LKR Bamberg

So wird 2017 im Landkreis

Satire   Der Fränkische Tag wagt eine Vorschau auf die kommenden zwölf Monate.
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Was bringt das kommende Jahr dem Landkreis Bamberg?

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, hat das investigative Rechercheteam der FT-Lokalredaktion tausende Kaffeesätze ausgelesen, Kristallkugeln gesichtet, Tarot-Kartenhäuser einstürzen lassen und eine ihm zugespielte Scheuer-CD aus der Staatskanzlei ausgewertet.

Nach allem, was sich bisher andeutet, wird 2017 ziemlich turbulent. Der Ablauf scheint einer Faustregel für Hollywood-Drehbücher zu folgen: Mit einer Explosion anfangen und dann langsam steigern. Da muss man sich ernsthaft fragen "Darf das denn alles wahr sein?".


Januar

Aufmerksamen Zuhörern ist es bereits aufgefallen: Landrat Johann Kalb hat ihn schon länger nicht mehr erwähnt, in seinem Jahresrückblick mit keinem Wort genannt und Ministerpräsident Horst Seehofer hat festgelegt, dass es dort keinen bayerischen Nationalpark geben wird. Wie auch? Schließlich liegt der nur acht Quadratkilometer große Steigerwald im Süden der thüringischen Stadt Erfurt. Den Steigerwald in Franken gibt es überhaupt nicht. Der jahrelange Streit zwischen Nationalparkgegnern und -befürwortern ist in Wahrheit nur eine vom Bayerischen GGG (Ganz Geheimen Geheimdienst) inszenierte Verschwörung, um von der Flächenversiegelung andernorts abzulenken. red


Februar

Völlig überraschend legt Landrat Kalb mit sofortiger Wirkung alle politischen Ämter nieder. Er betont, dies habe nichts mit den Steigerwald-Enthüllungen zu tun. Vielmehr sei ihm seine wahre Berufung bewusst geworden. Kalb will Bierbrauer werden und künftig "36 Kreisla"-Landkreisbiere selbst kreieren und produzieren. Dass er mangels eigener Braustätte eine Kooperation mit AB-InBev - dem weltgrößten Bierkonzern - plant, kommt bei den Brauern im Landkreis nicht so gut an. Kalb erwägt daher einen Rücktritt vom Rücktritt. Aber sein Stellvertreter und Nachfolger Johann Pfister (ohne Hut) hat im Landratsamt bereits alle Schlösser austauschen lassen. hak


März

Der Landkreis soll vom Kreuzfahrt-Boom profitieren. Deshalb will der neue Landrat einen großen Hafen in Bischberg bauen. Der Namensvetter des Landrats, Georg Pfister (mit Hut), bietet an, in dem wenige Kilometer entfernt geplanten Freizeitland eine Shopping-Mall für die Kreuzfahrttouristen zu bauen. Außerdem will er dort eine Kopie des Bamberger Doms und von Klein-Venedig errichten. an/hak


April

Als der Ausbau der Straße nach Burglesau fortgesetzt werden soll, entdeckt der Scheßlitzer Kämmerer, dass es nicht nur ein Tippfehler in der Pressemitteilung war, sondern dass die Regierung von Oberfranken der Stadt im Förderbescheid tatsächlich 540 000 Millionen Euro bewilligt hat. Nun überlegt man, wie sich das Geld am besten in der kleinen Gemeindeverbindungsstraße verbauen lässt, schließlich ist der Zuschuss zweckgebunden. Weil sich ein vierspuriger bodenbeheizter Ausbau mit goldbarrengefliesten Banketten, Platin-Fahrbahnmarkierungen und diamantbesetzten Leitplanken nicht sofort realisieren lässt, wird der weitere Ausbau der Straße erst mal gestoppt. Die Burglesauer müssen weiter auf eine fertige Verkehrsanbindung warten. Finanzminister Markus Söder, der nun die Schulden an der Backe hat, und Landrat Pfister blicken neidvoll nach Scheßlitz. hak


Mai

Für eine Verlagerung des Dientzenhofer-Gymnasiums in den Landkreis stellen die Gutachter ihre Untersuchung vor. Drei Szenarien sind denkbar.
Die Wattendorf-Lösung:
Für die Errichtung des DG auf der Jura-Hochfläche sprechen die gleichmäßig maximale Entfernung zu allen Zentren der Region, die niedrigen Baukosten auf der hier besonders grünen Wiese und das hohe Kulturangebot durch zwei ortsansässige Brauereien.
Das Rotationsmodell:
Das Dientzenhofer-Wander-Gymnasium wechselt als Containerdorf von einer Landkreisgemeinde zur nächsten. Vorteil: So wird politischer Streit vermieden. Bei monatlichem Turnus hat das DG nach drei Jahren alle 36 Gemeinden bespielt.
Die dezentrale Unterbringung:
Bei diesem Modell wird das DG gleichmäßig auf 36 Schul-Standorte im Landkreis verteilt. Wichtig: Durch Spezialisierung jeder Gemeinde auf ein, maximal zwei Fächer wird erreicht, dass die Schüler mobil bleiben und die Busse nicht einrosten. MW


