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Bamberg

Umweltamt will mehr Artenvielfalt

Naturschutz   Jürgen Gerdes stellt bei der Naturforschenden Gesellschaft die städtische Biodiversitätsstrategie vor, die dem Artenschwund entgegenwirken soll. Er hofft, dass auf dem Konversionsgelände auch Ökologie ein Rolle spielen wird.
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Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt: Dachbegrünung des Tierheims in Gaustadt und naturnahe Pflege der ehemaligen Deponie Foto: privat
Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt: Dachbegrünung des Tierheims in Gaustadt und naturnahe Pflege der ehemaligen Deponie Foto: privat
Bamberg — Es ist schon viel getan worden - das war der deutliche Eindruck, den der Vortrag des Biologen Jürgen Gerdes bei den Zuhörern im voll besetzten Saal hinterließ: Ob es sich nun um die Rückkehr von Biber und Wanderfalken ins Stadtgebiet, um die Durchgängigkeit der Regnitz für Fische oder um den Schutz der seltenen Magerrasen auf den Sandterrassen im Osten handelt. Aber es ist längst nicht genug, wie der Referent nachsetzte. Durch Lufteinträge, Bebauung, Intensivierung der Land- und der Forstwirtschaft sei die Artenvielfalt flächendeckend nach wie vor gefährdet.
Weder die nationale Biodiversitätsstrategie (2007) noch die bayerische (2008) hätten bislang den Artenschwund in der Breite verhindern können. Nur bei einzelnen Arten wie Weißstorch, Seeadler oder Wanderfalke gebe es Erfolge. Artenschutz müsse, so Gerdes, vor Ort beginnen. In der eigenen Stadt, am Haus und im Garten, auf kommunalen Flächen.
Möglichkeiten dafür gebe es viele. Und genau das sei das Thema der "Bamberger Strategie für Biologische Vielfalt", die der Stadtrat 2014 beschlossen habe. Ihr Zielhorizont sei das Jahr 2020. Was kann die öffentliche Hand, was kann der einzelne Bürger tun, um bis dahin möglichst vielen Arten in der Stadt Lebensraum zu bieten?
Natürlich seien hier vor allem Ämter und städtische Einrichtungen sowie Stiftungen gefordert, die in der Fläche arbeiten, wie das Gartenamt, der Stadtforst, das Immobilienmanagement oder auch staatliche Behörden. Man wolle vonseiten des Umweltamtes her kooperativ die Möglichkeiten ausloten, wie im Zuständigkeitsbereich dieser Institutionen die Ökologie stärker zum Zug kommen könne. Über das rechtlich Vorgegebene hinaus. Zu diesem Zweck habe sich Bamberg im Jahr 2010 dem deutschlandweiten Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" angeschlossen und deren Deklaration unterschrieben. Auf ihr beruhe die Bamberger Biodiversitätsstrategie.


Städte können artenreich sein

Gerdes erläuterte, dass Städte, anders als gemeinhin vermutet, ungewöhnlich artenreich sein können. Sie sind wärmer als das Umland, bieten viel Nahrung, sind Knotenpunkte von Ausbreitungsachsen und reich an ökologischen Nischen und Sonderstandorten. Da immer mehr Menschen in Städten leben, sei es wichtig, diese als Lebensraum zu optimieren, um auch im Alltag Erholung und Naturerfahrung zu ermöglichen und gefährdeten Arten das Überleben zu sichern. Bamberg biete mit seinen zwei Flüssen, drei Wäldern und den ökologisch von Natur aus wertvollen Sandböden gute Bedingungen für wild lebende Pflanzen und Tiere.
Großprojekte wie die SandAchse Franken und die Landesgartenschau 2012 hätten den Artenschutz erheblich gefördert. Auch Begrünungsmaßnahmen auf Schulhöfen, zuletzt am Dientzenhofer-Gymnasium und an der Wirtschaftsschule, trügen dazu bei. Auf dem Hauptfriedhof habe das Gartenamt Biotope für Zauneidechsen angelegt, im Hain Meiler für den Hirschkäfer. Die Initiative "Artenschutz in Franken" habe zahlreiche Nisthilfen in Kirchtürmen und an hohen Gebäuden installiert. Mithilfe von Kameras könne man etwa das Brutgeschehen des Turmfalken auf der Altenburg beobachten. In der Gereuth wurden von der Stadtbau nach Wärmedämm-Maßnahmen gut angenommene Kunstnester für Mehlschwalben angebracht, der Entsorgungs- und Baubetrieb habe Brunnenstuben für Fledermäuse geöffnet.
In Kooperation mit ansässigen Schäfern und dem Landschaftspflegeverband Landkreis Bamberg, bei dem die Stadt Mitglied ist, fördere man gezielt seltene Arten, etwa Alteichen und Großkäfer im Hain oder Schmetterlinge am Altenburgsüdhang. Firmen wie die Telekom und die Bayernwerke würden ihre Flächen nach ökologischen Maßstäben im Sinn der Biodiversität pflegen.


300 Hektar Wildnis im Osten

Zum Schluss wies Gerdes noch auf das "neue" Bamberg hin, die acht Prozent der Stadtfläche, die nach dem Abzug der US-Armee frei geworden sind. Das Gebiet sei gut kartiert, da die Amerikaner ein Environmental Office betrieben hätten, das sich in enger Kooperation mit dem städtischen Umweltamt um den Naturschutz gekümmert habe. Er erhoffe sich, dass die Ökologie bei der Entwicklung des Gebietes eine maßgebliche Rolle spiele. Sehr erfreulich sei die Ausweisung eines Nationalen Naturerbes östlich des Frankenschnellweges, wo sich in Zukunft auf über 300 Hektar Wildnis ausbreiten darf.
Auch innerhalb der Stadt könne man noch weit mehr Raum schaffen für wild lebende Pflanzen und Tiere. Die "Bamberger Strategie für biologische Vielfalt" gebe die Marschrichtung vor. Die 48-seitige Broschüre zur Strategie ist kostenlos im Umweltamt am Michelsberg erhältlich und im Internet abrufbar. red



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