Burgebrach
Beisetzung 

Unendlichen Schmerz ertragen

Pfarrer Friedmann erinnerte vor 300 Trauergästen an die erschossene Janina und appellierte an den Schützen, sich zu stellen.
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Gedenken an Schülerin Janina
Gedenken an Schülerin Janina
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"Es ist unendlich schwer, diesen Schmerz zu ertragen." Mit diesen Worten versuchte Pfarrer Bernhard Friedmann, das Leid und die Trauer der Eltern von Janina in Worte zu fassen.
Gestern wurde die Schülerin auf dem Friedhof in Burgebrach beigesetzt. Die Elfjährige kam in der Silvesternacht in Unterschleichach ums Leben, als sie kurz vor 1 Uhr von einem Projektil einer Kleinkaliberwaffe in den Kopf getroffen wurde. 300 Angehörige, Bekannte und Schulfreunde nahmen nun Abschied von Janina. Jungen und Mädchen standen vor der Friedhofskapelle, in der der weiße Sarg mit den vielen bunten Blumen stand, und weinten um die Schülerin. Keiner kann fassen, was passierte, warum das Mädchen so früh aus dem Leben gerissen wurde. Pfarrer Friedmann in seiner Trauerpredigt: "Janina war ein so lebensfrohes Kind, das immer auch gerne spielte und lachte. Sie freute sich am Leben und war ungewöhnlich aufmerksam. Sie ging mit offenen Augen durch die Welt."
Gerne habe sie mit ihrer Mama gekuschelt. "Es war eine tiefe, innige Beziehung zu ihrer Mutter", erinnerte Friedmann und fügte an: "Janina war auch eine Freundin für die Mutter, die geschieden war."
Mit ihrem Vater ging sie oft auch ins Fußballstadion, sah dort Spiele des 1. FC Nürnberg oder besuchte mit ihm zusammen den Freizeitpark im nahen Geiselwind. "Sie öffnete die Herzen ihrer Mitmenschen und war überall beliebt", fügte der katholische Geistliche vor der Trauergemeinde an.
Freunde der Familie hatten Fotos des Mädchens gesammelt und präsentierten diese während der Trauerfeier - untermalt von ruhiger Musik. Die Aufnahmen zeigten Janina und ihre Hobbys, wie sie frech in die Kamera lächelt, ihren kleinen Bruder in den Armen hält oder wie sie einen Kuchen backt. Impressionen aus dem Leben eines glücklichen Kindes.


Schreckliche Tragödie

Doch dann kam es zu dieser schrecklichen Tragödie. Pfarrer Friedmann: "Janina wollte an Silvester zum ersten Mal mit ihrer Freundin feiern. Sie hüpfte vor Freude in die Höhe, als das alte Jahr vorüber war und ein neues begrüßt wurde. Bis sie von einem Projektil getroffen wurde."
Der plötzliche Tod habe sie aus ihrer Familie gerissen. Jeder brauche sein eigenes Maß an Zeit, das alles zu verstehen. Ihr unschuldiges Leben sei ausgelöscht, so der Pfarrer weiter. Als der Sarg von den Bestattern ins offene Grab herabgelassen wurde, erklangen zwei der Lieblingslieder von Janina: "Amoi seg' ma uns wieder" von Andreas Gabalier und "Und wenn ein Lied" von Xavier Naidoo. Schulfreunde nahmen sich einander in den Arm und spendeten sich so gegenseitig Trost in ihrer tiefen Trauer.Mutter Magdalena M. (36) streute, gestützt von Angehörigen, Blumenblüten auf den Sarg ihrer Tochter. In einer Fürbitte hatte Pfarrer Friedmann zuvor an den Schützen appelliert, dass er sich stellen möge. Auch Mutter Magdalena hatte in einem Interview an den oder die Täter einen verzweifelten Appell gerichtet: "Er wird bis zum Ende seines Lebens auf jeden Fall meine Tochter auf dem Gewissen haben. Das einzige Gute, was er tun kann: Er soll sich stellen."
Dass der Verantwortliche für diese Tragödie weiterhin nicht gefasst ist, belastet die Angehörigen enorm.


Weiter keine heiße Spur

Noch immer fehlt eine heiße Spur, die hilft, diesen Fall aufzuklären. Die Ermittler der Soko Unterschleichach suchen nach neuen Hinweisen. Doch die Aufklärung ist schwer. Denn ein Kleinkalibergeschoss kann aus einer Entfernung bis zu 700 Metern tödlich sein. Der Radius um den Tatort "Am Käppela" ist dementsprechend groß, in dem die Beamten ermitteln müssen. Zur Art der Kleinkaliberwaffe, zum Kaliber oder auch zum Schusswinkel macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen weiterhin keine näheren Angaben. Zwei LKA-Gutachter sollen nun unter anderem anhand der Kopfwunde Janinas die Richtung bestimmen, aus der der tödliche Schuss gekommen sein könnte. Ob es ein Querschläger gewesen sein könnte, bleibt weiter offen.
In den kommenden Tagen werden die Ermittler an zahlreiche Türen der Region klopfen und die Menschen in der näheren Umgebung, die eine Waffenbesitzkarte haben, überprüfen.
Nach wie vor gibt es ein kostenloses Hinweistelefon der Polizei. Hier können Zeugen sich direkt mit der Soko Unterschleichach unter 0800/101-1611 in Verbindung setzen.

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