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Susann Biedefeld glaubt nicht, dass schon alle Pläne vom Tisch sind

Vor einem Nachlassen im Widerstand gegen weitere Stromtrassen durch das Coburger Land warnt die SPD Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld. Nach einem Briefwe...
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Vor einem Nachlassen im Widerstand gegen weitere Stromtrassen durch das Coburger Land warnt die SPD Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld. Nach einem Briefwechsel mit dem Bundeswirtschaftsministerium glaubt sie nicht, dass schon alle Pläne für Energieautobahnen durch die Region vom Tisch sind.
Überhaupt fragt sich Biedefeld, ob nicht die Bayerische Staatsregierung erst für die neuen Planungen gesorgt hat. Überlegungen zu einer Alternativtrasse für die P44 Drehstromleitung von Schalkau nach Grafenrheinfeld seien auf Wunsch aus München angestellt worden, sagt Biedefeld.


Appelle gegen Trassen

Um gegen weitere Stromtrassen zu protestieren und sich gegen eine weitere Belastung der Landkreise Coburg, Bamberg und Lichtenfels auszusprechen, hat Biedefeld im November an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und an Bundesminister Sigmar Gabriel appelliert. Inzwischen liegen Susann Biedefeld die Stellungnahmen aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und des Leiters der Bayerischen Staatskanzlei, Marcel Huber vor. Demnach wurde die Bundesnetzagentur nach dem Treffen der Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD am 1. Juli 2015 mit der Prüfung einer Alternative zur P44 von Altenfeld nach Grafenrheinfeld beauftragt.


Wunsch der Regierung

Die als Neubau geplante P44 Drehstrommaßnahme sollte entfallen und stattdessen in Bestandstrassen mitgeführt werden. Dies wurde laut Staatssekretär Rainer Baake vor allem auf Wunsch der bayerischen Staatsregierung vorangetrieben, um die Region um Grafenrheinfeld zu entlasten. Auch aus einem offiziellen Papier des bayerischen Wirtschaftsministeriums vom 8. Juli 2015 "Fahrplan Energie für Bayern - Wie geht es weiter?" gehe dies hervor.
Gegen die ursprünglichen Pläne für die P44 hatte sich auch in der Region von Anfang an heftiger Widerstand geregt. Bei der Suche nach anderen Möglichkeiten hatten die Planer eine Parelleltrasse zur gerade fertiggestellten 380-kV-Leitung ebenso ins Gespräch gebracht wie einen Rückbau dieser Leitung ab Landesgrenze (beim Froschgrundsee) und Neubau mit größeren Masten, die zusätzlich die P44 mod. tragen könnten. Beide Varianten stießen auf erheblichen Protest bei der Bevölkerung. Biedefeld ist der Meinung, dass Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hätte wissen müssen, dass nur eine weitere Belastung des Coburger Landes übrig bleibt, wenn die Trasse nun einmal vom Übergabepunkt bei Schalkau in Bayern weiter geführt werden soll - vorrangig auf Bestandsleitungen.
Auf die Anfrage von Biedefeld antwortet Marcel Huber unter anderem: "Die Übertragungsnetzbetreiber sind jetzt aufgefordert, anstelle dieser beiden Verbindungen (P44/P44mod) unter Nutzung aller zur Verfügung stehenden Technologien und Maßnahmenkombinationen für Bayern eine akzeptable Lösung zu erarbeiten." Biedefeld meint allerdings, auch wenn Huber weiter schreibt: "Du kannst versichert sein, dass die Staatsregierung weiterhin alles unternehmen wird, um den Stromnetzausbau auf das unbedingt Notwendige zu beschränken und so bürger- und landschaftsfreundlich wie nur möglich zu gestalten", müsse man sich fragen, was unter "Nutzung aller zur Verfügung stehenden Technologien und Maßnahmenkombinationen" konkret zu verstehen ist?


Andere Aussagen

Dörfles-Esbachs Bürgermeister Udo Döhler hatte sich in seiner Sorge wegen der Trassenpläne an Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gewandt. Sie hatte ihm vor wenigen Tagen geantwortet: "Ich kann ihnen versichern, dass die bayerische Staatsregierung alles tun wird, damit das von den Übertragungsnetzbetreibern vorgeschlagene Projekt P44mod. so nicht kommt. Döhlers Freude bleibt verhalten, denn er weiß: "Leider wird über das Bundesbedarfsplangesetz im Bundestag entschieden" - und eben nicht in München.
CSU Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach hatte gegenüber Vertretern des Bayerischen Bauernverbandes in Coburg erst kürzlich versichert, dass aus technischen Gründen eine Erdverkabelung für die P44 oder P44 mod. nicht infrage komme. Das sei nicht Stand der Technik und daher vom Tisch, sagte Michelbach.

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