Neustadt bei Coburg
bausenat 

Unvermeidliche Kostenexplosion

Die Stadtverwaltung sieht in den 7,3 Millionen Euro für die Bahnunterführung in der Ketschenbacher Straße keine Fehlplanung. Die Probleme mit dem hohen Grundwasserpegel seien nicht absehbar gewesen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Millionenprojekt: Derzeit geht die Stadt davon aus, dass die Bahnunterführung in der Ketschenbacher Straße insgesamt 7,3 Millionen Euro kosten wird - eine Summe, die Stadtrat Thomas Büchner zu einer öffentliche Anfrage veranlasste. Foto: Berthold Köhler
Millionenprojekt: Derzeit geht die Stadt davon aus, dass die Bahnunterführung in der Ketschenbacher Straße insgesamt 7,3 Millionen Euro kosten wird - eine Summe, die Stadtrat Thomas Büchner zu einer öffentliche Anfrage veranlasste. Foto: Berthold Köhler
Die Stadtverwaltung sieht bei der geplanten Eisenbahnunterführung in der Ketschenbacher Straße keinen Anlass, den enormen Unterschied zwischen der ersten Kostenschätzung (rund 2,2 Millionen Euro) und dem aktuellen Planungsstand (7,3 Millionen Euro) mit einer teilweisen Rückforderung der Planungskosten zu sanktionieren. Das hat Bauamtsleiter Richard Peschel am Mittwochabend im Bausenat auf eine Nachfrage von Thomas Büchner (ÖDP) hin bekannt gegeben.
Dass die Preissteigerungen seit 2011 in den Planungen durchaus "erheblich" sind, wurde allerdings auch in der Stellungnahme Peschels deutlich. Aber der Bauamtsleiter erläuterte noch einmal ausführlich, was die Kosten schier explodieren ließ. Hauptursache ist der schwierige Baugrund zwischen der Coburger Straße und dem Freibad. Insbesondere der hohe Grundwasserspiegel führte dazu, dass das Trogbauwerk für die Unterführung in jeder Beziehung zulegen musste: Länger, stabiler und wasserdichter musste es werden. Diese Entwicklung habe das beauftragte Ingenieurbüro SRP "ohne Kenntnis der Gegebenheiten" (Peschel) bei seiner ersten Kostenschätzung nicht erahnen können.
Wie der Bauamtsleiter vorrechnete, betragen alleine bei der Grundwasserwanne die Mehrkosten rund 2,8 Millionen Euro. Dazu rechnet die Stadt mit mindestens 625 000 Euro Baukosten nur für den Bereich der Straße und die Verlegung des Regensammlers. Immerhin: Bei aktuell 7,3 Millionen Euro inklusive aller Nebenkosten hat sich die Bausumme seit November nicht mehr verändert.
November war es auch, als Büchner seine öffentliche Anfrage zu den gestiegenen Ansätzen stellte. 84 000 Euro hat die Stadt (bei 50 Prozent Beteiligung der Bahn) seitdem dem Ingenieurbüro SRP als Honorar angewiesen - völlig zu Recht, wie Richard Peschel vor dem Bausenat erläuterte: "Das Büro hat die Arbeit gemacht, für die wir es beauftragt haben."
Elke Protzmann (ÖDP) berichtete zudem, dass inzwischen auch das Kreisbauamt und der Kreisbauausschuss den aktuellen Planungs- und Kostenstand für die Unterführung abgesegnet haben - schließlich zahlt der Landkreis als Straßenbaulastträger für die CO 14 hinauf auf die Bergdörfer einen großen Teil der Kosten. "Mehr muss man dazu nicht sagen", zog die Bausenatsvorsitzende ihr persönliches Fazit. Über den Beschlussvorschlag der Verwaltung, der Bausenat möge die viertelstündige Stellungnahme Peschels "zur Kenntnis nehmen", musste dann Peter Soyer (SPD) aber schon ein bisschen lachen. "Es ist schwierig, das jetzt nicht nur Kenntnis zu nehmen", sagte Soyer, nachdem ja Peschel schon mit seinen Ausführungen am Ende war.


Zieht es oder nicht?

Wohl nur wenig Chancen hat der Antrag von Frank Altrichter (CSU), die Sanierung der Volksschule "An der Heubischer Straße" für das kommunale Investitionsprogramm (KIP) des Freistaates Bayern vorzuschlagen. Richard Peschel nannte dafür aber auch Gründe: Einerseits habe die Stadt Neustadt die rund drei Millionen Euro teure Sanierung der Schule bereits für eine reguläre Förderung angemeldet, andererseits erfülle die Rathaussanierung (geschätzte Kosten: über fünf Millionen Euro) deutlich eher die Anforderungen des KIP, das insbesondere auf energetische Verbesserungen und Behindertengerechtigkeit abzielt.
Elke Protzmanns Information, dass über das KIP ein Betrag von rund sieben Millionen Euro für den gesamten Landkreis Coburg zur Verfügung steht, überzeugte auch Peter Soyer: "Da wird die Luft eh dünn." Deshalb plädierte auch Soyer dafür, "das Pferd weiter zu reiten" und die Volksschule für die reguläre FAG-Förderung vorzuschlagen. Allerdings scheinen hier noch harte Gespräche mit der Regierung von Oberfranken bevorzustehen. Elke Protzmann jedenfalls berichtete, dass es bei der Regierung in Bayreuth offensichtlich erheblich andere Ansichten zum Raumbedarf als in den Plänen der Stadt Neustadt gebe. "Da müssen wir wirklich noch mal verhandeln", versicherte die Bausenatsvorsitzende.
Auf Nachfrage von Walter Thamm (CSU) wurde abschließend noch über den aktuellen Zustand des Schulgebäudes diskutiert. Während Thamm davon sprach, angesichts undichter Fenster sei dort "Feuer unterm Dach", konnte Wendelin Fink von der Stadtverwaltung nichts dergleichen bestätigen. Auch Richard Peschel waren akut keine Probleme bekannt. Nichtsdestotrotz will sich die Stadtverwaltung noch einmal in der Schule nach dringlichen Problemen erkundigen. Sollte "Not am Mann" sein, werde die Stadtverwaltung einschreiten - die irgendwann einmal anstehende Generalsanierung hin oder her.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren