Mainleus

Sie wollen keine Außenseiter sein

Asylsuchende  In Mainleus sind die ersten 30 Flüchtlinge angekommen. Der Iraker Ahmet lebt mit Ukrainern, Russen, Albanern und Iranern zusammen. Konflikte gibt es nicht, sagt der 27-Jährige, der in Deutschland studieren will.
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Ahmet Al-naib (27) spielt mit Haje (12) vor der Gemeinschaftsunterkunft Fußball. Foto: Alexander Hartmann
Ahmet Al-naib (27) spielt mit Haje (12) vor der Gemeinschaftsunterkunft Fußball. Foto: Alexander Hartmann
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von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Hartmann

Mainleus — Ahmet Al-naib ist erst 27 Jahre alt, hat aber schon viel mitgemacht. Er war 13, als seine Familie wegen des Krieges im Irak in den Jemen geflohen ist. Vor wenigen Wochen hat er auch seine zweite Heimat verlassen. "Auch in Jemen herrscht Krieg. Ich hatte Angst um mein Leben", sagt Ahmet, der zu den ersten 30 Flüchtlingen gehört, die die neue Asylunterkunft in der Heinrich-Schneider-Straße in Mainleus bezogen haben.
Dort lebt der junge Iraker zusammen mit Iranern, Russen, Kosovaren, Albanern, Ukrainern und einer Familie aus Aserbaidschan. In wenigen Tagen werden weitere Mitbewohner aus Nigeria, Angola und Mazedonien einziehen. Die Flüchtlinge kommen teils aus miteinander verfeindeten Staaten, aus verschiedenen Kulturkreisen und haben unterschiedliche Religionen. Konflikte gibt es aber nicht, betont Ahmet. "Denn wir sind alle Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind." Bis zu 74 Bewohner werden in den 24 Wohnungen eine Bleibe finden. Menschen, die hoffen, dass ihr Asylantrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge positiv beschieden wird.

Ahmet will studieren

Von einem Streit oder gar Reibereien haben auch Andrea Boujjia und Ulrich Langhammer bis dato nichts mitbekommen. Langhammer ist Hausverwalter in der Asylunterkunft, die die Regierung von einem Privatmann angemietet hat. Boujjia arbeitet für die Caritas, die die Flüchtlinge betreut, sie im Asylverfahren begleitet und ihnen Perspektiven aufzeigt. So auch Ahmet, der in Deutschland gerne sein im Jemen begonnenes Studium der Wirtschaftswissenschaften abschließen würde. Das Vorhaben könnte er auch ohne Asyl über ein Visum für ein Studium in Angriff nehmen, sagt Andrea Boujjia. "Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er über ausreichend Deutschkenntnisse verfügt." Der 27-Jährige will mit Eva Resiga, die Sprachkurse gibt, büffeln, um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Kinder gehen in die Schule

Es sind tragische Schicksale, die die Asylsuchenden schildern. "Wir haben Leute, die in ihrer Heimat unterdrückt und gefoltert wurden. Eine Familie ist auf dem Mittelmeer mit einem Flüchtlingsboot untergegangen und in letzter Sekunde gerettet worden", teilt Andrea Boujjia mit, die sich auch um drei Kinder kümmert, die in Mainleus schon die Schule besuchen. "Der Unterricht macht ihnen großen Spaß", so die Sozialpädagogin.
Die Flüchtlinge wollen keine Außenseiter sein. Sie wollen sich in die Gemeinschaft integrieren. Wie Ahmet, der gestern Abend mit drei weiteren Asylbewerbern zum ersten Mal das Fußballtraining des TSC Mainleus besucht hat. "Fußball ist mein Leben", sagt der 27-Jährige, der vor seiner Flucht in der ersten Liga im Jemen gespielt hat.




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