Gößweinstein
Betrug 

So schützen sich Senioren

Ob aufdringliche Bettler direkt vor der Haustüre oder dreiste Anrufer am Telefon: Senioren sind für ganz unterschiedliche Betrüger Zielscheibe. Polizist Klaus Steinhübl kennt sowohl die Vorgehensweisen als auch Hilfen für Senioren.
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Die Polizei hat Tipps, mit denen sich Senioren im Voraus vor Betrügern schützen können.  Foto: Carmen Schwind
Die Polizei hat Tipps, mit denen sich Senioren im Voraus vor Betrügern schützen können. Foto: Carmen Schwind
Viele Besucher des Seniorentreffs in Gößweinstein konnten über unangenehme Erfahrungen mit Trickbetrügern berichten. Lilo Grunow beispielsweise macht sich regelmäßig einen Spaß daraus, wenn ihr Unbekannte am Telefon etwas verkaufen wollen.
Doch nicht jeder ist so schlagfertig, deshalb rät Klaus Steinhübl von der Polizeiinspektion Ebermannstadt, dass die Angerufenen unhöflich sein und einfach auflegen sollen. Trickbetrüger bevorzugen Senioren, da diese oft allein leben, auch mal ein Handicap haben und sich über Gespräche und Abwechslung freuen.
"Bettler, Einbrecher und Trickbetrüger verhalten sich wie Profis. Sie schauen sich die Stärken und Schwächen des anderen an", erklärt Klaus Steinhübl. Deshalb empfiehlt er, dass sich mögliche Opfer ebenfalls professionell verhalten und den Gegner studieren sollen.
Einige Hände gehen hoch, als der Polizist fragt, wer von den Zuhörern denn schon Kontakt zu Bettlern gehabt habe. Steinhübl berichtet, dass es sich hierbei oft um Ausländer handelt, die an der Tür schnell professionell abschätzen können, mit welcher Masche sie Mitleid erregen können.
"Wenn die mit ihnen sprechen, schauen sie schon in die Wohnung. Sehen die zum Beispiel Kreuze hängen, erkennen sie schnell, dass sie gläubig sind und fallen auf die Knie", erzählt der Polizist. Meist seien diese Bettler zu zweit, wobei sich einer verstecke. Der Erste an der Tür bitte oft um etwas zu essen. "Und jetzt seien sie wieder unhöflich und schließen die Tür, denn oft geht der zweite Betrüger in die Wohnung, solange sie in die Küche gehen, und versteckt sich, um sie später auszurauben", erklärt Steinhübl.
Die professionellen Gauner wissen genau, wo sie Wertsachen finden: Schmuck ist meist in einer Schatulle im Schlafzimmer untergebracht, die Münzsammlung bei den Büchern im Wohnzimmer und das Bargeld in der Küche. "Für Einbrecher ist ein gekipptes Fenster ein offenes Fenster", informiert Klaus Steinhübl. Er erzählt, dass Einbrecher das Objekt der Begierde mehrmals ausspionieren, um zu sehen, ob und wann jemand zu Hause ist. Deshalb rät der Polizist, dass man auf keinen Fall auf dem Anrufbeantworter angeben soll, dass man in Urlaub ist. Er empfiehlt, Nachbarn oder Freunde zu bitten, dass sie die Jalousien öffnen und schließen und Licht machen während man selbst im Urlaub ist.
Die meisten Einbrüche werden nach wie vor bei Nacht getätigt. "Deshalb Lärm und Licht machen, wenn man denkt, dass jemand im Haus ist und gleich bei uns in Ebermannstadt anrufen", so der Polizist. In dieser Region seien Einbrecher noch keinen Hausbesitzer angegangen. Steinhübl weiß, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gibt.
Auf die Frage eines Zuhörers nach Schutz vor Dieben führt der Polizist den sogenannten "Schrillalarm" vor. Auf Fingerdruck gibt die kleine Druckknopfflasche einen bis zu 130 Dezibel lauten Hochfrequenzton ab. "Pfefferspray wirkt nicht bei jedem beziehungsweise man gefährdet sich selbst, wenn man in die Wolke gerät", so Steinhübl. Der Polizist rät Senioren bei Gruppenreisen ins Ausland, sich immer in der Gruppe zu halten, damit sie nicht überfallen werden. Wenn jemand im Winter in den Urlaub fährt, sollte er jemanden bitten, Schnee zu schippen, damit das Haus bewohnt aussieht. Außerdem würden viele Diebe über die Terrassentür oder den Gartenbereich einsteigen. "Es ist nicht gut, wenn ein Haus dicht von einer Hecke eingewachsen ist", meint Steinhübl. Der Polizist ging auf den "Enkeltrick" am Telefon ein. Trickbetrüger geben sich als Freund des Enkels aus und behaupten, der sei in Not und brauche Bargeld, das sie für ihn holen wollen. "Vorsicht, denn die bauen Leidensdruck auf. Geben Sie da nie Geld", erklärt Steinhübl. Und auch sonst sollte man einfach auflegen, wenn einem jemand unaufgefordert am Telefon etwas verkaufen will. Dazu meint der Polizist: "Seien Sie auch hier unhöflich."

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