LKR Haßberge
Umfrage 

Terror drückt Note für das Jahr 2016

Wie haben die Einwohner im Landkreis Haßberge das zurückliegende Jahr erlebt? Was hat ihnen zugesagt, was hat sie geärgert? Und welche Erwartungen haben sie für 2017? Wir haben nachgefragt und interessante Antworten erhalten. Während das Weltgeschehen vielen Sorgen bereitet, werten die meisten ihre eigene Situation positiv. Die Noten für 2016 reichen von Eins bis Fünf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Marianne Mergenthaler ist gerne unterwegs - mit dem Rad, wie auch per pedes, Besonders beeindruckt hat sie im Jahr 2016 die Fußwallfahrt nach Gößweinstein. 2017 will sie wieder mitlaufen. Fotos: Ralf Naumann
Marianne Mergenthaler ist gerne unterwegs - mit dem Rad, wie auch per pedes, Besonders beeindruckt hat sie im Jahr 2016 die Fußwallfahrt nach Gößweinstein. 2017 will sie wieder mitlaufen. Fotos: Ralf Naumann
+11 Bilder
"Privat eine Zwei und weltpolitisch eine Vier". Für Marianne Mergenthaler hat sich das Jahr 2016 sozusagen "zweigeteilt" präsentiert. Die Knetzgauerin hat sich, wie viele Menschen in den Haßbergen, im Maintal und im Steigerwald, in den vergangenen Tagen und Wochen viele Gedanken über die letzten 365 Tage gemacht. Dass sie angesichts der Geschehnisse weltweit lediglich die Note "ausreichend" vergibt, ist dabei nicht verwunderlich. "Weil sich nichts zu ändern scheint", verweist sie auf viele Ereignisse, die einfach traurig stimmen, wütend machen sowie auf der anderen Seite sprach- und hilflos.
Vor allem die zahlreichen Terroranschläge, die Bürgerkriege oder die verheerenden Naturkatastrophen. Nicht zu vergessen die regelmäßigen Drohgebärden aus Nordkorea. Die 61-Jährige wünscht für das kommende Jahr "für meine Mitmenschen mehr Menschlichkeit und Toleranz gegenüber jedem Einzelnen." Im privaten Bereich dagegen war es "für mich ein gutes Jahr" freut sich Marianne Mergenthaler über zahlreiche positive Erlebnisse mit und bei ihren Hobbys. Beim regelmäßigen Wirtshaussingen, dem Tanzen, dem Gesangverein "Frohsinn", der Seniorentanzgruppe sowie der Bewegung in freier Natur ("Das ist meine große Leidenschaft, egal ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad") diktierten Entspannung, Spaß und Frohsinn das Geschehen und verdrängen das Negative für einige Stunden in den Hintergrund. Dafür vergibt sie die Note "gut".
Doch das "größte emotionale Ereignis dieses Jahr" war für sie, "wie auch schon in den vergangenen Jahren", wieder die Knetzgauer Fußwallfahrt nach Gößweinstein. "Durch die zu Herzen gehenden Gottesdienste, das gemeinsame Beten, Singen, Lachen, Trösten, sich gegenseitig Mut zusprechen und das Gemeinschaftserlebnis, füreinander da zu sein, bekomme ich viel Kraft und Mut, das kommende Jahr und all das, was vor einem liegt, zu meistern", schwärmt Mergenthaler. Kein Wunder, dass sie der nächsten Fußballwallfahrt bereits entgegenfiebert.

Peter Trautner (24) aus Gleisenau: "Für mich war das Jahr 2016 ein sehr erfreuliches Jahr, da wir mit unserem Heimatverein SV Rapid Ebelsbach Anfang des Jahres Futsal-Meister geworden sind und eine weitere Meisterschaft mit dem Aufstieg in die Kreisliga folgte. Auch im privaten Bereich lief es ganzjährig sehr gut. Global gesehen war das Jahr für mich geprägt vom Wahlsieg Donald Trumps, dem Putschversuch in der Türkei und natürlich der Flüchtlingsdebatte. Mir gegenüber waren die Flüchtlinge immer sehr freundlich, und auch obwohl ich gegenüber eines Flüchtlingsheimes wohne, gab es keinerlei Anlass zur Beschwerde. Insgesamt würde ich dem Jahr trotz dieser politischen Ereignisse eine 1 geben, da es privat und mit meiner Mannschaft sehr gut lief."

