Bamberg

Selbsthilfegruppe "Stottern" informiert am Samstag

Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens lädt die Selbsthilfegruppe "Stottern" (SHG) zu einem Infotag am Samstag, 22. Oktober, ein. Es finden unter anderem in...
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Christine Franke
Christine Franke
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Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens lädt die Selbsthilfegruppe "Stottern" (SHG) zu einem Infotag am Samstag, 22. Oktober, ein. Es finden unter anderem interessante Vorträge über die Behandlung des Stotterns im Wandel der Zeit sowie Filmvorträge über Vorstellungen verschiedener Therapieansätze statt. Von 15 bis 18 Uhr sind Gäste im Awo-Gruppenraum, Zinkenwörth, herzlich willkommen.
Leiterin Christine Franke, die selbst stottert, und seit zehn Jahren Ansprechpartnerin der Gruppe ist, haben wir vorab getroffen. Sie erzählt, wieso Menschen überhaupt stottern, wie man damit klarkommt und wie die SHG dabei helfen kann.

Was ist die Ursache des Stotterns?
Christine Franke: Es gibt verschiedene Ursachen. Bei mir hat es mit zwei Jahren angefangen. Bei den meisten Menschen, die stottern, fängt es im Kindesalter an, also wenn Kinder lernen, ganze Sätze zu sprechen. Früher wusste man relativ wenig über die Ursachen.
Allerdings weiß man heute, dass sich bei manchen Menschen verschiedene Synapsen im Hirn nicht mehr schließen, was zum Stottern führt. Außerdem kann das auch genetisch veranlagt sein, also dass man es von den Eltern erbt. Durch Unfälle oder Traumata kann Stottern ebenfalls entstehen.

Wie kommt man so in seiner Umwelt zurecht?
Es kommt drauf an, wie man sich gibt. Es ist ja keine offensichtliche Behinderung, vor allem weil wir ja trotzdem total normal denken. Ich stottere zum Beispiel sehr kontrolliert, das heißt, ich gehe bei vielen Wörtern in die Dehnung und wenn man das lange praktiziert, dann kann man das eben sehr gut kontrollieren. Ich bin außerdem froh, dass ich die Nicht-Vermeidungstechnik beherrsche, also mich von Blockaden befreie und schwere Wörter nicht vermeide. Wenn man sich auf die Modifikationstechniken einlässt, klappt das schon. Viele Menschen können nicht kontrolliert sprechen, diese sagen offensiv im Gespräch, dass sie stottern. Da muss man von Anfang an offen sein. Besser aber: Sein Stottern im Griff haben! Je entspannter man mit seinem Defizit umgeht, desto besser geht es einem.

Was für Behandlungsmethoden gibt es?
Es gibt keine Heilmethoden. Allerdings ist Modifikation wichtig. Ich verändere das Stottern. Wenn mir bewusst ist, wie ich mich anhöre und sich das Sprechen anfühlt, komme ich sehr gut zu recht. Ich habe durch die SHG von dem Buch "Die Behandlung des Stotterns" von Charles Van Riper gehört. Dieses hat mir sehr gut geholfen, allerdings kann man sich auch schwer selbst therapieren. Ich habe mir dann einen Therapeuten gesucht und mich nach dem Buch orientiert. Diese Therapie machte ich sieben Jahre später noch einmal. Eine stationäre Therapie habe ich abgelehnt. Den Zeitaufwand scheute ich.
Wie helfen Sie sich in der SHG untereinander?
Mit sehr vielen Gesprächen. Wir erzählen einander von wirkungsvollen Therapien und tauschen Informationen aus. Am Anfang ist das nicht leicht gewesen. Ich hatte Angst auf andere Menschen, die stottern, zu treffen, weil ich die Vorstellung, dass alle um einen herum auch stottern, als Horror empfand. Als man sich dann besser anfreundete, ging es viel leichter.
Wir alle haben ein Gesprächsbedürfnis, das wir da ausleben können. Unser ehemaliger Leiter Manfred Zürner hatte außerdem zu dem Thema sehr viel nachgeforscht und gelesen und diese Informationen an uns weitergegeben. Die Jüngeren aus unserer Gruppe machen inzwischen mehr Leseübungen. Außerdem wollten sie unbedingt ein Improvisationstheater starten. Dort war ich dann dabei und das hat echt Spaß gemacht. Das soll nun auch weitergeführt werden.

Die Fragen stellte Anna Gartiser.



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