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Ebermannstadt

Taubenliebe auf gut fränkisch

Hobby  16 Brieftaubenvereine aus der Region gehören der Ebermannstadter Reisevereinigung Fränkische Schweiz an. Die Mitglieder freuen sich jedes Mal aufs Neue, wenn ihre Tiere den Weg in den heimischen Stall finden.
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Es geht zu wie im sprichwörtlichen Taubenschlag, wenn die Tiere sich auf ihre Heimreise machen.  Foto: privat
Es geht zu wie im sprichwörtlichen Taubenschlag, wenn die Tiere sich auf ihre Heimreise machen. Foto: privat
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von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

E bermannstad t — Nicht nur Horst Köferlein aus Ebermannstadt sitzt an den Frühlings- und Sommerwochenenden auf seiner Bank und schaut häufig zum Himmel. Den Himmel und die Wetterkarte beobachten auch Bernhard Egloffstein aus Obertrubach und viele andere Männer aus der Fränkischen Schweiz. "Jetzt kommen die ersten, da könnte meine dabei sein", beschreibt Köferlein die Gedanken, die dann ihm und seinen Vereinskollegen durch den Kopf gehen, wenn sie die ersten Brieftauben am Himmel erspähen.
Es ist erst ein paar Tage her, dass 1600 Tauben von Kusel - der Ort liegt kurz vor Frankreich - ihr Zuhause in der Fränkischen Schweiz. "Tauben fliegen immer nur nach Hause. Egal, wo sie aufgelassen werden", sagt Thomas Kraus aus Kirchehrenbach. Eine Taube muss also immer an einen anderen Ort gebracht werden, damit sie nach Hause fliegen kann. "Irrtümlicherweise glauben viel Menschen noch heute, Tauben bringen eine Botschaft an eine bestimmte Adresse, ähnlich der Post", erzählt Kraus. Vermutlich entstand diese Meinung durch die Geschichte der Botentauben, die schon für das 2. Jahrtausend vor Christus zwischen Euphrat und Tigris und im Alten Ägypten nachgewiesen worden sind.

Zu Zwecken der Spionage

Die Herrscher überbrachten dringende und geheime Botschaften durch die Tauben, die nur schwer vom Feind abgefangen werden konnten.
Bis in die Neuzeit hinein war das die Hauptaufgabe der Tauben. Auch im Ersten Weltkrieg waren es die Tauben, die in den belagerten und zerstörten Städten eine Kommunikation ermöglichten. Selbst für Spionagezwecke wurden Tauben benutzt, da sie im Gegensatz zu Drohnen und technischen Geräten nicht störungsanfällig sind und nicht geortet werden konnten. "Man nutzte die Heimatliebe der Tauben, die über viele Kilometer so schnell wie möglich nach Hause fliegen", sagt Thomas Kraus. Er ist bei der Reisevereinigung Fränkische Schweiz. "So heißt die Brieftaubenvereinigung, der aus den unterschiedlichsten Orten der Region 16 Brieftaubenvereine angeschlossen sind", informiert Markus Kreller. Er ist Vorsitzender der Reisevereinigung FS.
Dieser Reisevereinigung müssen die einzelnen Vereine angeschlossen sein, um an den Wettflügen teilnehmen zu können. "45 reisende Schläge, das ist der aktuelle Stand", sagt Kreller. Von Anfang Mai bis Mitte September finden 13 Alttier- und fünf Jungtierflüge statt. Mit dem Taubenexpress, so heißt der vereinseigene Lastwagen, werden die Vögel zu ihrem Startort gebracht. Der Fahrer und zwei Vereinsmitglieder übernachten dort, tränken die Tauben noch und warten dann auf den Anruf von Flugleiter Markus Merkel: dessen Aufgabe ist es, das Wetter zu checken.
Bei lang anhaltendem Regen fliegen die anmutigen Tiere nicht. "Wenn die Federn nass sind, können sie nicht fliegen. Die Tauben würden runtergehen; auf der Wiese, dem Feld oder auf die Straße gehen und Fressen suchen. Die Taubenverluste wären zu groß", sagt Bernhard Egloffstein, der Vorsitzende des Brieftaubenvereins in Gößweinstein. Welche Taube am schnellsten am Ziel ist, teilt ein Chip mit, den jede Taube am Ring hat. Laufen die Vögel nach ihrem Flug wieder in den Schlag, tippeln sie über eine Antenne, die die Flugzeit ausrechnet.

Spezielles Futter

So aufregend dieses Hobby ab dem Zeitpunkt des Wettfluges ist, so beruhigend ist die tägliche mehrstündige Beschäftigung mit den Tauben selbst.
"Wenn ich aus dem Geschäft rausgehe, kann ich im Taubenschlag richtig abschalten. Da schaue ich mir auch die Nestlinge an", erzählt nicht nur Hans Bayer, Vorsitzender des Vereins in Effeltrich, von der positiven Wirkung des Zusammenseins mit den Tauben. Deren Unterkunft muss täglich gereinigt werden, jede Taube erhält ihre spezielle Futtermischung, und auch der tägliche Freiflug muss gewährleistet sein und geübt werden. "Die Zucht der Brieftaube ist eine Wissenschaft und eine Kunst", betont Kraus.

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