Eyrichshof

"The Ghetto" für den Gutsherrn

Musikfest  Bei der ersten Auflage des "Festes der Sinne" im Schloss Eyrichshof begeisterte "TC King" die Gäste vor der prachtvoll illuminierten Kulisse mit den Hits von Elvis Presley.
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VON Johanna Eckert und Ralf Kestel

Eyrichshof — Nicht nur musikalisch war der Auftakt bühnenreif. Am Freitagabend, beim "Warming-Up" des Musikfestes in Eyrichshof bei Ebern, tummelten sich knapp 300 Besucher im Gutshof des Schlosses der Familie von Rotenhan. "Eine super Stimmung", freuten sich die Veranstalter Volker Wrede und Freiherr Hermann von Rotenhan. Das Wetter passte für solch ein Musikevent vor adeliger Kulisse. Auch das Mondlicht ergänzte die perfekte romantische Illumination. Die Gäste waren begeistert und wandelten den gekiesten Platz im Gutshof einfach so in eine Tanzfläche um.
Rockklassiker wie "Moni, Moni" von Tommy James and the shondells (aus dem Jahr 1968) oder Deep Purple's "Hush" wechselten sich bei "Purple heart" mit aktuelleren Nummern und Joe Cocker-Persiflagen. Die Gruppe, die sich aus Musikern aus dem Raum Bamberg/Kitzingen zusammensetzt, verfügt über viel Erfahrung, spielten einige der Mitglieder früher in Bands wie "Shine" oder "McCloud".
Der Hörgenuss wurde abgerundet durch Lasershows im Schlosshof, Farbenspiel am Schlossgemäuer und in vielen Räumen des früheren Pferdestalles, wofür Norbert E. Wirner, einer der Mieter im Schloss, verantwortlich zeichnet. Dazu eine begeisternde Feuershow von Detlef Vogt, die allein schon das Eintrittsgeld wert ist.
Nicht weniger aufregend war der zweite Abend des Musikfestes, an dem kein geringerer als Elvis Presley auf die Bühne geholt wurde. Kein Sänger auf der Welt hat die Menschen je so in den Bann gezogen, wie dieser Mann. Nur er verkaufte eineinhalb Milliarden Tonträger, nur er ist in fünf Hall of Fames vertreten: Rock‘n'Roll, Rockability, Country, Gospel und Blues. Und 37 Jahre nach seinem Tod strahlt sein Ruhm leuchtender denn je.
Natürlich kam der "King of Rock‘n'Roll" nicht persönlich. Solch ein Wunder schafft nicht einmal Volker Wrede, Inhaber des Live-Clubs in Bamberg und seit vielen Jahren in der Veranstaltungsorganisation tätig. Er wollte aber den Wunsch von Baron von Rotenhan erfüllen: "In the Ghetto" sollte durch seinen Gutshof klingen. Dieser Song erreichte wohl in den Rotenhan-Charts eine Top-Platzierung.
Der Adelige wurde aber hingehalten. "TC King", alias Toni Cardone, von den Veranstaltern auch als der "jüngere Elvis Presley" angekündigt, nahm das Publikum zwar mit auf eine kleine Tour durch die Musikgeschichte der Jahre 1954 bis 1970. "In the Ghetto" aus dem Jahr 1969 ließ er aber aus. Dafür erfüllte der Elvis-Sänger mit sizilianischen Wurzeln sonstige Wünsche der Fans. Das war mitunter auch das i-Tüpfelchen der ganz persönlichen Konzertstimmung an diesem Abend.
Nicht nur seine Elvis-Tolle passte den ganzen Abend lang perfekt. Auch die der "Teddy-Boy"-Anhänger, die zu seinen Füßen mitrockten. Die "Teddy Boys" sind eine Subkultur, die sich musikalisch auf den Rock‘n'Roll berufen. Sie lieben die Musik jenseits von Popkultur und Mainstream. Sie lieben und leben heute den Look der 50er-Jahre. Zwischen all den Applikationen auf der Lederweste schimmerte auch das Eberner Stadtwappen. Die Heimat lieben sie auch.
"Ich finde es toll, dass heute einmal ordentliche Musik geboten ist. So ein Event in Ebern, das ist nicht schlecht", so der Eberner "Teddy Boy", der kurzerhand schon wieder auf dem Weg direkt vor die Bühne war. Seinen Look aus Kleidung und Frisur legt er nur ab, wenn er an seinem Arbeitsplatz ist. Elvis ist sozusagen Teil seines Lebensstils.
Zurück zum Baron und seinem Liedwunsch. Seine Hoffnung flammte wieder auf, als Klaus Kohlpaintner aus Burghausen die Bühne betrat. Kohlpaintner ist nicht nur Zahnarzt in Oberbayern, sondern gilt mittlerweile als einer der größten Elvis-Imitatoren weltweit. "Dr. Kingsize" ist sein Name. Und nicht nur seine Körpergröße, sondern auch die unverwechselbare Art seiner Show hat den Zahnarzt zu einem perfekten Musiker und Entertainer wachsen lassen. Die englische Sprache liegt ihm beim Singen, seine Ansagen künstelt er auf oberbayerisch - das ist authentischer, und in Eyrichshof hatte damit auch keiner ein Problem.
Und dann endlich, ganz zum Schluss: "In the Ghetto." Einer der bekanntesten Hits von "King" Elvis Presley und auch der einzige, der in Deutschland ein Nummer-1-Hit wurde: Die Geschichte eines kleinen Jungen, der an einem verschneiten Tag in einem Chicagoer Ghetto zur Welt kam und auf die schiefe Bahn gerät. Die Botschaft dieses Songs, der die Ghetto-Armut und die gesellschaftliche Gleichgültigkeit beschreibt: "Nicht wegsehen, sondern helfen." Besser hätte ein befriedigender Abschluss nicht sein können.
Bei dieser Show zogen sich Männer und Frauen gegenseitig von den Stühlen, kickten und sprangen zur Musik. Es wurde einiges an Musikkultur geboten, zwischen all der adeligen Bausubstanz der Familie Rotenhan, die bald auf 700 Jahre Dasein zurückblicken wird. Noch trägt das Musikfest nicht die reiche Blüte, wie es der Familie schon bei anderen Veranstaltungen auf dem Anwesen geglückt ist. Es war ja auch die Premiere. Doch die Besucher waren sich einig: "Das hat Potenzial und ist einmalig in der Region."
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