Coburg
Geschichte 

Schwierige Verwandtschaft

Die Foyerausstellung der Landesbibliothek Coburg geht mit ausgewählten Exponaten auf die deutsch-britische Gemengelage vor 100 Jahren ein. Eine Umbenennung des Königshauses war unumgänglich.
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Die Illustration zeigt eine schematische Ansicht von Windsor Castle aus den Beständen der Landesbibliothek Coburg.  Foto: Silvia Pfister
Die Illustration zeigt eine schematische Ansicht von Windsor Castle aus den Beständen der Landesbibliothek Coburg. Foto: Silvia Pfister
Vor 100 Jahren benannte sich das britische Königshaus um von "Saxe-Coburg and Gotha" in "Windsor". Im dritten Jahr des Ersten Weltkriegs veranlasste die antideutsche Stimmung in der britischen Bevölkerung König Georg V. zu diesem Schritt. Es war das Jahr des deutschen Bombenterrors, der besonders London traf. "The Gothas", in Gotha produzierte feindliche deutsche Kampfflugzeuge, hatten fast den gleichen Namen wie das Königshaus, was dessen ohnehin schon problematische deutsche Wurzeln noch angreifbarer machte.


Fußnote zum Brexit-Votum

In einer Foyerausstellung geht die Landesbibliothek Coburg mit ausgewählten Exponaten auf die deutsch-britische Gemengelage vor 100 Jahren ein. Wer möchte, kann die Ausstellung auch ganz aktuell als kleine Fußnote zum Brexit-Votum verstehen.
Thematisiert werden zum einen die mit den nationalen Feindbildern unvereinbaren engen dynastischen Beziehungen, in deren Fokus die drei Cousins König Georg V. von Großbritannien, Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha und der Deutsche Kaiser Wilhelm II. standen. Alle drei waren Enkel der britischen Königin Victoria und Prinz Alberts von Sachsen-Coburg und Gotha. Zu sehen ist etwa das Hausgesetz für Sachsen-Coburg und Gotha von 1855, aus dem Herzog Carl Eduard 1917 kurzerhand die Passage streichen ließ, nach der den Nachfahren von Prinz Albert und Königin Victoria auch das Coburger Herzogtum zukam. Der als britischer Prinz geborene Duke of Albany Charles Edward war 1905 als Coburg-Gothaer Herzog und deutscher Bundesfürst installiert worden.


Schwerpunkt Schloss Windsor

Zu den Ausstellungsstücken zählt auch ein Fotoalbum mit Bildern seines schottischen Garderegiments, ein Geschenk zu diesem Anlass. Einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt bildet Schloss Windsor, das als Sinnbild für die Kontinuität der britischen Monarchie 1917 einen ausgezeichneten Namengeber für das Königshaus darstellte.
Erst in jüngster Vergangenheit lenkte die öffentlichkeitswirksame Schenkung eines Weihnachtsbaumes aus Coburg an das britische Königshaus 2016 wieder mehr Aufmerksamkeit auf die 1917 abrupt unterbrochenen Beziehungen. Die Aufstellung des "Christmas tree for the Queen" vor Windsor Castle entspricht den in der Ausstellung aufgezeigten Traditionslinien. "Die Landesbibliothek Coburg ist hocherfreut, die Ausstellung am Freitag, dem 28. April, einer Delegation von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Bibliothekaren aus England und Amerika präsentieren zu können", heißt es in einer Pressemitteilung. Ab diesem Zeitpunkt ist die Schau auch für die Allgemeinheit geöffnet im Eingangsbereich der Bibliothek im ersten Stock von Schloss Ehrenburg. Sie ist kostenlos zugänglich während der Öffnungszeiten der Bibliothek (siehe Infokasten). Letzter Öffnungstag ist der 2. September 2017. Die Ausstellung stellt auch das Begleitprogramm für die diesjährige Jahrestagung der Prinz-Albert-Gesellschaft/Prince Albert Society dar (http://www.prinz-albert-gesellschaft.de/start_de.html), die vom 31. August bis 2. September 2017 in den Räumen der Landesbibliothek Coburg in Schloss Ehrenburg (Andromeda-Saal) stattfinden wird. red


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