Laden...
Herzogenaurach

"Schwarze Maß" veredelt den aufklappbaren Engel

von unserem Mitarbeiter Richard Sänger Herzogenaurach — Wer kennt das nicht? Das eben erhaltene Weihnachtsgeschenk ist so überhaupt gar nichts für einen selbst, also muss es umgeta...
Artikel drucken Artikel einbetten
Wirtin Bea Wirth (l.) unterstützte Auktionatorin Claudia Belzer mit zusätzlichen Reizen in Form von "Freigetränken". Fotos: Richard Sänger
Wirtin Bea Wirth (l.) unterstützte Auktionatorin Claudia Belzer mit zusätzlichen Reizen in Form von "Freigetränken". Fotos: Richard Sänger
+1 Bild
von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Herzogenaurach — Wer kennt das nicht? Das eben erhaltene Weihnachtsgeschenk ist so überhaupt gar nichts für einen selbst, also muss es umgetauscht werden. Den Schenkenden nach dem Kassenzettel fragen, damit der Umtausch auch unproblematisch klappt? Nicht gerade höflich. Folglich landen Geschenke nach Weihnachten auf diversen Verkaufs- oder Tauschbörsen.
Das Geschachere um die ungeliebten Geschenke hat bei Bea Wirth im Ratskeller inzwischen Kultstatus erreicht. Sinnfreie Weihnachtspräsente oder andere Ausrutscher des Geschenkewahnsinns an Heiligabend bekamen auch dieses Jahr eine zweite Chance im gut besuchten Ratskeller.

Flotte Sprüche reizen

Wie schon in den Vorjahren sorgte Auktionatorin Claudia Belzer mit flotten Sprüchen dafür, dass ungeliebte Weihnachtsgeschenke neue Besitzer finden. Gesteigert wird in 50 Cent Schritten, und wenn es heißt: "Zum Dritten", drischt Claudia Belzer mit dem Kotelett-Klopfer, mangels eines Auktionshammers, hinter ihrem Rednerpult auf das Schneidebrett.
Weitere Unterstützung kam von der Wirtin selbst, kamen die Angebote nur zögerlich, legte Bea Wirth einen Freidrink oder ein Fläschchen obendrauf, den sie nach dem Zuschlag und dem Abkassieren dann auch gleich servierte.
Vor Beginn der Versteigerung werden die Geschenke von Belzer sauber auf Listen notiert und wenn gewünscht, auch ein Mindestgebot festgelegt. Zehn Prozent fließen immer einen guten Zweck zu und manche verzichten darauf und der Erlös wird komplett gespendet. In diesem Jahr geht der Spendenerlös an den Arbeiter Samariter Bund (ASB).
Belzer warb deshalb um möglichst viel Einnahmen, denn es soll der besondere Wunsch eines Buben erfüllt werden. Der ASB betreut einen Jungen, der beide Elternteile verloren hat und sein sehnlichster Wunsch zu Weihnachten war ein Fahrrad, der konnte ihm leider nicht erfüllt werden. "Also steigert die wunderbaren Sachen, verzichtet auf den Erlös, vielleicht können wir heute den Wunsch des Jungen erfüllen", rief Belzer zum Mitmachen auf.
Der Unterhaltungswert des Abends ist mit Claudia Belzer, im Hauptberuf Lehrerin, gesichert. Sie versteht es, mit Witz und Charme auch wirklich Unnützes an den Mann respektive Frau zu bringen.
Wo es mit dem Verkauf dann doch etwas hakt, haperte, zieht die Wirtin mit dem Versteigerungsgut durch die Gaststube und "veredelt" das eine oder andere mit Getränken oder fünf aneinandergereihte Schalen mit Knabbereien. Dass dann manchmal die "draufgelegten" Getränke mit der Gebotssumme nahezu gleich ziehen, gehört zum Reiz der Veranstaltung. "Ihr macht mich bankrott!", meint die Wirtin, wenn der Tisch ein Gebot mit einem weiteren Getränk verbindet.
"Da hab ich was Religiöses", ruft Claudia Belzer und hält einen Holzengel und Spielkarten in die Höhe. "Wie das genau geht, müsst Ihr in der Spielanleitung lesen, jedenfalls sind da fromme Sprüche drauf und der Engel ist wirklich wunderschön", pries die Auktionatorin Engel und Karten mehrmals an. Als dann die Wirtin eine schwarze Maß drauflegte, kam Bewegung in die Auktion. "Aha, wie religiös die auf einmal alle werden", meinte Belzer als Engel und Karten für zehn Euro einen neuen Besitzer fanden.
So gab es bei jedem Artikel viel Gaudi und Gelächter, so besonders bei den Überraschungspäckchen, also die noch in Weihnachtspapier verpackten Geschenke, die dann ausgewickelt werden mussten. Die Interessenten durften erst fühlen und schütteln und wechselten schließlich versüßt mit Freidrinks die Besitzer. Zum Vorschein kam eine Jacke und zur Gaudi an einem Männertisch, ein Eierbecher-Set in Form von Hühnern. Egal, wie geschmacklos das Angebot, einen Käufer gibt es immer. "Liegen geblieben ist bisher noch nichts, betont Claudia Belzer und Bea Wirth.
Richtige "Schnäppchen" allerdings waren eher nicht zu finden, die lagen eher im Auge des neuen Besitzers. Aber darauf kam es ja nicht an, der Spaß stand im Vordergrund - und der Erlös natürlich, denn zehn Prozent sollen den Weihnachtswunsch eines Buben erfüllen.


Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren