Trainmeusel
Serie 

Unterschlupf in "Drameusel"

In Trainmeusel nahm der Schriftsteller und Dichter Joseph Victor von Scheffel Bezug auf eine Sage. Der Raubritter Eppelein von Gailingen soll dort gewohnt haben. Aber historisch ist dies nicht zu belegen.
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An einer Straßenkreuzung in Trainmeusel, die zuletzt Baustelle war, ist das Versbild hinter einem Zaun zu sehen. Foto: Reinhard Löwisch
An einer Straßenkreuzung in Trainmeusel, die zuletzt Baustelle war, ist das Versbild hinter einem Zaun zu sehen. Foto: Reinhard Löwisch
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Der Literarische Spaziergang: Auf den Spuren von Joseph Victor von Scheffel in der Fränkische Schweiz" erreicht die 16. von 18 Tafeln. Ihr Standort: in Trainmeusel, etwas schwerer zu finden, in der Dorfmitte bei einer Straßenkreuzung, im Garten.
In Moggast findet man den gleichen Spruch an der Kirchenmauer. Der Vers lautet:

Von Moggast geht's durch steinig Feld
Hinüber nach Drameusel,
Dort steht versteckt am End der Welt
Ein wohlummauert Häusel;
Nachts reiten Reiter ein und aus,
Weiß nicht, was sie erschnappen...
Krispinus ist Patron im Haus,
Der Stegreif blinkt im Wappen.

Auch hier nahm Scheffel Bezug zu einer Sage. Wie schon bei Burg Gaillenreuth soll der Raubritter Eppelein von Gailingen in Trainmeusel gewohnt haben. "Dass Eppelein von Gailingen ein Schloss zu Trainmeusel hatte, ist durch keine Urkunde zu belegen. Da aber nach alter örtlicher Tradition und nach dem Volkslied Eppelein in Trainmeusel weilte, ist anzunehmen, dass er gelegentlich dort Unterschlupf gesucht und gefunden hat", meint der Waischenfelder Historiker Michel Hofmann in einer Studie über die Anfänge des Tourismus in der Fränkischen Schweiz. Die bekannteste Sage über den Raubritter berichtet, dass Eppelein von den Nürnbergern gefangen genommen und zum Tod verurteilt worden sei. Er sollte auf der Kleinen Burgfreiung gehenkt werden. Als letzten Wunsch hatte er sich auserbeten, noch einmal auf seinem treuen Pferd reiten zu dürfen. Er durfte.


Sprung über die Burgmauer

Eppelein ritt etwas auf der Freiung herum, gab seinem Pferd die Sporen und sprang plötzlich mitsamt seinem Pferd über den Burggraben in die Freiheit. Beim Sprung über die Mauer soll Eppelein gerufen haben: "Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn zuvor." Und die Stelle, an der das Pferd über die Burgmauer sprang, ist heute mit einem Hufeisenabdruck, in den Stein gehauen, markiert.
Krispinus, der als "Patron im Haus" genannt wird, ist der Schutzpatron der Gerber, Sattler und Schuhmacher. Der Stegreif (alte Bezeichnung für Steigbügel) ist Teil des Sattels. Das lässt darauf schließen, dass in jenem von Scheffel beschriebenen Haus, 1859, als er das Gedicht schrieb, ein Sattler zu Hause war.
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