Eva-Maria Rausch (27) aus Zeil: "Für mich stand 2016 die Familie im Vordergrund. Im Juni war die ganze Familie mit Freunden und Hund im Urlaub in der Toskana. Außerdem haben uns unser Cousin und seine Frau mit Nachwuchs überrascht. Was mich ganz besonders freut, ist, dass in der Brauereigaststätte Göller nun auch für Rollstuhlfahrer der Besuch, durch den barrierefreien Umbau des Eingangs, kein Problem mehr ist. In guter Erinnerung ist mir 2016 geblieben, dass die Europameisterschaft, trotz der vielen Terroranschläge auf der ganzen Welt, so friedlich verlaufen ist. Für das Jahr 2017 wünsche ich mir Gesundheit und Frieden für alle Menschen und Tiere." Dem Jahr gibt sie die Note 3-.

Thomas Heidenreich (51) aus Ebern: "Im Jahr 2016 bin ich im zweiten Jahr beim Caritasverband für den Landkreis Haßberge in der Asylsozialberatung an meinem Wohnort tätig gewesen. Besonders positiv war für mich in diesem Jahr zu sehen, mit welch großer Motivation sich die Flüchtlinge um ihre Integration bemühen. Große Unterstützung erfahren sie dabei durch die weitsichtig agierende Verwaltung im Landkreis und in der Stadt Ebern, durch sehr engagierte ehrenamtliche Helfer und eine weitgehend offene Bürgerschaft, aber auch durch eine funktionierende örtliche Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden, Ärzte, Betriebe. Ich glaube, dass durch die Fortführung dieser Initiativen eine gute Integration und ein erfolgreiches Miteinander gelingen kann. Persönlich habe ich mich über die Fertigstellung und Eröffnung des Hallenbades und des neuen Kreisels gefreut. Hier wurde sinnvoll in die Zukunft Eberns investiert. Sorge machten mir die Nachrichten um die Haßbergkliniken und die Entbindungsstation im Krankenhaus Haßfurt. Hier hoffe ich, dass die Entscheidungs- und Kostenträger nachhaltige Lösungen für den Erhalt der Einrichtungen entwickeln können." Er vergibt die Note 2.

Thomas Herrmann (52) aus Fischbach: "Dem Jahr 2016 gebe ich eine 2, weil es hier in den Haßbergen einfach gut zu leben ist. Wir haben mehr, als viele Menschen zu träumen vermögen. Das bewegendste lokale Erlebnis im letzten Jahr war für mich, wie mündige Bürger aus ihren Wohnzimmern herauskamen, um Demokratie zu praktizieren. So gelang es in den Haßbergen, die Fortsetzung einer fehlgesteuerten Windenergiepolitik zu verhindern, wenn auch leider nur mit Hilfe eines Schwarzstorches, wo doch der Mensch den höchsten Wert für die Politiker darstellen sollte. Uns allen wünsche ich ein menschliches 2017."

Bernadette Knop (54) aus Mechenried: "Dieses Jahr begann für mich mit einer schockierenden Nachricht, da meine beste Freundin sehr schwer erkrankte. Durch diesen Schickschalsschlag ist mir wieder bewusst geworden, wie wertvoll die Gesundheit ist. Durch meine berufliche Veränderung bekomme ich nun wieder die Wertschätzung, die ich lange Zeit nicht mehr verspürt habe. Mit einem weinenden und lachenden Auge nehme ich die Veränderung in meinem Dorf wahr. Denn zum einen sind viele schöne Erinnerungen mit dem Abriss des Kindergartens und Pfarrzentrums eingeebnet worden. Jedoch sehe ich erwartungsvoll in die Zukunft, denn das neue Bürgerhaus (G3) ist bereits ein Zentrum der Dorfgemeinschaft, in dem Begegnungen barrierefrei stattfinden können. Für uns alle wünsche ich mir Gesundheit und Zufriedenheit, und dass Mechenried ans Radwegenetz angeschlossen wird." Sie vergibt die Note 2-.

