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Kloster Banz

Sisis Vater hatte ein großes Faible fürs Reiten auf Zirkuspferden

Kaiserin Sisi ist allen ein Begriff. Dafür sorgten in den 50ern kitschige Filme. Aus diesen schaute Gustav Knuth als Sisis Vater heraus und das prägte ein r...
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Bernhard Graf wusste interessant zu erzählen. Humor hatte er auch, wie man bei der Doppelung des Bildmotivs sieht. Foto: Markus Häggberg
Bernhard Graf wusste interessant zu erzählen. Humor hatte er auch, wie man bei der Doppelung des Bildmotivs sieht. Foto: Markus Häggberg
Kaiserin Sisi ist allen ein Begriff. Dafür sorgten in den 50ern kitschige Filme. Aus diesen schaute Gustav Knuth als Sisis Vater heraus und das prägte ein recht schiefes Bild dieser Person. Dieses Bild zurechtzurücken hat sich der Landshuter Historiker Bernhard Graf auf die Fahne geschrieben. Am Samstag referierte er im Klostermuseum zu Sisis Vater: Herzog Max in Bayern. Ein höchst passender Ort, schließlich findet sich an ihm auch die von Max zusammengetragene "Orientalische Sammlung".
"Sisis Vater" steht auf dem Buchdeckel. Sisis Vater und nicht Sissis Vater, denn Sisi kommt mit zwei s aus. Das dritte hat der Kitsch gefügt. Doch um Sisi ging es nur bedingt, weil über ihre Bekanntheit der Weg zum Vater führt. Eben zu jenem Herzog Max in Bayern, einer kuriosen Type voller fesselnder Widersprüchlichkeiten: Adelig und volksnah, katholisch mit Affären, aristokratisch und mit Adelstraditionen brechend. Das alles nachzulesen in einem von Bildern und Recherchen lebenden Buch Grafs, welches dieser auf Einladung von Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck vor Besuchern vorstellte.


Lebensstationen und Charakter

Am Anfang des Vortrags ging es Graf um das 2016 erschienene Buch selbst, um das, was den Leser in den einzelnen Kapiteln erwartet. Für kurze Momente nahm sich die Veranstaltung darum auch wie eine Verkaufsveranstaltung aus. Die entscheidende Frage lautet ab hier: Würde Graf alle aufgezählten Kapitel auch wirklich beleuchten? Eben weil er das tat, gelang der Abend gut. Zudem hielt Graf eine interessante Bilderschau in petto, Lebensstationen und Eigenwilligkeiten des Königs dokumentierend. Dabei griff er auf Werke von u. a. Hof- oder Kabinettmalern zurück. Grafs Recherchen zu dem 1808 in Bamberg geborenen Herzog führten ihn in dessen Briefe, in Chroniken, zu Bibliothekaren Münchens, Augsburgs oder Wiens. Viel an zusammengetragener Vorarbeit zu diesem durch Knuth dargestellten Mann habe er nicht gefunden, abgesehen von einem Band aus dem Jahre 1909. Zu dem Erstaunlichsten, was das Publikum zu Max Joseph erfuhr, dürfte zählen, dass er Kunstreiter war, sich Gedanken um die Präsentation von Reitzirkusprogrammen machte oder ein privates Theater unter seinem Dach hielt, um an Theaterstücken wie Maria Stewart "über den Adel zu reflektieren". Und es kam noch besser: Der Mann, der einige Bezüge nach Franken aufwies und eben auch die bekannte Orientalische Sammlung in Banz durch Reisen zusammentrug, veröffentlichte als Literat unter dem Pseudonym Phantasus gar eine Nacherzählung von Victor Hugo bzw. Novellen.
Graf darf ruhig als wissenschaftliches Schwergewicht bezeichnet werden. Noch viel mehr ausgewiesene Kenner der Materie neben ihm dürfte es nicht geben. Der Mann, Baujahr 1962, ist Historiker, Kunsthistoriker und Germanist, zweifach promoviert und als Drehbuchautor und Regisseur von Dokumentarfilmen (BR) zum bayerischen Königshaus in der Materie. Bei alledem aber eine freundliche und zuvorkommende Gestalt.
Wer aus dem Publikum nach dem Vortrag noch Fragen an ihn hatte, der durfte sich auf mehr als nur eine höfliche und knappe Antwort einstellen. Sie waren im Gegenteil erschöpfend, feldübergreifend und mit Wertschätzung für den Fragesteller. Zwei Dinge musste der Max-Kenner nach der Lesung aber auch zugeben. Dass dieser Adelige ihm nach so vielen Recherchen irgendwo auch ein Rätsel geblieben ist und dass er "nie erwartet hätte", wie groß die "weittragende Bedeutung seines Zirkus" war.

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