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Lichtenfels

Solidarität ist heute wieder das Gebot der Stunde in diesem Land

Die Maikundgebung des DGB im Stadtschloss, die unter dem Motto "Mehr Zeit für Solidarität" stand, war ganz nach dem Geschmack der rund 120 Besucher. Gewerks...
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Im Beisein von DGB-Kreisvorsitzendem Heinz Gärtner (rechts) informierten Stefan Hofmann (Verdi, links) und Frank Hopfenmüller (IG Metall) über die aktuellen Tarifrunden. Foto: Stephan Stöckel
Im Beisein von DGB-Kreisvorsitzendem Heinz Gärtner (rechts) informierten Stefan Hofmann (Verdi, links) und Frank Hopfenmüller (IG Metall) über die aktuellen Tarifrunden. Foto: Stephan Stöckel
Die Maikundgebung des DGB im Stadtschloss, die unter dem Motto "Mehr Zeit für Solidarität" stand, war ganz nach dem Geschmack der rund 120 Besucher. Gewerkschaftssekretär Jan Körper von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) blies zur Attacke auf die Arbeitgeber, redete sich in Rage und nahm kein Blatt vor den Mund.
Was hatte ihn auf die Palme gebracht? Es war ein Radiointerview mit Ulrich Grillo, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. "Ich halte den 1. Mai für weitgehend überholt. Er ist nichts weiter als ein bisschen Folklore", zitierte Körper den Arbeitgebervertreter. Das empfanden viele der versammelten Gewerkschaftsvertreter als einen Generalangriff auf den Tag der Arbeit, den man sich einst mühsam erkämpft hatte. Mit "Buh"-Rufen quittierten sie Grillos Ansicht. Auch seine Forderung, mit 85 in Rente zu gehen, ließ der Redner nicht unerwähnt. Ein lautstarkes "Pfui" aus dem Publikum folgte. Und dass die VW-Manager trotz Abgasskandal Boni erhalten sollen - darüber konnten der Redner und seine Zuhörer nur mit dem Kopf schütteln.
Grillos Auffassung, die Löhne in Deutschland seien weltspitze, verwies Körper ins Reich der Fabeln: "Wie zynisch müssen seinen Aussagen in den Ohren derer klingen, die trotz Mindestlohns von 8,50 Euro nach 45 Jahren Erwerbstätigkeit in die Altersarmut rauschen werden. Löhne in Deutschland sind eben nicht weltspitze."


Eine Lanze für die Solidarität

Körper, der für seine Äußerungen immer wieder mit spontanem Beifall bedacht wurde, brach eine Lanze für das Prinzip gesellschaftlicher Solidarität, in der die Starken für die nicht ganz so Starken und die Gesunden für die Kranken einstünden.
Klare Worte, was das Thema Solidarität anbetraf, fand auch Heinz Gärtner: "Der 1. Mai ist der Tag der Solidarität und kein Tag für Nazis und Rechtspopulisten." Der DGB-Kreisvorsitzende hatte ein altes Maiabzeichen aus Porzellan aus dem Jahre 1948 mitgebracht. "Es war die Zeit des Wiederaufbaus, in der die Solidarität quer durch alle Gesellschaftsschichten ging."
Der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich fand das Motto der Maikundgebung, "Mehr Zeit für Solidarität", äußerst passend. In einer Zeit, in der diskutiert wird, wo Menschen herkommen oder welche Religion jemand habe, sei Solidarität ein Gebot der Stunde.
Über die aktuellen Tarifrunden informierten zwei Gewerkschafter aus Lichtenfels. Stefan Hofmann von der Gewerkschaft Verdi freute sich über die erzielte Einigung im öffentlichen Dienst. "Lohnerhöhungen von 2,4 und 2,35 Prozent, verteilt auf zwei Jahre ist bei einer Inflationsrate von 0,5 Prozent eine echte Reallohnsteigerung." Zugleich bat er die Stadt Lichtenfels um Verständnis: "Der Stadtsäckel wird geschröpft. Allerdings kommt das Gehaltsplus einem guten Zweck zu Gute."
Enttäuscht vom bisherigen Verlauf der Tarifverhandlungen zeigte sich Frank Hopfenmüller von der IG Metall. "Wir Arbeitnehmer, die die Wirtschaft ankurbeln, sollen mit einem Plus von 0,9 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr und einer Einmalzahlung von 0,3 Prozent abgespeist werden. Wo sind wir denn zu Hause?", machte er seiner Verärgerung Luft. Auch das zweite Angebot derArbeitgeber von 2,1 Prozent, verteilt auf 24 Monate, sei nicht besser.
Pfarrerin Tanja Vincent lag der arbeitsfreie Sonntag am Herzen. "Wir brauchen eine Unterbrechung vom Alltag, in der wir unsere Seelen baumeln lassen." Dass im Hotel- und Gaststättengewerbe nicht alles Gold ist, was glänzt, darauf machten Ruth Gärtner und Andrea Hacker auf humorvolle Weise in ihrem Sketch von der "Genussregion Obermain" aufmerksam.


Zur Sonne, zur Freiheit

Ein Dorn im Auge ist den Gewerkschaftern im Landkreis Lichtenfels die Tatsache, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten gesetzlichen Regelungen zur Leiharbeit und zu Werkverträgen von der CSU blockiert werden. Es wurden Unterschriften gesammelt, die an MdB Emmi Zeulner übergeben werden sollen. Mit einem Lied der Solidarität klang die Veranstaltung aus: Inbrünstig sangen Alt und Jung die Gewerkschaftshymne "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit", bei der sich alle im Saal die Hand reichten.

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