Thomas Götz (18) aus Stettfeld: "Neben den vielen negativen Nachrichten aus Syrien und der Türkei gab es für mich auch schöne und glückliche Momente im Jahr 2016. Besonders gefreut habe ich mich über mein Abitur und über die Zusage des Freistaates Bayern, meine Ausbildung im Finanzamt zum Diplomfinanzwirt (FH) machen zu können. Als ambitionierter Sportler bin ich jedoch auch von der Entwicklung im Spitzensport enttäuscht. Der Sport rückt immer mehr in den Schatten von Dopingskandalen und wirtschaftlichen Interessen. Für das Jahr 2017 wünsche ich mir Gesundheit und Weitsicht der Politiker." Er vergibt die Note 2.

Wilma Frey (41) aus Haßfurt: "Nachdem mein Mann und ich 2015 unser Haus in der Gemeinde Knetzgau aus gesundheitlichen Gründen verkauft haben, verbrachten wir unsere Zeit zum Jahreswechsel recht angenehm in einer schönen Ferienwohnung in Schmach-tenberg fast ganz oben am Berg. Im Frühling 2016 wechselten wir in einen Wohnwagen direkt vor unserem Neubau im Haßfurter Neubaugebiet Osterfeld II. Eine aufregende Zeit sowohl im positiven als auch im negativem Sinne. Man lernt, mit Wenigem auszukommen. Wir konnten so immer vor Ort alle Schwierigkeiten, die beim Bau auftraten, versuchen, zeitnah zu beheben. Mittlerweile ist fast alles in Ordnung und wir haben uns auch gut eingelebt." Wilma Frey, "als ewiger Optimist", gibt dem Jahr die Note 2.

Madleine Schor (14) aus Steinbach: Das Jahr 2016 war für mich zweigeteilt. Auf der einen Seite die schrecklichen Terroranschläge und Attentate auch hier ganz bei uns in der Nähe. Auch die Erdbeben und Kriege, die Menschen dazu veranlassten, ihr Heimatland zu verlassen, stimmten mich sehr traurig. Das Jahr 2016 hatte aber auch seine schönen Seiten. Ich denke hier vor allem an die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich und den Formel-1-Weltmeistertitel für Nico Rosberg. Privat hatte ich in diesem Jahr sehr viele schöne Erlebnisse. So konnte ich unter anderem viele neue Erfahrungen bei der Aufführung unseres 8-Klass-Spiels "Der eingebildete Kranke" in der Schule sammeln. Für 2017 wünsche ich meiner Familie und mir viel Gesundheit und Erfolg und Frieden für die ganze Welt." Sie gibt dem Jahr die Note 2.

Eva-Maria Fischer (29) aus Eltmann: "Das Jahr 2016 kann ich rückblickend für mich persönlich als positiv ,verbuchen', denn oft sind es die kleinen Dinge und Gesten, die das Leben lebenswert machen. Natürlich hielt das vergangene Jahr auch die eine oder andere Überraschung für mich bereit. Besonders beeindruckt haben mich in diesem Jahr die Leistungen der Sportler bei den Paralympics in Rio. Es freut mich, dass Behindertensport in unserer Gesellschaft immer mehr Aufmerksamkeit findet. Auch im Landkreis Haßberge gibt es einen Behindertensportverein, für den ich mich etwas engagiere: den Verein ,Rollende Basketballer e. V.'. In Anbetracht der besorgniserregenden Ereignisse auf dieser Welt, dürfen wir uns glücklich schätzen, dass wir nicht direkt von Krieg, Terror und größeren Naturkatastrophen betroffen sind." Ihrem Jahr 2016 gibt Eva-Maria Fischer die Note 2.

Luisa Mai (18) aus Köslau: "Das Jahr 2016 war geprägt von vielen positiven wie auch negativen Ereignissen. Ich persönlich fand vor allem die Integration der Migranten in unserem Landkreis sehr positiv. Dies kann man nicht von allen Orten in Deutschland behaupten. Für das kommende Jahr würde ich mir wünschen, dass der Rechtsradikalismus und der gegenseitige Hass mancher Menschen ein Ende findet." Sie vergibt die Note 2. rn

Fortsetzung auf der nächsten Seite
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren