Bad Kissingen

Studentin legte sich mit Polizisten an - Geldstrafe verhängt

Sigismund von Dobschütz Wegen Beleidigung eines Polizisten wurde eine Studentin aus dem Raum Bad Kissingen zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Der ...
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Sigismund von Dobschütz

Wegen Beleidigung eines Polizisten wurde eine Studentin aus dem Raum Bad Kissingen zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Der zuvor ausgestellte Strafbefehl wegen Verleumdung, gegen den die 24-Jährige erfolgreich Einspruch eingelegt hatte, war noch auf 1500 Euro ausgestellt gewesen. Das jetzige Urteil von Amtsrichterin Felicitas Krauß nahm die Frau noch nicht an.
Gleich zu Beginn der zweistündigen Verhandlung gestand die Angeklagte, die sich ohne juristischen Beistand vor Richterin und Staatsanwältin recht wortgewandt zu verteidigen wusste, dass ihre damalige Wortwahl gegenüber den Polizeibeamten falsch gewesen sei: "So etwas sollte man niemals sagen." Doch habe sie sich als junge Frau von den uniformierten Männern in die Enge getrieben gefühlt, weshalb sie wohl überreagiert habe. "Ich will das nicht kleinreden." Nach Abschluss einer Faschingsfeier in Garitz, so schilderte die Angeklagte den Sachverhalt aus ihrer Sicht, hatte sie im Februar 2016 mit zwei Freundinnen auf den Treppenstufen zur Festhalle gesessen.


Personalien notiert

Überraschend sei ein Polizist auf die drei jungen Frauen zugekommen und habe die Ausweise verlangt. Nach deren Aushändigung habe die Angeklagte den Beamten gefragt, warum er ihre Personalien notiere. Durch dessen Antwort "Das muss ich Ihnen nicht sagen", habe sie sich "in meinen Rechten schlecht behandelt gefühlt".
Richtig aufgeregt habe sie sich allerdings erst, so die Studentin weiter, als ein zweiter Polizist "ohne Kenntnis der Situation" ihr im Vorbeigehen zugerufen habe, sie solle den Mund halten. Dies habe sie als Provokation empfunden. "Da ist es aus mir herausgebrochen." Spontan rief sie ihm eine obszöne Bemerkung nach, die sie vor Gericht kaum wiederholen mochte. Als der so beleidigte Polizist dann auf sie zugekommen sei und sie gefragt habe "Wie alt bist du eigentlich, 18 Jahre?", habe die 24-Jährige dies erneut als Erniedrigung empfunden.
Während die Anklage ihr nun vorwarf, sie habe zum Beamten gesagt, sie fühle sich von ihm "sexuell belästigt", bestand die Angeklagte darauf, sie habe "sexuell beleidigt" gesagt. "Ich fühlte mich als junge Frau nicht ernst genommen."
Die Benachteiligung von Frauen und das Recht auf Gleichberechtigung sei ein Thema, mit dem sie sich intensiv beschäftige, bestätigte die 24-Jährige auf Nachfrage. Sie sei "sehr diskussionsfreudig", bescheinigte ihr auch eine der Freundinnen. Während diese Zeugin die Situationsbeschreibung der Angeklagten weitgehend stützte, schilderten die Beamten den Tatbestand etwas anders. Demnach seien sie wegen eines gemeldeten Diebstahls anwesend gewesen. Von den drei Frauen habe ein Kollege die Personalien als mögliche Tatzeugen aufnehmen sollen. "Ich habe ihr versucht zu erklären, worum es geht, aber es schien mir sinnlos", erinnerte sich der erste Beamte vor Gericht.
Der von der Angeklagten beleidigte Polizist zeigte sich noch vor Gericht über die damalige Aggressivität der Studentin überrascht. "Ihr Blick war hasserfüllt." Die Angeklagte entschuldigte sich zwar im Gerichtssaal bei ihm, meinte aber, sie habe "sexuell beleidigt" gesagt. Von beidem zeigte sich der Beamte unberührt: "Ich habe sexuell belästigt verstanden." Nach Anhörung aller Zeugen bat die sich allein verteidigende Angeklagte, die sich offensichtlich zuvor juristisch informiert hatte, um Einstellung des Verfahrens. Dem wollte die Staatsanwältin keinesfalls zustimmen, empfahl ihr, den Einspruch gegen den Strafbefehl nur auf die Höhe der Tagessätze zu beschränken. Nach kurzer Unterbrechung stimmte die junge Frau zu und entschuldigte sich nochmals: "Meine Wortwahl war unpassend, es war eine schlimme Beleidigung." Doch von sexueller Belästigung habe sie nie gesprochen.


Noch nicht angenommen

War der frühere Strafbefehl noch auf 30 Tagessätze zu je 50 Euro ausgestellt, beantragte die Staatsanwältin jetzt einen verminderten Tagessatz von 35 Euro. Richterin Felicitas Krauß verhängte schließlich 30 Tagessätze zu nur noch 30 Euro zuzüglich der Verfahrenskosten. Die Angeklagte nahm dieses Urteil nicht sofort an, sondern will die zulässige Woche Bedenkzeit nutzen.

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