Coburg
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Strom von der Bauschuttdeponie

Auf der Brandensteinsebene entsteht eine Photovoltaikanlage. Weil die Module von der Veste aus nicht zu sehen sind, ist der Welterbe-Antrag bei der Unesco nicht gefährdet. Trotzdem kann ein Abbau angeordnet werden.
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Planiert und für den Bau einer Solaranlage vorbereitet: Hinter den Flugzeughangars auf der Brandensteinsebene sollen Photovoltaikmodule auf dem Gelände der früheren Bauschuttdeponie Strom erzeugen. Foto: Christoph Winter
Planiert und für den Bau einer Solaranlage vorbereitet: Hinter den Flugzeughangars auf der Brandensteinsebene sollen Photovoltaikmodule auf dem Gelände der früheren Bauschuttdeponie Strom erzeugen. Foto: Christoph Winter
Viele Jahre wurde auf der Brandensteinsebene Bauschutt abgelagert. Nachdem die Deponie stillgelegt worden ist, soll dort Strom produziert werden. Der stadteigene Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) will dort zwei Felder von Solarmodulen aufstellen. Der Bau- und Umweltsenat gab am Mittwoch grünes Licht für das Projekt, nachdem die Stellungnahmen verschiedener Behörden und Institutionen berücksichtigt worden sind.
Der sogenannte Vorhaben- und Erschließungsplan ist schon seit vier Jahren in der Bearbeitung, erklärte Stadtplaner Karl Baier. Die lange Dauer habe sich durch den Antrag der Stadt ergeben, dass die Veste in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes "Lutherstätten in Mitteldeutschland" aufgenommen werden soll. Da die geplante Photovoltaikanlage am Rand der Pufferzone zur Veste und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des möglichen Weltkulturerbes liegt, dauerte es rund eineinhalb Jahre länger, erläuterte Baier. Eine Pufferzone bedeutet aber nicht, dass dort gar nichts gebaut oder verändert werden darf. "Sie soll aber schädliche Auswirkungen verhindern", heißt es in der Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege.
Hinter den Flugzeughangars des Verkehrslandeplatzes Brandensteinsebene in Richtung zum Stadtteil Rögen soll ein Feld mit den Solarmodulen gebaut werden. Die Flugzeughallen verdecken die Solarzellen, und von der Veste aus werden sie nicht zu sehen sein. Daher ist die mögliche Aufnahme der Coburger Burg in die Weltkulturerbeliste nicht gefährdet. Auf dem tiefer liegenden Teil der früheren Bauschuttdeponie und hinter einem Wäldchen soll das zweite Solarzellenfeld entstehen.
Wegen des vielleicht neuen Verkehrslandeplatzes bei Meeder und dem dann folgenden Abriss der Flugzeughallen auf der Brandensteinsebene hat sich die Stadt eine "Hintertür" im Vertrag mit dem Betreiber der Photovoltaikanlage bedungen. "Für den Fall, dass einzelne Modulstandorte im Bereich der Pufferzone einen Eintrag der Veste als Welterbe behindern würden, verpflichtet sich der CEB zum Abbau der maßgeblichen Module. Soweit für den Eintrag als Welterbe auch andere Maßnahmen als der vollständige Abbau von Modulen ausreichend sind, so sind nur diese Maßnahmen vorzunehmen. Die konkreten Anforderungen werden insofern in Anlehnung an die Vorgaben der Unesco gestellt", so der Beschluss.


Kritik aus der Landwirtschaft

Gegen den Bau der Photovoltaikanlage auf der früheren Bauschuttdeponie hat sich das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausgesprochen. Es plädiert für die Wiederaufforstung des Geländes. Darüber hinaus würden durch Ausgleichsflächen der Landwirtschaft wiederum Felder verloren gehen. Der Landesbund für Vogelschutz begrüßt zwar prinzipiell eine Solaranlage auf der Ex-Deponie, erinnert aber auch an das Gebot der Wiederaufforstung.
Eine ähnliche Stellungnahme schickte der Bund Naturschutz, aber mit anderer Begründung: Prinzipiell wird der Ausbau regenerativer Energien begrüßt, "im vorliegenden Fall wird das Vorhaben jedoch abgelehnt, da momentan nicht klar ist, ob der geplante Verkehrslandeplatz in der Gemeinde Meeder genehmigt wird. Im Falle einer Ablehnung des Bauvorhabens in Meeder wäre eine Erweiterung des bestehenden Verkehrslandeplatzes Brandensteinsebene nicht mehr möglich, wenn die Photovoltaikanlage errichtet würde. Wir bitten daher um Rückstellung des Vorhabens."
Naturgemäß ganz anders sieht es die Projektgesellschaft "Verkehrslandeplatz Coburg": Die Brandensteinsebene sei nicht ausbaubar und werde dem Bedarf für Luftverkehr in der Region nicht gerecht, heißt es in der Stellungnahme.
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