Eggolsheim
Forschung 

Schwingungen erlebbar gemacht

Der Eggolsheimer Grafik-Student Jonas Kraus hat sich bei seiner Bachelor-Arbeit mit dem Thema Resonanzen befasst. Er legt diesen Begriff sehr global aus und verdeutlicht seine Thesen an alltäglichen Beispielen.
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Josef Hofbauer

Was bei der Familie Kraus in Eggolsheim im Garten steht, sieht ein wenig aus wie eine Mischung aus einem Trampolin und einem Klettergerüst. Die Konstruktion besteht aus runden und eckigen verschweißten und verschraubten Metallstangen und 400 Meter Seil. "Das Gerüst ist die praktische Hinführung zu meiner Bachelor-Arbeit über Schwingungen", erklärt Jonas Kraus, der in Würzburg Kommunikationsdesign studiert hat.


Mehrere Resonanz-Ebenen

"Es geht um Schwingungen", informiert Kraus, wobei er nicht in erster Linie die Schwingungen einer Gitarre meint. Der Student fasst diesen Begriff viel weiter, so wie sein Vorbild, der Schriftsteller Hartmut Rosa (51), der für sein jüngstes Buch mit dem Tractatus-Essaypreis ausgezeichnet wird. Der Titel des Werkes: "Resonanz, eine Soziologie der Weltbeziehung." Dieses Spektrum der Formen, in denen wir eine Beziehung zur Welt herstellen, versucht Jonas Kraus zu erklären und zu veranschaulichen.
Er spricht von unterschiedlichen Ebenen, die sich in der Metallkonstruktion widerspiegeln. Die unterste Ebene sei die archaischste. Das Dreieck zeigt sich kantig, die Bespannung wenig nachgebend.
"Je weiter es nach oben geht, desto abgerundeter werden die Formen, desto organischer und flexibler werden die Schwingungen. "Wer sich in den geflochtenen Kreis ganz oben hineinlegt, kann spüren, wie er richtig hineintaucht", beschreibt Kraus seine Empfindungen.
Jeder, der sich auf dieses Erlebnis eingelassen habe, konnte dies bestätigen, freut sich Jonas Kraus, der zusammen mit seinem Vater Reinhard zwei Wochen an der Konstruktion gearbeitet hat.
Als Werkstatt nutzten die beiden den Bauhof Eggolsheim, den Bauhof-Leiter Harald Kühn und Bürgermeister Claus Schwarzmann zur Verfügung gestellt hatten.


Drauflos konstruiert

Ausgangspunkt war eine PC- Konstruktion. "Aber als es an die Praxis ging, haben wir teilweise einfach drauflos konstruiert. Die Flächen wurden größer und die Statik musste nachgebessert werden", erinnert sich Kraus.
Jetzt ist das Resonanz-Objekt 4,50 Meter lang, rund 3,20 Meter hoch und mehr als zwei Meter tief. Und mit gut einer halben Tonne Gewicht ist es durchaus standfest. Während seines Studiums mit dem Schwerpunkt Grafik und Kommunikationsdesign habe er immer wieder festgestellt, dass es beim Thema Resonanzen um die Beziehung von Menschen zu ihrer Umwelt oder zu anderen Menschen gehe. So seien Schwingungen auch stimmungsabhängig. Eindrücke, Begegnungen und Gefühle, die jeder kennt, oft aber nicht benennen könne, seien Reaktionen, beziehungsweise Resonanzen und somit Teil der Kommunikation.
Resonanz-Phänomene seien Momente, in denen Resonanz gelinge und den imaginären Draht zwischen Subjekt und Welt vibrieren lasse. Diese Phänomene können in der Familie ebenso auftreten wie in der Politik, bei der Arbeit oder beim Sport. Jonas Kraus spricht von einer "dynamischen Interaktion zwischen Subjekt und Welt, ein Verhältnis, bei dem sich beide berühren." Dabei lege der Begriff Resonanz eine rhythmische Abfolge von Schwingungen nahe. Das gelte sowohl für die Beziehungen von Menschen untereinander, als auch zwischen Menschen und ihrer Umgebung.
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