Kirchlauter

Studierter Geist

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Großglockner Obwohl von Gestalt klein und rundlich, genoss er den Beinamen "Großglockner", denn in Kirchlauter ist es üblich, dass niemand bei seinem wirklichen Namen genannt wird, sondern beim sogenannten Hausnamen. Und so ist der Großglockner nicht nur der höchste Berg Österreichs, sondern auch der wohl berühmteste Landpfarrer Unterfrankens.

Spätberufener Am 15. Juli 1874 in Karlsruhe geboren, bedurfte es bei Glockner einer enttäuschten Liebe, dass er sich der Theologie zuwandte. Mit 32 Jahren, am 29. Juli 1906, wurde er in Würzburg zum Priester geweiht, danach als Kaplan aufs Land geschickt. Glockner lernte als Kaplan in Pfersdorf (Ortsteil der Gemeinde Poppenhausen) und Holzhausen, beide bei Schweinfurt, sowie in Bad Kissingen, bevor er am 29. August 1915 als 41-Jähriger seine Pfarr- und Lebensstelle in Kirchlauter zugewiesen bekam und sich von der Gemeinde als "Hochwürden" anreden lassen durfte.

Beginn Damals war der Erste Weltkrieg ein Jahr zugange, die Pfarrei beklagte ihre ersten Gefallenen. Eine sehr schwere Zeit für einen Anfang. Aus diesen Jahren ist nichts an Anekdoten erhalten geblieben, denn es dürfte damals weder dem Pfarrer noch seiner Gemeinde nach Späßen zumute gewesen sein.

Selbstversorger Als Landpfarrer lebte man noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts selbst wie ein Bauer. Zum Pfarrhaus - das heute noch so aussieht, wie zu Glockners Zeiten, mit dem Lattenzaun zwischen den Sandsteinpfeilern und der kleinen Holzbrücke über die Lauter sowie dem im Sandsteinbogen schief hängenden Holzgatter - gehörten auch Pfarräcker, eine Pfarrwiese und ein Pfarrwald samt Stall und Wirtschaftsgebäuden. Doch von meinen Zeitzeugen konnte sich keiner daran erinnern, dass sich Pfarrer Glockner je landwirtschaftlich betätigt habe.

Helferinnen Zwei Haushälterinnen gingen ihm zur Hand: Josefine sowie deren taubstumme Stiefschwester Anna; beide aus Lindau am Bodensee.

Ende Nach 34 Jahren als Pfarrer in Kirchlauter, wo er laut Sterbebild "im Weinberg des Herrn gearbeitet" hatte, verschied Pfarrer Karl Josef Glockner am 18. Dezember 1949 im Kreiskrankenhaus von Ebern. Er wurde drei Tage später unter dem großen Friedhofskreuz in Kirchlauter beigesetzt. Als Erbe hinterließ der bescheidene Geistliche drei Fässer mit Apfelmost.
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