Kutzenberg

Symposium zum Thema Suizid: Wenn der Lebenspartner mitleidet

von unserem Mitarbeiter Mario Deller Kutzenberg — Ansteckend sind Depressionen und Alkohol- oder Spielsucht nicht. Aber es wäre fatal, derlei Erkrankte nur isoliert zu betrachten, ...
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Die Ausstellung, an der auch Vertreter von Selbsthilfegruppen teilnahmen, wurde zum angeregten Gedankenaustausch genutzt. Foto: Mario Deller
Die Ausstellung, an der auch Vertreter von Selbsthilfegruppen teilnahmen, wurde zum angeregten Gedankenaustausch genutzt. Foto: Mario Deller
von unserem Mitarbeiter Mario Deller

Kutzenberg — Ansteckend sind Depressionen und Alkohol- oder Spielsucht nicht. Aber es wäre fatal, derlei Erkrankte nur isoliert zu betrachten, ohne deren Familie einzubeziehen. Das 17. Psychiatrie-Symposium des Bezirksklinikums Obermain am Samstag widmete sich vor diesem Hintergrund der Belastung der Angehörigen psychisch Kranker oder Suchtkranker. Das Symposium richtete sich an alle, die psychosozialen Bereich tätig sind. Ärzte und Psychotherapeuten sowie Vertreter von Selbsthilfegruppen kamen, um sich auszutauschen.
Dass die Belange der Angehörigen der Patienten nicht außen vor bleiben dürfen, betonte Christoph Mattern, der Chefarzt der veranstaltenden Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirksklinikum Obermain: "Jeder, der einen psychisch Kranken in der Familie hat, weiß, wie viele Mühen und Sorgen damit verbunden sind".
Die Referenten thematisierten in ihren Vorträgen wichtige Aspekte rund um den Themenkomplex. Ohnmacht und Wut, weil der depressive Partner sich mitunter sehr egozentrisch gibt, fühlten die Angehörigen und seien somit einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt, betonte Oberärztin Dr. Iris Matzner vom Bezirksklinikum. Matzner stellte Hilfestrategien für Angehörige vor, räumte auf mit dem immer noch verbreiteten Irrglauben, dass Kinder nicht depressiv werden können und ging auf Stigmatisierung und falsches Schamgefühl im Umgang mit Suchterkrankungen und Depressionen ein.
Aufrüttelnd und schonungslos gestaltete sich der Vortrag von Diplompsychologin Ursula Buchner von der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen zum Thema Spielsucht. Die Ehefrau eines Spielsüchtigen müsse begreifen, dass ihr Gatte sie deshalb immer wieder anlügt und heimlich ihren Geldbeutel leert, weil er krank ist.

Lösungen für Betroffene

Die Referentin zeigte Lösungsstrategien auf, erläuterte in diesem Kontext die für betroffene Angehörige sehr hilfreiche Homepage www.verspiel-nicht-dein-leben.de, einer Initiative der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern sowie weitere spezifische Hilfemöglichkeiten. Mitunter, so Buchner weiter, werde die Glücksspielsucht heute teilweise noch verharmlost nach dem Motto "Das ist doch keine Krankheit, der kann doch einfach aufhören, wenn er Schulden hat". Buchner kann bei solchen Sätzen nur mit dem Kopf schütteln: "Genauso gut können Sie einer Magersüchtigen sagen, sie solle doch etwas essen, weil sie so dünn ist".
Als weitere Referenten sprachen Oberärztin Dr. Angela Roth aus Göttingen, Chefarzt Dr. Abiodun Bernard Joseph aus Wermsdorf sowie Ute Geßlein von der Selbsthilfegruppe "Angehörige psychisch Kranker Bayreuth" (APK).
Die im Rahmen des Symposiums veranstaltete Industrieausstellung bot den Fachbesuchern die Möglichkeit, mit den Vertretern von Selbsthilfegruppen, Arzneimittelherstellern oder auch zum Thema ADHS ins Gespräch zu kommen. Am Nachmittag setzten sich die angemeldeten Teilnehmer zweier Workshops mit wichtigen Fragestellungen auseinander. Einer von zwei Workshops am Nachmittag befasste sich mit der "Verarbeitung des Suizids des geliebten Partners".
Wer einen Suchtkranken oder Depressiven in der Familie hat oder gar den Suizids des Partnes verkraften muss, hat schwer zu schleppen. Ärzte und Selbsthilfegruppen helfen gerne.
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