Haßfurt

Verleumdungsgeschichte stellte sich am Ende als ein Sturm im Wasserglas heraus

Die Besucher konnten sich bei einer Verhandlung am Mittwoch vor dem Amtsgericht Haßfurt, bei der eine 62-jährige Frau wegen Verleumdung auf der Anklagebank ...
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Die Besucher konnten sich bei einer Verhandlung am Mittwoch vor dem Amtsgericht Haßfurt, bei der eine 62-jährige Frau wegen Verleumdung auf der Anklagebank saß, durchaus im "Komödienstadl" wähnen. Die "Komödianten" kamen allesamt aus einer Ortschaft im Landkreis Haßberge und wohnten dort in einem Mehrfamilienhaus. Das Verfahren stellte die Richterin Ilona Conver per Urteil wegen eines Verfahrenshindernisses ein.
Die Staatsanwaltschaft warf der Angeklagten vor, die ohne Rechtsbeistand gekommen war, im Oktober 2015 über einen 65-jährigen Mitbewohner und eine 60-jährige Mitbewohnerin wider besseres Wissen behauptet zu haben, dass diese ein Verhältnis miteinander hätten. Das sei geeignet, die betroffenen Personen verächtlich zu machen, hieß es in der Anklageschrift.
Das allerdings bestritt die Angeklagte, die, so wurde im Verlauf der Verhandlung deutlich, eigentlich die einzige aus dem "Komödiantenhaus" war, die den Durchblick hatte und, wie sich dann auch herausstellte, irrtümlich und somit wohl auch zu Unrecht auf der Anklagebank saß. Sie wies jedenfalls weit von sich, den Mitbewohnern ein Verhältnis unterstellt zu haben. Das bestätigte schließlich auch der "Geschädigte" auf Frage von Richterin Ilona Conver. Allerdings brauchte es einige Nachfragen durch das Gericht, bis alles klar war.
"Es wurde erzählt, dass ich mit einer Mitbewohnerin ein Verhältnis habe; ich bin 65 Jahre alt und seit 40 Jahren verheiratet, so was habe ich nicht gemacht und werde es auch nie machen", sagte der Zeuge aus. Von wem er denn gehört habe, wer das behauptet hat, wollte die Richterin wissen. "Na, von der Angeklagten", entgegnete der Zeuge. Dann aber kam er nach weiteren Nachfragen seitens der Richterin zur Erkenntnis, dass ihm die Angeklagte nur gesagt habe, "so etwas würde im Dorf herumerzählt", selber habe die angeklagte Frau das ihm gegenüber nicht behauptet. "Stimmt, er sagt die Wahrheit", kommentierte die Beschuldigte dessen Angaben.
"Warum haben Sie dann bei der Polizei Strafantrag gegen die Angeklagte gestellt?", bohrte die Richterin geduldig weiter. "Strafantrag habe ich nicht gestellt", so der Zeuge. Ein solcher Antrag lag aber der Akte bei, wie die Amtsrichterin dem Zeugen schließlich klar machen konnte.
"Nein, ich will nicht, dass die bestraft wird", bekundete der Mann. Offensichtlich war ihm nicht bewusst, was er im Vorfeld der Ermittlungen getan oder nicht getan hatte. Jedenfalls nahm er seinen Strafantrag gegen die 62-Jährige zurück.
Eine weitere, 60-jährige Zeugin, die quasi das "Gspusi" des 65-Jährigen gewesen sein soll, sagte aus, dass sie von der Ehefrau des 65-Jährigen zur Rede gestellt wurde. "Der habe ich gesagt, dass ich mit ihrem Mann nichts habe", beteuerte die Zeugin. Auch die 60-Jährige hatte gegen die Angeklagte Strafantrag gestellt. Die Zeugin sagte dann aber auf Vorhalt von Richterin Conver, dass sie die Frau nicht angezeigt habe.


Ärger

Verwirrung pur, was mitunter bei der Vorsitzenden, dem Anklagevertreter und auch beim Protokollbeamten ein Grinsen ins Gesicht huschen ließ. Auch hier musste die Richterin mit einem Blick in ihre Akten feststellen, dass das nicht richtig war, weil sich dort ein Strafantrag befand. "Geärgert habe ich mich schon, dass so was über mich behauptet wurde", erklärte die 60-Jährige. Jedenfalls nahm sie ebenfalls, wie schon ihr "Gspusi" zuvor, den Strafantrag gegen die Angeklagte zurück.
"Damit haben wir nun endgültig ein Verfahrenshindernis", stellte die Richterin fest. Beide Strafanträge, die gegen die Angeklagte vorlagen, waren zurückgenommen. Deshalb wurde auf die Einvernahme einer weiteren Mitbewohnerin als Zeugin verzichtet. Das Verfahren wurde per Urteil eingestellt.
In Fällen, in denen ein Strafantrag zurückgenommen wird, werden in der Regel demjenigen, der die Anzeige erstattet hat, die Kosten des Verfahrens auferlegt. Darauf verzichtete das Gericht, weil es erkannte, dass die beiden "Strafantragsteller" nicht so ganz wussten, welche Rechtsfolgen entstehen konnten. Deshalb trägt die Staatskasse die Kosten. Nicht verkneifen konnte es sich Richterin Conver, in Richtung der Anklagebehörde festzustellen, dass man sich in "solchen Fällen zweimal überlegen sollte, Anklage zu erheben."

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