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Kutzenberg
Medizin 

Start für Lungenkrebszentrum

Das Bezirksklinikum Kutzenberg und das Klinikum Bamberg stellen ihre Zusammenarbeit vor.
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Im Klinikum Bamberg wird künftig ein Team aus Kutzenberger Mitarbeitern Thoraxoperationen durchführen. Fotos: Tobias Kindermann
Im Klinikum Bamberg wird künftig ein Team aus Kutzenberger Mitarbeitern Thoraxoperationen durchführen. Fotos: Tobias Kindermann
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Tobias Kindermann

Der Termin war nicht ohne Spannung erwartet worden. Der Bezirk Oberfranken schließt zwei Abteilungen in seinem Klinikum in Kutzenberg, die Orthopädie und die Thoraxchirurgie. Defizite setzten den Bezirk unter Druck. Die Art und Weise, wie diese Entscheidung zu Stande kam - sehr kurzfristig im März in einem Ausschuss des Bezirkstages - sorgte für Unsicherheit unter den Beschäftigten und viel Kritik aus der Lichtenfelser Politik. 115 Arbeitsplätze fallen weg.
Der Bezirk hatte herausgestellt, dass Kutzenberg an anderer Stelle profitieren werde, weil man ein Lungenkrebszentrum mit dem Klinikum Bamberg einrichten wolle und damit den Arbeitsplatzverlust im Bereich Thoraxchirurgie auffangen werde. Nun stellten die Beteiligten, die Sozialstiftung Bamberg als Träger des Klinikums sowie die Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (GdBO), ihre Pläne vor.
Was ist die Idee hinter einem Lungenkrebszentrum? Im Grunde genommen wird ein vergleichbares System aus anderen Bereichen übernommen: "Etwa 70 Prozent der Brustkrebspatientinnen werden heute in solchen Zentren operiert", sagt Dr. Rumo David Leistner, Chefarzt der Pneumologie in Bamberg. Da man mehr Patienten behandelt, sind Erfahrung und Routine größer, das wirkt sich positiv auf den Behandlungserfolg aus. Erst 30 Prozent der Lungenkrebspatienten bekommen eine Behandlung in so einem Zentrum, es gibt also Bedarf. Zudem gibt es den Trend von Seiten der Krankenkassen, solche medizinischen Zentren zu bevorzugen und zu fordern. Xaver Frauenknecht, Vorsitzender der Sozialstiftung, geht davon aus, dass normale Krankenhäuser irgendwann bestimmte Fälle nicht mehr behandeln. "Unser Ziel ist deshalb auch die Existenzsicherung für die Versorgung pneumologisch Erkrankter in Oberfranken. Wir reden hier nicht über Grundversorgung, sondern über High-End-Medizin."
Man geht momentan davon aus, mindestens 200 Lungenkrebspatienten im Jahr zu benötigen, um als Zentrum zertifiziert zu werden. Zusammen kommen Bamberg und Kutzenberg auf rund 250 Patienten und knapp 100 Operationen. 75 OPs sind notwendig für eine Anerkennung - und das muss an einem Standort geschehen. Hier entschied man sich für Bamberg. "Wir können uns teure Technik nicht so leisten wie ein großer Partner in Bamberg", sagte Katja Bittner, GdBO-Vorsitzende. Dr. Steffen Gerlach, der bisher in Kutzenberg arbeitete, wird ab Oktober in Bamberg beschäftigt sein. "Die OP-Säle in Kutzenberg werden aber weiter für endoskopische Untersuchungen in Betrieb bleiben", sagt Gerlach. Auch Angebote wie Chemotherapie werden weiter vorgehalten. Aktuell wird ein Team aufgebaut - mit Mitarbeitern aus Kutzenberg, 26 Bewerbungen liegen vor, sechs Verträge sind herausgeschickt, vier unterschrieben. Ab Oktober wird in Bamberg operiert. Ein Schild mit der Aufschrift "Lungenkrebszentrum" wird dann noch nicht in Bamberg und Kutzenberg hängen. Bis man den Zertifizierungsprozess durchlaufen hat, können zwei Jahre vergehen. Die freien Betten in Kutzenberg werden nicht leer bleiben. Schon jetzt leitet das Klinikum etwa TBC-Patienten weiter nach Kutzenberg. Auch Patienten, die von künstlicher Beatmung entwöhnt werden, sollen dort zentral behandelt werden.

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