Herzogenaurach

Trauernd schauen wir hinüber

Serie Erster Weltkrieg (9)  Für die zahlreichen Toten des Ersten Weltkriegs, die meist in der Fremde begraben lagen, verlangte es nach einem Ort der Trauer und des Gedenkens. Zahlreiche Denkmäler wurden auch in unserer Region errichtet.
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Das Kriegerdenkmal in Falkendorf wurde im Oktober 1921 eingeweiht.
Das Kriegerdenkmal in Falkendorf wurde im Oktober 1921 eingeweiht.
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von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Herzogenaurach — Eins der ersten Kriegerdenkmäler für die Gefallenen des Weltkrieges wurde in Falkendorf bereits 1921 seiner Bestimmung übergeben. In Weisendorf ergänzte man 1922 das Denkmal für die Kriege in den Jahren 1866 und 1870/71 um die Namen der Gefallenen das Ersten Weltkriegs. Im gleichen Jahr erstand auch das Denkmal in Neuenbürg. Einen vorläufigen Schlusspunkt machte Niederndorf 1936.
Manche Denkmale wurden nach 1945 um die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ergänzt. In Hammerbach entstand ein Denkmal zum Andenken an die Toten beider Weltkriege neu, genauso in Hesselberg.
Die Möglichkeiten, an die Toten öffentlich zu erinnern, reichten von der schlichten Gedenktafel an der Kapelle in Hauptendorf oder im Eingangsbereich der Kirche von Kairlindach bis zu monumentalen Anlagen wie dem Heldenfriedhof in Höchstadt, der auf 80 Grabsteine aus Eggolsheimer Sandstein die Namen und die Daten der Gefallenen trägt.
Unterschiedlich sind auch die Bezeichnungen und Beschriftungen. Während in Höchstadt ein Heldenfriedhof angelegt wurde, wird das Mahnmal in der Krypta der Herzogenauracher Marienkapelle als Kriegergedächtnisstätte tituliert. Eine Tafel listet ohne Pathos die Namen der Toten auf.
In Neuenbürg trägt das Denkmal die Aufschrift: "Ihren ehrenvoll fürs Vaterland Gestorbenen zu treuem Gedenken. Ihren aus dem Krieg Heimgekehrten zum Zeichen der Dankbarkeit", in Falkendorf "Unseren 1914-1918 Zum Schutze der Heimat gefallenen Helden".
"1914-1918 starben fürs Vaterland" steht auf dem Denkmal in Weisendorf, in Reuth "Ehrendes Andenken unserer fürs Vaterland gefallenen Helden", in Biengarten "Unsere im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Helden". Das Denkmal in Niederndorf trägt die Aufschrift "Ihren gefallenen Helden" und den Zusatz "Süss und ehrenvoll ist es fürs Vaterland zu sterben". Mit der Distanz der vergangenen Zeit findet sich in Hesselberg zu den Namen der Toten und Vermissten die Überschrift "Wanderer gehst du vorüber, gedenke der Opfer der beiden Weltkriege".
Zur Einweihung des Kriegerdenkmals in Falkendorf am 9. Oktober 1921, hatten sich zahlreiche Gäste aus der Umgebung eingefunden.
Für Weisendorf war es ein Ehren- und Festtag, als am 3. September 1922 das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz enthüllt wurde. Die Grundlage des Kriegerdenkmals bildete das Denkmal von 1896 zur Erinnerung an die Kriege 1866 und 1870/1871. Der Granito belisk wurde an der Basis um einen Block erweitert, er trägt an der Vorderseite die Namen der Gefallenen, auf den weiteren drei Seiten die Namen der Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs aus dem Bereich der Kirchengemeinden Weisendorf.

