Burgkunstadt

Ulbricht und der Daumenlutscher

Lesung  Seit Wochen ausverkauft war der diesmalige Kultursonntag in der Alten Vogtei in Burgkunstadt: Der bekannte Journalist und Autor Hellmuth Karasek amüsierte das Publikum auch mit Mundart-Schmankerln und Witzen.
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Auf Wunsch signierte Hellmuth Karasek seine Bücher. Im Bild der Lichtenfelser CHW-Vorsitzende Gerhard Schmidt mit Gattin. Foto: Gerda Völk
Auf Wunsch signierte Hellmuth Karasek seine Bücher. Im Bild der Lichtenfelser CHW-Vorsitzende Gerhard Schmidt mit Gattin. Foto: Gerda Völk
von unserer Mitarbeiterin gerda völk

Burgkunstadt — Hellmuth Karasek kommt spät zu seiner Lesung in der Alten Vogtei. Deshalb bleibt auch keine Zeit mehr für eine Mikrophonprobe. Karasek testet die Lautstärke seines Mikros kurzerhand mit einigen Zeilen aus dem bekannten Kindergedicht von Konrad, dem Daumenlutscher: "Konrad, sprach die Frau Mama ..." Es dauert nur wenige Augenblicke, dann stimmen einige Zuhörer mit ein. Am Ende rezitiert Karasek das komplette Gedicht.
Nach Burgkunstadt ist der bekannte Journalist und Schriftsteller, der über 20 Jahre das Kulturressort des Spiegel leitete, gekommen, um aus seinem Buch "Frauen sind auch nur Männer" vorzulesen. Im Juni erscheint das Werk auch in der Taschenbuchausgabe.

Frau pinkelt an einen Baum

Auf dem Umschlag ist eine Frau zu sehen, die an einem Baum steht und pinkelt, in Anlehnung an eine Loriot-Zeichnung, erfahren die Besucher. Hellmuth Karasek leistet sich am Anfang einen Ausflug in den Dialekt, genauer gesagt ins Sächsische. "Rechenwärmer kriechen" heißt die Geschichte, in der es um die Tücken des sächsischen Dialekts geht. Geschrieben ist zwischen Bordeaux in Südfrankreich und Porto in Portugal ein gewaltiger Unterschied. Anders dagegen erging es einer Frau, die telefonisch ein Flugticket von Leipzig nach "Bordo" bestellte und prompt das falsche erhielt. Auch der Satz "Rechenwärmer" kann biologisch in "Regenwürmer kriechen" gedeutet werden oder meteorologisch in "Regen werden wir kriegen".
Missverständnisse könnte es auch im erotischen Bereich geben, wenn harte Männer im Liebesrausch stöhnen: "Gib mir Diernamen - nenn misch Buma (Puma)!" Auch der in die Geschichtsbücher eingegangene Satz des DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!") könnte nach Ansicht von Hellmuth Karasek vor dem Hintergrund des Debakels um den Hauptstadt-Flughafen heute abgeändert werden in "Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu bauen".
Allerdings scheint seine Version des sächsischen Dialekts bei Sachsen nicht immer auf uneingeschränkte Zustimmung zu stoßen. Bei einer Lesung riet ihm am Ende ein Besucher: "Aber Sächsisch müssen sie noch üben."
Vielleicht liegt es mit an der Atmosphäre der Alten Vogtei, dass die Lesung mit Hellmuth Karasek eher an den Besuch eines sehr geschätzten Verwandten erinnert, als an eine steife Lesung. Karaseks leichter, substanzreicher Plauderton ist mit Witz und Ironie gespickt und lässt das Publikum mehr als einmal schmunzeln. Auch herzhafte Lacher sind zu hören.
Humor bestimmt seinen Vortragsstil, der alles andere als langatmig ist. Die Lesung im Rahmen der Kultursonntage war schon seit Wochen ausverkauft, was nicht jeder Lesung beschieden ist. Beim Thema Frauen überrascht Hellmuth Karasek mit der Aussage, dass selbst Eva schon eifersüchtig gewesen sei: "Als Adam einmal spät nach Hause kam, hat sie seine Rippen nachgezählt."
Einen breiten Raum der Lesung nehmen Witze ein. "Das find ich aber gar nicht komisch!" heißt sein jüngst erschienenes Buch. Witze sollten nicht in einer unpassenden Umgebung erzählt werden, sagt der Autor. Als Beispiel nennt er Witze über Krankheiten, vor allen wenn Betroffene sie mithören können: "Was ist der Unterschied zwischen einem Grießbrei und einem Epileptiker? Den Grießbrei gibt es mit Zimt und Zucker, der Epileptiker zuckt im Zimmer." Auch eine Uhr, die steht, geht zweimal am Tag richtig. Man müsse nur den richtigen Zeitpunkt abpassen.

Als der Tampon eingeführt wurde

Hellmuth Karasek versteht sich bestens darauf, einen Spannungsbogen aufzubauen. 1960, sagt er, wurde in Deutschland der Tampon eingeführt. Auf diese scheinbar belanglose Information folgt die Geschichte über einen Verkäufer, der zu den Top-Verkäufern eines Kaufhaus-Konzernes zählte. Jener Verkäufer hatte einen Kunden zwei Angeln für die gegenüberliegenden Ufer verkauft, dazu noch ein Boot, ein Zugfahrzeug und ein Zelt zum Übernachten. Nach den Hintergründen für den Verkaufserfolg befragt, erklärte der Verkäufer, dass er besagten Kunden in der Drogerieabteilung vor dem Regal mit den Tampons angetroffen habe. "Ihnen steht wohl ein trauriges Wochenende bevor, wie wäre es mit Angeln?", habe er den Kunden gefragt.
In seinem Buch hat Karasek auch ein Kapitel über rassistische Witze geschrieben. Diese seien aber nur gut, wenn sie sich über den Rassismus selbst lustig machen. Auch als Hellmuth Karasek schon Schluss machen will, fällt ihm noch ein Witz ein.
Wie in der Vogtei üblich, überreicht Bernhard Betz, der Geschäftsführer der Friedrich-Baur-Stiftung, eine Packung Pralinen einer bekannten Konditorei geschmückt mit einem Bild des historischen Gebäudes. Schokolade sei gesund, habe er gelesen, sagt Karasek. Viel Zeit nimmt er sich auch beim Signieren, schreibt auf Wunsch eines Jugendlichen Glückwünsche zum Muttertag in sein Werk "Frauen sind auch nur Männer" und lässt sich auf Wunsch auch mit Besucher fotografieren.
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