Fulda

Südlink-Gegner bündeln Protest

Stromtrasse  Vertreter von 20 Initiativen aus vier Bundesländern haben sich in Fulda getroffen. Gemeinsam wollen sie einen Bundesverband gründen und eine Groß-Demo organisieren.
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Kreativ sind die Gegner der Südlink-Trasse bereits jetzt, nun wollen sich 20 Bürgerinitiativen zusammenschließen, um den Protest bundesweit zu koordinieren und einheitliche Plakate zu gestalten. Foto: Lukas Dill
Kreativ sind die Gegner der Südlink-Trasse bereits jetzt, nun wollen sich 20 Bürgerinitiativen zusammenschließen, um den Protest bundesweit zu koordinieren und einheitliche Plakate zu gestalten. Foto: Lukas Dill
von unserem Mitarbeiter Volker Nies

Fulda — 20 Bürgerinitiativen aus vier Bundesländern entlang der geplanten Südlink-Trasse wollen einen Bundesverband gründen und am 15. Dezember eine bundesweite Kundgebung entlang der Trasse durchführen. Das haben sie jetzt in Fulda vereinbart. Die Mitglieder von 20 Bürgerinitiativen (BI) aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern - von Marienmünster im Kreis Höxter bis Bad Kissingen in Unterfranken - trafen auf Einladung der Fuldaer Bürgerinitiative "Fuldatal" am Trätzhof zusammen. "Wir haben wichtige Vereinbarungen für die kommenden Wochen getroffen", erklärt BI-Vorsitzender Johannes Lange aus Kämmerzell.
Die betroffenen Initiativen wollen einen BI-Landesverband Hessen und einen Bundesverband gegen Südlink gründen, um die Kräfte gegen die Trassenpläne zu bündeln. Am Montag, 15. Dezember, soll um 18 Uhr eine bundesweite Demonstration entlang der geplanten Südlink-Trassen stattfinden. Zum Trassenbau soll Anfang 2015 in Fulda ein öffentlicher Konvent stattfinden. "Wir erwarten mehrere 100 Teilnehmer", sagt Lange. Die Initiativen wollen weiter Unterschriften zur Übergabe an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin sammeln. "Zudem sind Flaggen und bundesweit einheitliche Autoaufkleber in Arbeit, um auch visuell in der Öffentlichkeit den Widerstand gegen die geplante Trassenführung deutlich zu machen", erklärt der Fuldaer BI-Vorsitzende.

Kritik auch an der Stadt Fulda

Unterdessen fand in Lehnerz die vierte Bürgerversammlung in Fulda zu Südlink statt. Erneut war die Halle mit 200 Besuchern brechend voll. Schon bei den drei vorausgehenden Bürgerversammlungen in Fuldaer Stadtteilen waren die Hallen übervoll. Die Mobilisierung in der Stadt Fulda ist hoch.
Die Lehnerzer Ortsvorsteherin Doreen Jünemann warnte vor einer Gefahr für Mensch und Natur. Winfried Schäfer, Ortsvorsteher von Götzenhof, berichtete, dass Petersbergs Gemeindevertretung schon im August die vorgesehene Trasse abgelehnt habe: Die Nähe zu Wohngebieten mit entsprechenden Gesundheitsgefährdungen sei zu groß.
Er wundere sich, dass die Stadt Fulda erst jetzt, also seit Oktober, reagiere, seit die Trassenalternative in Fuldas Westen bekannt geworden sei. Als die Trasse zunächst nur durch Fuldas Nordosten geführt habe, sei die Stadt untätig geblieben. "Wir wollen die Monstertrasse nicht in unserer Gegend haben. Deshalb müssen wir - Fulda und Petersberg - den Widerstand bündeln, weil wir nur gemeinsam stark sind", sagte Schäfer.
Guntram Ziepel als stellvertretender Vorsitzender der BI Fuldatal verwies darauf, dass der aktuelle Entwurf des Netzentwicklungsplans mehrere Südlink-Trassen und zudem eine Wechselstromtrasse von Mecklar nach Grafenrheinfeld durch Osthessen vorsehe. Wenn sich denn eine Leitung als notwendig herausstelle, dann müsse diese als durchgängige Erdverkabelung ausgeführt werden, die in jüngsten Kostenvergleichen auf die Gesamtstrecke hin nicht teurer sei. Es müsse lediglich dafür gesorgt werden, dass der Auftrag an die Bundesnetzagentur erweitert werde: Neben der Freileitung mit Teilverkabelung müsse kostenmäßig eine volle Erdverkabelung mit aufgenommen werden. Ziepel sagte, die BI stelle sich auf eine Klage ein.
Peter Jennemann, Fuldaer SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender des Umweltausschusses, berichtete, die Stadt habe für Gutachten und mögliche Klagen bereits Haushaltsmittel bereitgestellt. Die BI solle auf jeden Fall den öffentlichen Druck aufrecht erhalten. Die Versammlung verabschiedete in offener Abstimmung einmütig eine Resolution, in der die Bürger die Südlink-Trasse durch die Stadtregion Fulda ablehnen.
Dr. Norbert Herr, CDU-Fraktionschef im Fuldaer Kreistag, fordert, die Trasse über Thüringen zu prüfen: "Ist der Weg durch Hessen unvermeidlich, muss eine komplette Erdverkabelung geprüft werden." Eine logische Variante sei die Nutzung der Kali+Salz-Pipeline von Neuhof zur Oberweser. Das erhöhe die Zustimmung der Bürger.
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