Geschmückt

An den Haupteingängen des Orts waren Ehrenpforten errichtet worden.
Die Häuser waren mit Girlanden und Kränzen geschmückt, bunte Fahnen hingen von den Giebeln herab. Zur Feier waren 19 auswärtige Vereine angemeldet. Der Festplatz befand sich im Schlosshof, den Baron Guttenberg für diesen Anlass zur Verfügung stellte.
Nach dem Gottesdienst führte ein Festzug zum Marktplatz, wo das verhüllte Denkmal stand. Pfarrer Andreas Remshard trug als Vorsitzender des Denkmalausschusses die Entstehungsgeschichte vor. Zu einem Ehrensalut fiel die Hülle. Dazu sangen der Gesangsverein Weisendorf und Polyhymnia-Erlangen den Trauerchor "Trauernd schauen wir hinüber, wo ihr schlaft in guter Ruh." 1959 wurde das Denkmal an den Reuther Weg versetzt, erweitert um die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs.
In Höchstadt war der alte Friedhof an der Stadtmauer 1876 aufgelassen worden. Hier entstand 1922/1923 der Heldenfriedhof. In zwei langen Reihen sind 80 Grabsteine aus Eggolsheimer Sandstein aufgestellt, auf denen sich der Name, der Geburts- und der Sterbetag des Gefallenen verzeichnet findet.
An der alten Stadtmauer findet sich das Bild des Erlösers am Kreuz. Hier wird seit 2003 der Opfer der Eroberung Höchstadts durch die Schweden 1633 gedacht.
Auf der gegenüberliegenden Seite erinnert ein Mahnmal an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs.
Die Anlage war mit Edeltannen, Ziersträuchern und Blutbuchen bepflanzt. Dazwischen fanden sich Ruhebänke und ein Betschemel aus Tuffstein.
Die ehemalige Ottilienkapelle trägt über dem Eingang Inschrift "Seid eingedenk der Taten eurer Väter!"
Unter dem Fußboden ist eine Gruft, in der fünf Höchstadter Gefallene bestattet sind, Sandsteintafeln verzeichnen ihre Namen. Die sechste Tafel ist dem namenlosen Gefallenen des Weltkriegs gewidmet.
Auf dem Altartisch aus Eggolsheimer Sandstein steht eine lebensgroße Pieta aus Abensberger Marmor, geschaffen vom Bildhauer Johann Speth in Bamberg.

7000 Mark gesammelt

"Herzogenaurach ehrt seine gefallenen Helden", titelte das Herzogenauracher Tagblatt am 25. Oktober 1932 zur Einweihung der Kriegergedächtnisstätte am 23. Oktober 1932. Bis dahin war es ein langer Weg. Am 27. Juli 1927 hatte die Ortsgruppe Herzogenaurach des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold dem Stadtrat Herzogenaurach 50 Mark zur Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs übergeben.
Ein Kriegerdenkmalauschuss hatte drei Projekte zur Auswahl erarbeitet. Zum einen ein Denkmal auf dem Marktplatz, zum anderen einen Gedächtnishain beim Friedhof oder aber die Ausgestaltung der Krypta der Marienkapelle.
Nach den Beratungen schien den Verantwortlichen die Krypta am stimmungsvollsten zu sein. Die vom Ausschuss gesammelten 7000 Mark wurden zu deren Ausgestaltung verwendet.Die Kriegergedächtnisstätte wurde nach Plänen von Joseph Schmuderer vom Landesamt für Denkmalpflege ausgeführt.
Schmuderer entwarf den Kenotaph, die Namenstafel und die schmiedeeisernen Kerzenhalter sowie die Inschrift auf der Balustrade. Die Planung übernahm Architekt Ferdinand Kurr und die Ausführung der Steinmetzmeister Hans Gast.

Blumen aus dem Flugzeug

Die Einweihung fand am 23. Oktober 1932 durch Pater Herigar statt. Der Herzogenauracher Bürgermeister Valentin Fröhlich hielt die Festrede. Bei der Einweihung warf ein überfliegendes Flugzeug einen Blumenstrauß herab.
Die Tafeln befinden sich noch in der Krypta der Marienkapelle, der Kenotaph wurde in den alten Friedhof gebracht und steht vor dem Denkmal der Heimatvertriebenen. Auch die Gemeinde Niederndorf hatte im Ersten Weltkrieg 18 Gefallene zu beklagen. Zu ihrem Gedenken weihte Stadtpfarrer Franz Rathgeber am 25. Oktober 1936 das neue Kriegerdenkmal ein.

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