Forchheim

"Seinen Frieden machen!"

Anlässlich ihres Auftritts in der Forchheimer Jahnhalle stellte sich TV-Star Marianne Sägebrecht (71) unseren Fragen. Sterbelieder für das Leben. Ist das ni...
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Anlässlich ihres Auftritts in der Forchheimer Jahnhalle stellte sich TV-Star Marianne Sägebrecht (71) unseren Fragen.

Sterbelieder für das Leben. Ist das nicht ein Widerspruch ?
Sägebrecht: Auf gar keinen Fall. Man muss sich dem Tod stellen. Wer Angst vor dem Tod hat, der hat auch Angst vor dem Leben.

Wie sind Sie dazu gekommen, diese Lieder zu rezitieren?
Bei der Verleihung des Bayerischen Kulturpreises, den ich bekommen habe, hat Josef Brustmann die Laudatio auf mich gehalten. Beim Vorgespräch haben wir uns näher kennen gelernt und festgestellt, dass wir mit den Sterbeliedern ein gemeinsames Anliegen haben.

Was ist bei diesen Vorträgen ihr zentrales Anliegen?
Bei der Geburt begleitet uns eine Hebamme. Das wünsche ich mir auch für das Sterben. Eine solche seelsorgerische Begleitung halte ich für eminent wichtig.

Ist Tod ein Thema das mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt?
Bei mir nicht. Schon mit 13 habe ich unseren Pfarrer begleitet, habe Sterbende besucht, ihre Hand gehalten. So habe ich ein Bewusstsein für die Endlichkeit des Seins entwickelt. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich bin jeden Tag bereit. Und ich möchte auch anderen Menschen die Angst davor nehmen.

Aber die Angst ist da!
Ja, weil wir den Tod aus unserem Leben verbannt haben. Viele Menschen sterben allein in einem Krankenhaus, weil die Angehörigen weit weg wohnen. Niemand ist da, der sich um sie kümmert. Das darf nicht sein! Ich finde: "Du sorgst Dich am besten um dich selbst, wenn du dich um andere sorgst."

Was muss passieren, damit wir bewusster mit dem Sterben umgehen?
Wir müssen füreinander mehr Verantwortung übernehmen. Auch für Hartz IV Empfänger, die kein Grab bezahlen können, muss es a Platzerl geben, an dem an sie erinnert wird. Sonst ist es, als hätte der Mensch nie gelebt.

Welchen Rat können Sie Menschen geben, um ihnen das Sterben zu erleichtern?
Bevor wir auf die Reise gehen, sollten wir unseren Frieden gemacht haben. Wir sollten mit uns selbst im Reinen sein und auch mit unseren Mitmenschen. Hilfreich ist es auch, einen festen Glauben zu haben. Ich bin zum Beispiel von der Existenz der Seele zutiefst überzeugt. Sie braucht Zeit, um sich vom Körper verabschieden zu können. Daher kämpfe ich für einen würdevollen Umgang mit Sterbenden.

Das Gespräch führte Josef Hofbauer

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