Lichtenfels

Tanzen hilft über alle Barrieren

Disco-Nacht  Zu einer gemeinsamen Feier trafen sich Flüchtlinge und Lichtenfelser Jugendliche im Juz.
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Miteinander ins Gespräch zu kommen, darum ging es bei der ersten Disco-Nacht unter dem Motto "Meet and greet".
Miteinander ins Gespräch zu kommen, darum ging es bei der ersten Disco-Nacht unter dem Motto "Meet and greet".
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von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Lichtenfels — Mit dieser Resonanz hatte niemand gerechnet, weder die Organisatoren noch die Mitarbeiter des Jugendzentrums. Überrascht zeigte sich auch Tom Blößl, der hauptamtliche Mitarbeiter des Juz. "Wir haben zwischen 30 bis 50 Teilnehmer erwartet. Gekommen sind zwischen 80 und 100 Leute", erklärt Blößl. Damit wurde die erste Disco-Nacht von einheimischen Jugendlichen und Flüchtlingen unter dem Motto "Meet and greet" ein Erfolg und eine Wiederholung ist Blößl zufolge durchaus möglich.
Miteinander feiern und miteinander ins Gespräch kommen, um füreinander Verständnis zu wecken - das war der Grundgedanke der ersten Disco-Nacht. Zahlenmäßig halten sich die jungen Flüchtlinge und die Lichtenfelser Jugendlichen in etwa die Waage. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Veranstaltung am Abend kam von den jungen Flüchtlingen, berichtet Elke Eisele, die im Lichtenfelser Stadtteil Roth Deutsch unterrichtet.


Arabische Pizza mal drei

Einige der jungen Männer aus Eritrea, Syrien und dem Irak hatten sich spontan dazu bereit erklärt, Spezialitäten aus ihren Herkunftsländern zu kochen, die am Samstagabend schnell ihre Abnehmer fanden. Das Kochen habe ihm sehr viel Spaß gemacht, erzählt Jendaj Mohamad aus Syrien. "Ich bin glücklich, hier zu sein und für die Leute kochen zu können." Seine drei verschiedenen Variationen einer arabischen Pizza waren innerhalb kürzester Zeit verspeist.
Der große Saal im Jugendzentrum bot ausreichend Platz zum Tanzen. Kaum dass die ersten Klänge vom Band kamen, formierte sich eine Gruppe von jungen Männern zum Tanzen. In ihren Herkunftsländern genießt der gemeinsame Tanz eine besondere gesellschaftliche Bedeutung, erklärt Samir Balasini. Der Iraker gehört der Volksgruppe der Jesiden an und lebt seit sieben Monaten in Roth. Tanzen sei nicht nur ein Ausdruck der Freude, getanzt wird in jeder Lebenslage und auf jedem Fest. "Wenn jemand traurig ist, dann kommen die Freunde vorbei und fordern ihn zum Tanzen auf, damit er wieder glücklich wird", erklärt Samir Balasini. In seiner Heimat lernen schon kleine Kinder das Tanzen. Bei Hochzeiten tanzt das Brautpaar in der Mitte, alle anderen Hochzeitsgäste außen herum.
Im Lichtenfelser Jugendzentrum wird deutlich, dass Tanzen auch eine wunderbare Art der Verständigung über alle Sprachbarrieren hinweg ist. Zu der Männergruppe gesellen sich schnell heimische Jugendliche. Die Schritte des arabischen Tanzes sind einfach und die dazu passende Musik macht Laune. Bald wird der Platz knapp. Auch bei gängigen Disco-Hits wie Macarena ist die Tanzfläche voll.


Gespräche auf Englisch

Wer nicht gerade tanzen möchte, dem bieten sich ausreichend Möglichkeiten zum Gespräch. Um näher mit jungen Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, sind Rudi Eisele und seine Freunde ins Jugendzentrum gekommen. Insgesamt sind es knapp 15 Jugendliche, die dicht gedrängt an einem Tisch sitzen, gemeinsam essen und sich unterhalten. Die Kommunikation findet hauptsächlich auf Englisch statt, vereinzelt auch auf Deutsch. Es sind ganz normale Themen, die die Jugendlichen bewegen.
"Die Flucht ist kein Thema, das würde sicher keine positiven Erinnerungen wachrufen", erklärt Eisele. Vielmehr wollen sie den Flüchtlingen das Gefühl vermitteln, dass sie hier willkommen sind.
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