Posseck in Bayern
Fast vergessen 

Sturm hatte einst Marter flachgelegt

Familie Wachter machte sich um die Erhaltung der Marter bei Posseck verdient.
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Ein Herbststurm 1979 hatte die Marter bei Posseck zum Einsturz gebracht. Foto: Archiv Roland Graf
Ein Herbststurm 1979 hatte die Marter bei Posseck zum Einsturz gebracht. Foto: Archiv Roland Graf
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Vom Tal der "Reitscher Grün" aus verläuft noch heute jene Altstraße über den Berg hinauf nach Posseck, die in historischen Karten als "Landstraße nach Leipzig" eingetragen ist. Auf ihr verkehrten die Fuhrwerke mit ihren Handelsgütern und waren froh, nicht den schlechteren Weg über den Eichelberg Richtung Gries nehmen zu müssen. Lange Jahre gab es deshalb Streitigkeiten um das Geleitsrecht auf beiden Wegstrecken. Die Straße verläuft vom Tal aus im Schutze des Hochwaldes, bis der Höhenrücken erreicht ist. Ab hier zieht sich die unbefestigte Straße über den unbewaldeten Höhenzug, der nach circa 1,5 km die Ortschaft Posseck erreicht.
Bei schönem Wetter genießt man von hier aus Richtung Westen einen herrlichen Blick über das Haßlachtal und nach Thüringen. Gegen Osten erfreut man sich an den bewaldeten Bergkuppen des Frankenwaldes. Wer allerdings bei stürmischem Wetter über die freie Fläche südlich von Posseck wandert, dem sei Standfestigkeit empfohlen, denn die Kraft des Windes bringt selbst den stärksten Mann ins Wanken.
Auf dieser Hochfläche kommt der Wanderer an zwei Sandsteinmartern aus dem 18. Jahrhundert vorbei, die beide schon in ihrer Vergangenheit die Naturkräfte zu spüren bekamen, als schwere Stürme sie zum Einsturz brachten.


Deutliche Bruchstelle zu sehen

Die erste Marter, von Reitsch kommend, befindet sich im Besitz der Familie Wachter, Posseck, die sich seit vielen Jahrzehnten fürsorglich um den Erhalt des religiösen Flurmals kümmert. Davon kündet auch eine kleine Inschrift am Schaft: "Jos. Wachter Renov. 1926. Mein Jesus Barmherzigkeit". So verewigte sich ein Vorfahre der Familie an der Marter, die im Jahre 1742 gestiftet wurde. Hauptarbeit der Renovierung im Jahr 1926 dürfte die Wiederherstellung des gebrochenen Pfeilerschaftes gewesen sein, denn auf alten Archivaufnahmen ist eine deutliche Bruchstelle am Schaft zu sehen.
Fünfzig Jahre später war die Verbindungsschicht zwischen den Einzelteilen schadhaft geworden und durch Witterungseinflüsse aufgegangen. Frost und Eis taten ihr Übriges und machten den Pfeiler unstabil. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es zum Einsturz kommen würde. Im Spätherbst des Jahres 1979 brachte ein schwerer Sturm die Marter zu Fall. Sie brach genau an der bereits ausgebesserten Stelle auseinander und lag in Trümmern am Boden. Jetzt zeigte sich auch, dass der damals gewählte Verbindungsdübel zu kurz gewählt war.
Für die Familie Wachter stand es außer Frage, sich um die Erhaltung der Marter zu bemühen. Gemeinsam mit dem Kreisheimatpfleger wurde die Finanzierung der Maßnahme besprochen und in die Wege geleitet.


Atelier Schreiber beauftragt

Um Kosten zu sparen, transportierte Josef Wachter die Einzelteile mit seinem Traktor nach Kronach ins Atelier von Bildhauer Heinrich Schreiber, der mit der Renovierung beauftragt wurde. Weiterhin schuf die Familie an gleicher Stelle ein neues Fundament, um das Denkmal auf einem sicheren Grund aufzustellen.Trotz guter Wetterprognosen überraschte sie bei der Wiedererrichtung 1980 ein heftiger Regenschauer mit starken Windböen, der dazu führte, dass alle Mithelfer vollständig durchnässt das Anwesen Wachter aufsuchten, um mit allen Familienmitgliedern und den Helfern ein kräftiges "Halberoamd" einzunehmen.
Als kleines Dankeschön überreichte der Kreisheimatpfleger der Familie Wachter ein heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach.
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