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Tennenlohe

Tierarzt erlöst Silvio vom Leid

Natur  Ein Hengst aus der Gruppe der Przewalski-Pferde im Tennenloher Forst musste eingeschläfert werden. Über kurz oder lang wäre er auch in freier Wildbahn an den Folgen der Rangordnungskämpfe gestorben, die sich die Tiere geliefert haben.
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Zwischen den Przewalski-Pferden gab es nie Probleme, jetzt allerdings wurden die Hengste Silvio und Bator bei Rangordnungskämpfen verletzt. Foto: LPV Mittelfranken
Zwischen den Przewalski-Pferden gab es nie Probleme, jetzt allerdings wurden die Hengste Silvio und Bator bei Rangordnungskämpfen verletzt. Foto: LPV Mittelfranken
Tennenlohe — Bei Rangordnungskämpfen zwischen den Przewalski-Pferden im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst ist es diese Woche zu schweren Verletzungen gekommen. Ein Hengst wurde am Auge verletzt, ein weiterer Hengst musste wegen einer schweren Beinverletzung eingeschläfert werden, teilt Verena Fröhlich vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken mit.
Im Tennenloher Forst leben im Rahmen eines Beweidungsprojekts des Landschaftspflegeverbands seit 2003 Przewalski-Hengste. Die Pferde sorgen als vierbeinige Landschaftspfleger für den Erhalt der wertvollen sandigen Offenflächen mit ihrer seltenen Flora und Fauna. Zuletzt teilten sich neun Hengste in drei Gruppen das etwa 90 Hektar große Gehege. Bisher verlief das Zusammenleben der drei Gruppen ohne nennenswerte Probleme. Am Montag kam es jedoch zu ernsten Rangordnungskämpfen zwischen den Hengsten. Bei den Kämpfen wurde der siebenjährige Bator so gravierend am Auge verletzt, dass das Pferd in Narkose gelegt und genäht werden musste. Am Dienstag traf die Gebietsbetreuerin Verena Fröhlich dann den sechsjährigen Silvio mit hochgradiger Lahmheit an. Noch vor der Ankunft des sofort herbeigerufenen Tierarztes wurde Silvio erneut von einem der anderen Hengste angegriffen.

Hengst war wehrlos

"Dabei hat sich gezeigt, dass Silvio solchen Angriffen in seinem Zustand absolut nichts entgegenzusetzen hatte. Er lahmte so stark, dass er sich weder wehren noch davonlaufen konnte", berichtet die Biologin, die als Mitarbeiterin des Landschaftspflegeverbands auch für die Przewalski-Pferde zuständig ist. Um ihm weiteres Leid zu ersparen, wurde der schwer verletzte Hengst kurz darauf eingeschläfert.
Dr. Hermann Will, der behandelnde Tierarzt des Tiergartens Nürnberg, erklärt: "In dieser Situation blieb uns bedauerlicherweise keine andere Möglichkeit, als Silvio einzuschläfern. In seinem wehrlosen Zustand hätten ihm die anderen Hengste sicher weitere Verletzungen zugefügt, die früher oder später zum Tod geführt hätten. Bei Wildtieren wie den Przewalski-Pferden sind unsere Behandlungsmöglichkeiten überdies sehr eingeschränkt. Silvio ließ sich nicht anfassen, und man kann ein Wildpferd auch nicht mal eben in einer Box ruhigstellen. Jede Behandlung ist daher mit riskanten Narkosen und viel Stress für das Tier verbunden und muss im Sinne des Tierschutzes sorgfältig abgewogen werden." Eine Obduktion soll nun klären, welche Verletzungen die extreme Lahmheit hervorgerufen haben.
Auch Verena Fröhlich und ihre Kollegin Wiebkea Bromisch bedauern den Verlust von Silvio. "Es ist sehr traurig, ein Pferd einschläfern zu müssen, das man jahrelang betreut hat. Leider sind solche Entscheidungen zum Wohl des Tieres manchmal unumgänglich." Trotzdem kann man den angreifenden Hengsten keinen Vorwurf machen, sind die Gebietsbetreuerinnen überzeugt. "Rangordnungskämpfe gehören nun einmal zum natürlichen Verhalten von Przewalski-Hengsten, auch in der Natur kommt es dabei immer wieder zu Todesfällen. Dieses Risiko bringt die artgerechte Haltung der Hengste in Junggesellengruppen leider mit sich."

Ungewisse Zukunft

Silvios ehemaliger Herdengenosse Bator ist nun aktuell als Einzelgänger unterwegs. Seine Zukunft ist noch ungewiss. "Wenn seine Augenverletzung ihn nicht mehr so stark einschränkt, wird er vielleicht versuchen, sich neue Herdengenossen aus den anderen beiden Gruppen zu erobern. Sollte es dazu kommen, wären weitere Kämpfe mit den Alpha-Hengsten und damit weitere Verletzungen möglich", erklärt Tierarzt Will. "In diesem Fall könnte Bator nicht länger im Tennenloher Projekt bleiben."

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