Lichtenfels
Praxistest 

Schulnoten gab's keine

Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld diskutierte in der Privaten Wirtschaftsschule Lichtenfels über aktuelle politische Themen. Ein Zeugnis wollte die SPD-Frau nicht.
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Eine ungewöhnliche Schulstunde erlebten gestern die Schüler der Privaten Wirtschaftsschule in Lichtenfels. Vor ihnen stand in der zweiten Unterrichtsstunde nicht eine ihrer Lehrkräfte, sondern die SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld.
Unter dem Motto "Politik macht Schule" berichteten bayernweit 136 Landtagsabgeordnete, elf Mitglieder der Staatsregierung und die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien den Schülern eine Schulstunde lang von ihrer politischen Arbeit. Das Projekt ist Teil der bayernweiten Aktion "Tag der freien Schulen". Einen Teil der Schüler kannte die heimische Landtagsabgeordnete bereits von ihren Besuch im Maximilianeum, dem Sitz des Bayerischen Landtags. Die meisten ließen sich nicht lange bitten und stellten ihre Fragen zu Themen wie AfD, Pegida & Co und dem Komplex Energiewende und Atomausstieg.


Atompolitik interessiert

"Ist der Atomausstieg sinnvoll, wenn an den Grenzen die Atomkraftwerke der Nachbarstaaten stehen?", lautete die Frage eines Schülers. In Anbetracht der Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima zeigte sich Biedefeld erleichtert, dass Deutschland den Atomausstieg gewagt hat. Sie äußerte die Hoffnung, dass sich auch in anderen Staaten die Erkenntnis durchsetze, ebenfalls den Ausstieg zu wagen. Aber dies werde noch einige Zeit dauern. "Wir können Überzeugungsarbeit leisten, aber wir können den Staaten nicht vorschreiben, ihre Atomkraftwerke abzuschalten", sagte Biedefeld. Wenn allerdings ein Reaktorunfall passiere, dann mache die radioaktive Strahlung nicht vor der deutschen Grenze halt. Nach Ansicht der Abgeordneten müsse die Klimapolitik europaweit gelöst werden. Es schloss sich die Frage nach einer Entschädigung im Ernstfall an. "Der finanzielle Ausgleich wird dann nicht unsere erste Sorge sein", machte Biedefeld deutlich. Wie am Beispiel Tschernobyl zu sehen sei, bleiben die radioaktiv verseuchten Gebiete für lange Zeit unbewohnbar.
Ein weiteres Thema, welches den Schülern unter den Nägeln brannte, betraf den Bereich erneuerbare Energien. Ein Schüler befürchtete, dass die erneuerbaren Energien nach Abschalten aller Atomkraftwerke nicht ausreichen würden, den Energiebedarf zu decken, auch vor dem Hintergrund einer möglichen Zunahme von Elektroautos. Deutschland müsse mehr in Sachen Energieeinsparung und -effizienz machen, erwiderte Biedefeld. Allein durch den Verzicht des Stand-by-Modus bei Elektrogeräten ließe sich ein großes Kraftwerk abschalten. Auch sollten mehr Gelder in die Forschung und Entwicklung fließen. Zur Deckung des Energiebedarfs in Deutschland brauche es den gesamten Mix an erneuerbaren Energien. Danach müsse auch mit Kohle Schluss sein.


Mit Sachargumenten aufklären

Auch das Thema Pegida und AfD stand im Fokus der Unterrichtsstunde. "Die AfD ist ein Mitbewerber auf dem politischen Markt", sagte die Abgeordnete. Hier seien die etablierten Parteien gefordert, mit Sachargumenten aufzuklären. Grundsätzlich sei es legitim, wenn sich Menschen in einer Gruppierung zusammenschlössen und sich politisch engagierten. Bei Pegida habe sie ihre Probleme, sagte Biedefeld, dass mit Phrasen argumentiert und gehetzt werde. Die SPD-Abgeordnete forderte gegen die Kräfte anzugehen, die Rechtsradikalismus verbreiteten und gegen Ausländer Front machten.
Den Zuzug von "neuen Leuten" ins Land sah ein Schüler als eine große Chance für Deutschland an, da diese durch ihre Arbeit zum Wohlstand beitragen könnten. Der Zuzug von anderen Kulturen sei laut Biedefeld auch die Möglichkeit zum kulturellen Austausch. Die Integration der neuen Mitbürger bezeichnete sie als ganz große Aufgabe.
Die Private Wirtschaftsschule in Lichtenfels gibt es seit 66 Jahren. Aktuell werden knapp 190 Schüler unterrichtet. Biedefeld hätte laut Schulleiter Kaiser die Möglichkeit gehabt, sich zum Abschluss ihrer Unterrichtsstunde ein Zeugnis ausstellen zu lassen. Sie verzichtete.


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