa "Die Hochzeit des Figaro" 2011 auf die Bühne, "Don Giovanni" 2013 und im vergangenen Jahr "Die Zauberflöte". Die renommierte Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager trat als Gesangstrainerin auf.
Die Bühne war die des Großen Hauses im ET.A.-Hoffmann-Theater. Der Initiator und künstlerische Leiter der Sommeroper, Till Fabian Weser, Trompeter bei den Bamberger Symphonikern und rühriger Dirigent, hatte mit dem ehemaligen Intendanten des Hauses, Rainer Lewandowski, offenbar stets Einvernehmen erzielt auch über die finanziellen Konditionen für die Nutzung der städtischen Theaterbühne.


"Keine gemeinsame Basis"

Mit der Intendantin Sibylle Broll-Pape, die Lewandowski im Herbst 2015 abgelöst hat, scheint ein solches Einvernehmen schwerer zu erzielen bzw. unmöglich. Das lassen zwei Mitteilungen bzw. Stellungnahmen vermuten, die die Redaktion dieser Zeitung zu Beginn der Woche erreichten. Da ist einmal eine Pressemitteilung der Sommeroper. Neben der Ankündigung einer Fortsetzung der Reihe im kommenden Jahr mit Giuseppe Verdis "La Traviata" steht insbesondere darin, dass diese - halbszenische - Aufführung nicht mehr im E.T.A.-Hoffmann-Theater stattfinden wird, sondern im Joseph-Keilberth-Saal, zur Verfügung gestellt von der Congress + Event GmbH. Als Begründung heißt es in der Mitteilung wörtlich: "Bedauerlicherweise konnte mit der neuen Intendantin des E.T.A.-Hoffmann-Theaters keine gemeinsame Basis für eine Fortsetzung gefunden werden [...]".
Noch bevor ein Wort dieser Mitteilung in den Publikationen der Mediengruppe Oberfranken erschienen war, erreichte die Redaktion eine Stellungnahme des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Wiederum ein wörtliches Zitat: "Entgegen der Darstellung der Sommer Oper Bamberg [so die eigene Schreibweise der Sommeroper, d. Red.] haben wir keineswegs die Fortführung der Zusammenarbeit abgesagt, sondern vielmehr in Gesprächen ... unter Einbeziehung des Landestheaters Coburg uns um eine für alle Beteiligten vorteilhafte Lösung bemüht."
Zur Untermauerung dieser These wird in der Theater-Stellungnahme aus einem Schreiben der Sommeroper vom 16. Mai dieses Jahres zitiert: "Angesichts der für uns doch zu hohen Miet- und Personalkosten sowohl für Coburg wie auch für Ihr Haus ... sehen wir im Moment keine Perspektive, mit Ihnen für eine SOB 17 in weiterführende Verhandlungen zu treten."
Auf Nachfrage sagte Till Fabian Weser, dass sich dieser Satz vor allem auf die Kooperation mit dem Landestheater Coburg beziehe. Die sei nach dem geplanten Weggang des Intendanten Bodo Busse nach Saarbrücken gescheitert. Offenbar waren Proben in Coburg, Aufführungen dort und auch in Bamberg im Gespräch. Weser sagte, nach einigen Treffen mit Broll-Pape, an denen einmal u. a. auch der Vorsitzende des Fördervereins der Sommeroper, Staatsminister a. D. Thomas Goppel, teilgenommen habe, sei bereits im Januar die Kooperation mit dem E.T.A.-Hoffmann-Theater erledigt gewesen.
Dass sich Prinzipale z. B. über Finanzierungs- und Nutzungsfragen ihrer Häuser nicht einigen können, ist so ungewöhnlich nicht. Dass Profis ihre Differenzen in der Öffentlichkeit ausbreiten, schon eher.
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