Münnerstadt

Unbefangener Umgang mit dem Thema Tod und Sterben

"Schön weich", stellen die Kinder fest, nachdem sie die Sargeinlage angefasst haben. Rosina Eckert, Leiterin des Bundesausbildungszentrums des Deutschen Bes...
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Kinder testen die Sargeinlage.  Foto: Thomas Malz
Die Kinder testen die Sargeinlage. Foto: Thomas Malz
"Schön weich", stellen die Kinder fest, nachdem sie die Sargeinlage angefasst haben. Rosina Eckert, Leiterin des Bundesausbildungszentrums des Deutschen Bestatterverbandes, hatte sie dazu aufgefordert. "Ich finde es immer wieder spannend, wie unbefangen die Kinder damit umgehen, und dann doch nachdenklich werden." Denn von den Kleinen selbst kam die Idee, wie man die Beerdigung eines Maurers ausgestalten könnte. Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Rosina Eckert Kinder durch das Bestatterzentrum führt.
Schon seit drei Jahren kommen die jeweiligen Vorschulkinder des Münnerstädter Kindergartens bei Rosina Eckert vorbei. Im letzten Jahr war das Bestatterzentrum erstmals ein Angebot in einem Ferienprogramm, und zwar in Wollbach bei Bad Neustadt. Das wiederum lag daran, dass die Wollbacher Gemeinderätin Cornelia Müller als Lehrerin am Münnerstädter Berufsbildungszentrum ist und deshalb auf das Bestatterzentrum aufmerksam geworden ist. "Das wäre doch einmal was für unser Ferienprogramm", sagte sie sich, und bald war das organisiert.
Natürlich waren nicht alle Eltern von diesem Angebot begeistert. Die Mütter hatten aber auch die Möglichkeit, mit nach Münnerstadt zu fahren, womit auch gleich das Transportproblem gelöst war. Die Idee kam letztlich so gut an, dass jetzt wieder ein Gruppe Kinder und drei Mütter aus Wollbach nach Münnerstadt kamen.


Ankunft nach langer Reise

Rosina Eckert ist auf Kinderbesuch bestens eingerichtet. Sie erzählte ihnen die Geschichte von Hilde Mücke, die an einem Morgen friedlich einschläft. So erfuhren die Kinder, was mit einem Menschen danach passiert, wie der Arzt den Tod feststellt, die Verwandten trauern, die Bestatter die Beerdigung vorbereiten und schließlich Hilde Mücke beerdigt wird. "Sterben ist, wie wenn man nach einer langen Reise ankommt", sagte Rosina Eckert. Einige der Kinder hatten auch schon Erfahrungen mit dem Tod in der Verwandtschaft gemacht.
Beim anschließenden Rundgang durch das Ausbildungszentrum lernten die Kinder viele Facetten des Bestatterberufes kennen. Weil sich dort gerade einige Auszubildende auf ihre Prüfung vorbereiten, gab es besonders viel zu sehen. Dazu gehörte beispielsweise die Kaffeetafel für einen Verstorbenen, der sich immer mit Freunden zum Kartenspielen getroffen hat, oder die Ausgestaltung der Kapelle für ein Ehepaar, das gemeinsam bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.
Die Kinder lernten verschiedene Särge kennen, unter anderem einen aufwendig gestalteten für einen Harley-Davidson-Fan. Der kleine Sarg, der im Zimmer stand, blieb nicht unbemerkt. "Ja, das ist ein Kindersarg", bestätigte Rosina Eckert. Auch das gehöre leider dazu.In der Werkstatt erfuhren sie, wie ein Zinnsarg verschlossen wird, was nötig ist, wenn ein Mensch im Ausland verstirbt. Ganz besonders gut kam bei ihnen aber die Technik des Leichenwagens an.
Dann war der Rundgang auch schon beendet. Den Hygieneraum, wo die angehenden Bestatter das Waschen und Herrichten der Verstorbenen üben, zeigt Rosina Eckert in solchen Fällen meist nicht.
"Bestatter ist ein Job, wo du jeden Tag etwas anderes machst", rührte Rosina Eckert ein wenig die Werbetrommel für den Ausbildungsberuf. Momentan will aber keines der Kinder diesen Beruf ergreifen. Aber damit haben die Teilnehmer des Ferienprogramms auch noch ein wenig Zeit.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren