Marktgraitz
Gewässertag 

Steinachaue als natürlicher Rückstauraum

Fachleute und Interessierte informierten sich über ökologisch wertvollen Gräben die als Brutplätze und Rückzugsgebiet dienen.
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Die Teilnehmer des Gewässer-Nachbarschaftstages besichtigten in der Steinachaue einen ökologisch wertvollen Graben.  Foto: Gerda Völk
Die Teilnehmer des Gewässer-Nachbarschaftstages besichtigten in der Steinachaue einen ökologisch wertvollen Graben. Foto: Gerda Völk
Im Hintergrund zeichnet sich die Silhouette von Marktgraitz ab. Etwas tiefer in der Steinachaue bietet sich ein ganz anderes Bild. Viel Grasland, eine Gruppe weidender Rinder, große alte Bäume, ein naturnaher Graben und immer wieder sind auch Büsche und Sträucher zu sehen. Das Auge erblickt kaum einen Acker. Die Steinachaue präsentiert sich als natürlicher Rückstauraum bei Hochwasserereignissen, so wie es sein sollte.
"Bei Hochwasser schwemmt es keine braune Brühe weg", erklärt Siegmund Katholing, Gewässer-Nachbarschaftsberater für den Landkreis Lichtenfels. Beim Gewässer-Nachbarschaftstag, der in Marktgraitz stattfand, stand das Thema "Unterhaltung von Gräben" ganz oben auf der Tagesordnung. In seinem Vortrag "Unterhaltung von Gräben und kleinen Gewässern" ging Walter Näher, Landespfleger und Sachgebietsleiter Gewässerentwicklung beim Wasserwirtschaftsamt Kronach auf die Bedeutung und die Pflege von Gräben ein. Dabei unterschied er zwischen Gräben von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung und Gräben von wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Im ersten Fall sind die Anlieger oder bei Straßengräben der Baulastträger zuständig, im zweiten Fall ist die Gemeinde unterhaltungspflichtig. Allerdings müssen die von den Unterhaltungsmaßnahmen betroffenen Grundstückseigentümer die Arbeiten auch dulden und dürfen sie auf keinen Fall erschweren. Gräben können auch aus naturschutzfachlicher Sicht sehr wertvoll sein. Beispielsweise als Brut-, Nist- oder Laichplatz, als Versteckmöglichkeit und Rückzugsgebiet oder als Winterquartier. Anhand von Fotos zeigte Näher die verschiedenen Geräte, die bei der Pflege der unterschiedlichen Gräben-Typen zum Einsatz kommen können und verwies auf Förderungsmöglichkeiten. "Die ökologische Unterhaltung von Gräben ist kein ,ob‘, sondern ein ,wie viel kann ich umsetzen‘", lautete sein Fazit am Ende seines Vortrags.


Tipps für Gewässeranlieger

Gabriele Trommer, Sachgebietsleiterin Monitoring Chemie, Biologie am Wasserwirtschaftsamt Kronach, informierte über den derzeitigen Stand der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie an den kleinen Gewässern im Landkreis Lichtenfels. Ziel der bis 2027 laufenden Maßnahme ist die Schaffung eines guten ökologischen Zustands der heimischen Gewässer.
Nachbarschaftsberater Siegmund Katholing stellte eine vom Bayerischen Landesamt für Umwelt herausgegebene Broschüre vor, die wertvolle Tipps und Informationen für Gewässeranlieger gibt. Die Eigentümer von einem Grundstück an einem Bach haben nicht nur ein Stück Natur und Erholung vor der Haustür, sondern auch die Verpflichtung, dies zum eigenen und zum Nutzen der Allgemeinheit zu erhalten.
Und dabei gilt es einiges zu beachten. Ablagerungen wie beispielsweise Komposthaufen, Holzlager und Strohballen sollten nur in einem ausreichenden Abstand zum Gewässer gelagert werden, damit diese nicht bei Hochwasser abgeschwemmt werden. Die Hochwasserbilder der vergangenen Jahre von verkeilten Gegenständen unter Brücken, Rohrdurchlässen oder an Engstellen zeigten anschaulich, welche Schäden dadurch entstehen können.


Abstand zum Gewässer

Der Zugang zum Wasser darf auch nicht durch bauliche Anlagen wie Zäune, Hütten oder Brücken behindert werden. Hier sollte ein ausreichender Abstand zum Gewässer von mindestens fünf Meter eingehalten werden. Des Weiteren müssen auf gärtnerisch- oder landwirtschaftlich genutzten Flächen ein ausreichender Abstand von mindestens fünf bis zehn Meter zum Gewässer eingehalten wird, damit es zu keinen Eintrag von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln kommt. Gewässeranlieger sollten nur Produkte verwenden, die für die Anwendung im Haus und Kleingartenbereich zugelassen sind.
Die vom Landesamt für Umwelt herausgegebene Broschüre "Tipps und Informationen für Gewässeranlieger" liegt für Anlieger und Interessenten in den Rathäusern des Landkreises aus. In der Broschüre werden auch Beispiele aufgezeigt, was ein Gewässeranlieger vermeiden sollte. Auch werden Tipps für einen standortgerechten Bewuchs gegeben. Bei einer Ortsbegehung wurde die Steinachaue besichtigt. Anton Reinhardt, Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels im Bund Naturschutz, würdigte besonders das Beweidungskonzept durch Rinder. "Die Tiere sind natürliche Landschaftspfleger."
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