Schweinfurt

Taxifahrt endet mit Beleidigung

Urteil  Der Fahrer wird zu 25 Tagessätzen verurteilt. Der Beleidigte kommt auch noch vor Gericht.
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Schweinfurt — Eine Taxifahrt der etwas anderen Art ereignete sich am 27. Mai vergangenen Jahres in der Region Schweinfurt. Nun muss sich der ausländische Fahrer wegen Beleidigung vor dem Schweinfurter Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: Laut Anklage hat er seine zwei Kunden als "Nazischweine", "Kasper" und "Null" betitelt. Er habe den Begriff "Nazi" benutzt, ohne zu wissen, dass er sich damit strafbar macht, gab der Taxifahrer vor Gericht an. Jedoch habe er seine Fahrgäste nicht grundlos beleidigt.
Schon als das Paar einstieg, das von Waigolshausen nach Werneck gebracht werden wollte, sei ihm eine latent aggressive Stimmung aufgefallen. Zudem seien die Fahrgäste seiner Wahrnehmung nach stark alkoholisiert gewesen. Als der Angeklagte sich nach eigenen Angaben aus Versehen mit dem Fahrzeug falsch einordnete, dies aber rechtzeitig merkte, sagte der Kunde: "Was für eine Idiotenfahrt". Der 54-Jährige habe dann auf die Türken geschimpft (Anmerk. der Red.: der Angeklagte ist Südländer, aber nicht türkischer Abstammung) und irgendwann einen Spruch gebracht: "Hätte Adolf noch gelebt, hätte er Sie schon vergast", erklärt der Taxifahrer dem Gericht. Das sei ihm zu arg gewesen.
Er habe sich verbal gewehrt und dann am Straßenrand angehalten. "Ich wollte die Fahrt so nicht weiterführen, bat die Gäste auszusteigen und informierte die Taxizentrale." Der Kunde habe jedoch darauf bestanden, an sein Ziel gebracht zu werden. Es folgten weitere gegenseitige Beschimpfungen auf der Straße. Die Freundin des Fahrgastes habe versucht, neutralisierend auf die Situation einzuwirken. Als dies nicht gelang, rief sie die Polizei. Der Polizeibeamte im Zeugenstand beschrieb die Stimmung beider Männer vor Ort als aufgeheizt.
Die Geschädigten sagten unisono vor Gericht aus, dass außer des Begriffs "Idiotenfahrt" von ihrer Seite aus keine Beleidigung gefallen sei. Es sei ihnen nicht klar geworden, warum der Angeklagte darauf so hitzig reagierte. Beide beschrieben, wie er die Hand zum Hitlergruß nach oben streckte, die Füße stramm aneinanderstellte und sie beschimpfte. Der Fahrgast beschrieb sich selbst als eher "ruhigen Typen", der nichts gegen Ausländer hat. Wegen seiner Glatze habe der Angeklagte ihn als Nazi beschimpft.
Staatsanwältin und Richterin schätzten die Angaben des Angeklagten als glaubwürdig ein. "Ich gehe davon aus, dass da noch andere Begrifflichkeiten seitens des Fahrgastes gefallen sind", so die Richterin. Allerdings könne man auf eine Beleidigung nicht mit einer Beleidigung reagieren. Sie verurteilte den 32-jährigen Taxifahrer zu 25 Tagessätzen à 25 Euro. Der Fahrgast seinerseits muss sich Anfang Februar - ebenfalls wegen Beleidigung - vor Gericht verantworten. kgh

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