Juni

Die Grünen im Landkreis haben lange gebraucht, um sich vom Steigerwaldschock zu erholen. Jetzt wollen sie die Gegend rund um Ebrach mit Buchensetzlingen aufforsten. Dabei müssen sie feststellen, dass auch der Ort nur auf einer Fototapete entlang der B 22 existiert.
Dahinter ist schon alles für ein Gewerbegebiet vorbereitet, das sich von der A 3 bis zur A 70 erstrecken soll. hak


Juli

Der Scheßlitzer Bürgermeister wird gestoppt, als er versucht 539 999 460 000 Euro in kleinen, nicht durchlaufend nummerierten Scheinen über die Stadtgrenze zu bringen. "Ich wollt' dem Söder das zu viel bezahlte Geld zurückbringen", erklärt er den Polizisten, die den bei Burglesau stecken gebliebenen Konvoi aus mehreren Gigalinern kontrollieren. Der Finanzminister reibt sich schon die Hände und gewährt der Stadt Scheßlitz einen Zinssatz von nur 0,1 Prozent auf das "Darlehen". Der Kämmerer rechnet nach und kommt auf 45 Millionen Euro pro Monat. Die Scheßlitzer behalten das Geld dann doch lieber selber. hak


August

Weil Landrat Pfister (ohne Hut) eine Shopping-Mall für Kreuzfahrttouristen (s. März) nun im Trosdorfer Gewerbegebiet plant, meldet sich Ex-Kreisrat und CSU-Enfant-terrible Pfister (mit Hut) auf der politischen Bühne zurück. Mit Baggern und Lastern lässt er das Landratsamt blockieren. Neben seinem Konterfei auf den Fahrzeugen prangen Transparente mit Parolen wie "Je suis Pfister" oder "Le Landkreis c'est moi". Ex-Landrat Kalb, der die Sommerferien für eine heimliche Rückkehr in das Amtsgebäude nutzen wollte, muss wegen der Blockade ebenso draußen, wie sein Nachfolger Pfister (ohne Hut) drinnen bleiben. Letzterer verschanzt sich im alten Bunker unter dem Landratsamt, der noch als Kommandozentrale für Katastrophenfälle dient. hak


September

Bei der Bundestagswahl wird völlig überraschend die SPD stärkste politische Kraft im Landkreis. Offenbar hat etwa die Hälfte der CSU-Anhänger keine andere Möglichkeit gesehen, die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu unterstützen. hak


Oktober

Weil sich Anlieferung aus der Corona-Brauerei in Mexiko verzögert, kann Johann Kalb das neue "36 Kreisla" erst mit einigen Tagen Verspätung präsentieren. Die Gäste sind schon alle weg, als Kalb die erste Flasche öffnet. "Riecht wie Radler, schmeckt nach Fisch", stellt er fest und gießt den Rest weg. Er gelobt, das nächste Bier wieder im Landkreis brauen zu lassen. Es ist aber keiner da, der das hört. hak


November

Der Monat verläuft so ereignislos und still, dass sich die Landkreisbewohner fragen: "Ja ist denn schon Weihnachten?" red


Dezember

Nach einem turbulenten 2017 scheint der Landkreis doch noch auf einen besinnlichen Jahresausklang hinzusteuern. Landrat Pfister (ohne Hut) und sein Namensvetter (mit Hut) werden beim gemeinsamen Glühweintrinken auf dem Bamberger Weihnachtsmarkt gesichtet. Dadurch wittert Ex-Landrat Kalb seine Chance und verbreitet via Facebook und Twitter ein Foto davon mit dem Aufschrei "In der Stadt und auch noch Wein! Freibier für alle im Landkreis!!!". Der Shitstorm, der daraufhin losbricht, führt dazu, dass alle Funktions- und Mandatsträger im Landkreis von all ihren Ämtern zurücktreten. Ministerpräsident Seehofer ernennt daraufhin Söder zum kommissarischen Statthalter in Bamberg - und glaubt, ihn damit endgültig aufs Abstellgleis zu schieben. Aber Söder weiß, dass bei Burglesau immer noch der Geldkonvoi mit annähernd 540 Milliarden Euro im Straßengraben steht ... hak
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