Stockheim

Stockheim feiert gleich dreifach

Fest  Drei Jubiläen werden in Sankt Wolfgang zu Stockheim begangen: die Kapellenweihe (1715), die Ernennung zur Kuratie (1915) und die Weihe des Gotteshauses (1935).
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Erzbischof Jakobus von Hauck bei der Weihehandlung im Jahr 1935. Im Hintergrund sichtbar das Anwesen von Schwalb.  Repros/Foto: Gerd Fleischmann
Erzbischof Jakobus von Hauck bei der Weihehandlung im Jahr 1935. Im Hintergrund sichtbar das Anwesen von Schwalb. Repros/Foto: Gerd Fleischmann
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von unserem Mitarbeiter Gerd Fleischmann

Stockheim — Gleich drei Jubiläen können in diesem Jahr in der Stockheimer Kirchengemeinde St. Wolfgang gefeiert werden: 1715, also vor 300 Jahren, erfolgte die Weihe der St. Wolfgangskapelle, vor 100 Jahren wurde Stockheim zur Kuratie ernannt und im Jahr 1935 wurde der kirchliche Erweiterungsbau zur Kapelle feierlich konse kriert. Der Jubiläums-Kirchweihgottesdienst findet am Sonntag, 26. Juli, statt, und zwar um 8.45 Uhr. Zuvor erfolgt die Kirchenparade ab dem Dorfplatz mit den Vereinen und Honoratioren.
Den Gottesdienst zelebriert Pfarrer Hans-Michael Dinkel zusammen mit Diakon Wolfgang Fehn. Die musikalische Umrahmung obliegt der Bergmannskapelle Stockheim.
Das Gotteshaus in seiner jetzigen Größe wurde zwischen 1933 und 1935 unter großen Opfern der Bevölkerung in einer politisch sehr schwierigen Zeit erbaut. Der Erweiterungsbau entstand nach den Plänen von Professor Fritz Fuchsenberger, der das Gotteshaus im rechten Winkel an die Südseite der alten Kapelle anfügte. Selbst die Steine der ehemaligen Kohlenwäsche auf der Zeche St. Katharina - 90 000 an der Zahl - fanden bei dem Vorhaben Verwendung.

Harte Arbeit geleistet

Das Reinigen der Steine besorgten vor allem die Frauen. Die arbeitslosen Männer leisteten zahlreiche Arbeitseinsätze zur Ehre Gottes. Auch trugen die Bauern aus Neukenroth und Posseck durch Holzspenden und Spanndienste zum "glücklichen Ende" bei. Bei einer 75-prozentigen Arbeitslosigkeit muss die Realisierung des Kirchenbaues unter der Rubrik "bemerkenswert" abgehandelt werden.
Umso mehr war die Einweihung vor 80 Jahren, am 16. Mai 1935, durch Erzbischof Jakobus Ritter von Hauck ein großartiger Tag für die Stockheimer, die nun voller Stolz auf ihr Werk schauen konnten. Der Erzbischof sprach seinen besonderen Dank Kuratus Johannes Heckel aus, der im baulichen Finale die Hauptlast trug. Die seinerzeitige Pontifikalmesse wurde vom katholischen Kirchenchor unter der Stabführung von Fritz Weißerth sowie durch den Schülerchor mit Hauptlehrer Max Fischer umrahmt.
Man dachte schon nach der Gründung der Kuratie, sie erfolgte vor 100 Jahren am 19. Dezember 1915, an eine Erweiterung der Kapelle, denn seit 1877 verdoppelte sich die Bevölkerung von 500 auf über 1000 Bürger. Der Grund: Die einst mächtige Glasindustrie sorgte für einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Super-Inflation von 1923 machte allerdings alle Pläne zunichte. Unter Kuratus Johannes Neder wurde 1928 eine Sakristei an die Kapelle angebaut, um dadurch ein wenig mehr Platz für die Gläubigen zu bekommen. Kuratus Robert Grieb, der nach dem frühen Tod von Kuratus Karl Limpert im März 1933 die Leitung der Stockheimer Kuratie übernommen hatte, brachte neuen Schwung in den angepeilten Kirchenbau.
Ein wichtiges Datum in der Stockheimer Kirchengeschichte ist der 25. Juli 1715. Die St. Wolfgangs-Kapelle ist durch den damaligen Weihbischof Joh. Werner Schnatz von Bamberg konsekriert worden. In der damaligen Weihe-Urkunde wurde der erste Sonntag nach Maria Magdalena als Kirchweihtag festgelegt, der in diesem Jahr auf den 26. Juli fällt.

Viele Zahlen, viele Geschichten

Wer sich heute die ehemalige Wolfgangskapelle, die ja in den Jahren 1933 bis 1935 zu einer stattlichen Kirche erweitert wurde, betrachtet, dem werden ob der verschiedenen Jahreszahlen am Eingang und der Empore so manche Rätsel aufgegeben. So findet sich auf einem volutenartigen barocken Kragstein über dem Haupteingang die Jahreszahl 1707. Diese Zahl, so Manfred Ziereis, der sich intensiv mit der kirchlichen Entwicklung befasst hatte, ist das Jahr des Baubeginns. Vorher tat eine Schlosskapelle, vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet, ihre Dienste. Das mit der Jahreszahl 1710 versehene Wappen des damaligen Fürstbischofs Franz Lothar von Schönborn, der Oberhirte des Bamberger Sprengels war und zugleich Kurfürst von Mainz, hat die irrige Ansicht genährt, dass die Wolfgangskapelle auch von diesem geweiht worden wäre.
Das Wappen der Stadt Kronach, das an der Empore in der Kapelle angebracht ist, zeigt auf die Jahreszahl 1710 und weist auf die damaligen Besitzverhältnisse hin. 1639 erhielten die Kronacher auf Grund ihrer Tapferkeit während der schwedischen Attacken 1632 bis 1634 die Rittergüter Haßlach und Stockheim als Dank zugesprochen. Als die Kapelle 1915 von der Kirchenstiftung Stockheim erworben wurde, mussten sich die Käufer notariell verpflichten, dass dieses Wappen ohne Zustimmung der Stadt Kronach nicht aus der Kirche entfernt werden darf.
Zu erwähnen ist noch das Wappen des Erzbischofs Jakobus Ritter von Hauck mit der Jahreszahl 1934. Es befindet sich links neben dem Seiteneingang und soll dokumentieren, dass die Kirche während seiner Amtszeit entstanden ist, denn die Wolfgangskirche war schließlich nach der Erweiterung von ihm eingeweiht worden.

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