Kronach

Schulkonzept der CSU für den Norden stößt bei SPD-Politikern auf offene Ohren

Kreis Kronach — Der nördliche Landkreis soll ein neues Schulangebot bekommen (siehe ). Die Freude darüber ist allseits spürbar - unabhängig von Parteifarben...
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Kreis Kronach — Der nördliche Landkreis soll ein neues Schulangebot bekommen (siehe ). Die Freude darüber ist allseits spürbar - unabhängig von Parteifarben und Landratswahlkampf.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Richard Rauh, hatte noch am Montag gefordert, dass die CSU endlich ein Konzept für eine Schule auf den Tisch bringen soll. Nun schlägt er milde Töne an: "Prinzipiell kann man nicht dagegen sein, wenn es eine Verbesserung der Schulsituation im Kreis Kronach gibt." Deshalb wünscht sich Rauh jetzt eine breite Basis für das neue Konzept. Es gehe bei der Umsetzung um eine Grundsatzentscheidung, und die müsse man gemeinsam tragen, damit etwas Gutes daraus werde. Auf alle Fälle dürfe man diesen Fortschritt jetzt nicht zerreden. Rauh unterstreicht aber auch, dass bei der CSU offenbar ein Umdenken eingesetzt habe. Dort habe man nun doch das Thema "Schule" dem Thema "Schülerströme" vorgezogen. Das ständige Nachhaken der SPD sei dabei vielleicht der stete Tropfen gewesen.
Mit dieser Ansicht steht er in den Reihen der Sozialdemokraten nicht alleine da. Der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) begrüßt ebenfalls die Zusage des Ministers. "Und ich danke dem Landtagsabgeordneten Baumgärtner, der großen Einsatz gezeigt hat." An dieser Stelle gelte es, auch den politischen Erfolg anderer zu würdigen. Die SPD habe die Gemeinschaftsschule angestrebt, weil sie gemäß der Potenzialanalyse keine anderen Schulen gefährdet hätte. Doch wichtig sei nur, was für die Schüler gut ist und dass ein vernünftiges Angebot etabliert werden kann. Bloß den Standort der neuen Schule hätte Ehrhardt gerne weiter im Norden gesehen.
Für die Teuschnitzer Bürgermeisterin Gabriele Weber (CSU) wäre es ein Traum, wenn eine wohnortnahe Beschulung möglich werden sollte. Gerade für die jüngeren Schüler wäre es ihrer Meinung nach eine wesentliche Erleichterung. Der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) spricht von "einem Tag, wie er nicht schöner sein könnte". Allein aus Tettau besuchten 15 Schüler benachbarte Schulen in Thüringen. "Mir ist es lieber, wenn die in Zukunft wieder nach Bayern zur Schule gehen." Die Realschule in Pressig sei wichtig für die demografische Entwicklung im Norden des Landkreises.
Hans Pietz (FW), Bürgermeister von Pressig, meint: "Es ist toll! Was wir gebraucht haben, war eine Entscheidung. Jetzt haben wir die Möglichkeit, in Pressig eine Schulsanierung zu planen." Und der Pressiger Gemeinderat Reinhold Heinlein (CSU) schließt sich an: "Die größten Gewinner dieser politischen Entscheidung sind die Kinder des Nordens. Das Bildungsangebot wird somit in enormer Weise aufgewertet."
Wolfgang Beiergrößlein (FW), Bürgermeister von Kronach, freut sich, dass der Norden gestärkt wird, ohne Kronach zu schwächen. "Es wird Synergien geben, die wir für den gesamten Landkreis nutzen können", prophezeit er. Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Bernd Liebhardt, spricht von "einem großen Tag" und "einer historischen Entscheidung". Es sei ein Erfolg, die Bildungslandschaft nun zukunftsfähig zu machen. "Wir bleiben aber dran am Thema. Dabei denke ich an eine FOS, an Kooperationen mit den Fachhochschulen." Ziel sei es, ein breit gefächertes und tief greifendes Bildungsangebot im Landkreis anzubieten.
Der Kreistagsfraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Stefan Wicklein, freut sich grundsätzlich über jede Strukturentwicklung im Landkreis - besonders wenn sie für gleiche Lebensbedingungen sorgen. Er tritt aber noch etwas die Euphoriebremse: "Jetzt muss man erst einmal die genaue Ausgestaltung des Angebots abwarten." Dann müsse man auch noch sehen, wie die Schule von den Eltern und Schülern angenommen wird.
Der FDP-Kreisvorsitzende Björn Cukrowski ist froh, dass die beinahe vier Jahrzehnte andauernde Diskussion nun beendet ist. "Prinzipiell ist das sehr, sehr schön. Das hätte es schon lange gebraucht." Es müsse nun aber aufgepasst werden, dass auch genug Schüler für drei Realschulen im Landkreis zur Verfügung stehen. "Da ist die Frage, ob die Zahlen das hergeben, dass eine Schule erfolgreich geführt werden kann? Aber da werden sich die Herren Minister schon etwas bei gedacht haben - hoffe ich zumindest."
Von der Schulform sei er nicht vollends überzeugt. Zwar halte er nichts von einer Gemeinschaftsschule, wie sie die SPD gefordert hatte, favorisiere aber ein Modell wie die Staatliche Gesamtschule Hollfeld im Landkreis Bayreuth. "Da hat man drei Schulformen unter einem Dach und in der 4., 5. und 6. Stufe Orientierungsklassen. Erst danach wird entschieden, auf welche Schule das Kind kommt", erklärt Cukrowski. "Diese Geschichte ist meines Erachtens die beste Schulform."
An der gewählten Schulform hat Kreisrätin Petra Zinkel-Schirmer (Frauenliste) dagegen nichts auszusetzen. "Spaenle hat deutlich gemacht, dass keine andere denkbar ist. Unter den jetzigen Umständen halte ich die Entscheidung für richtig." Generell begrüße die Frauenliste die neue Schule. "Wie jede weitere", betont Zinkel-Schirmer. "Zum Beispiel die Fachoberschule in Ludwigsstadt."
Kritisch sieht sie hingegen den Zeitpunkt. "So kurz vor der Landratswahl halte ich es für etwas plakativ und überstürzt."
Hans Rebhan (Vizepräsident IHK) erklärt: "Für mich als Vertreter der Wirtschaft ist es ein wichtiger Tag. Was mir Freude bereitet, ist, dass es diesmal bezüglich der Standortfrage einer weiterführenden Schule keine Diskussionen wie in den 70er Jahren gegeben hat."
Aus der Sicht des Pressiger Schulleiters Reinhard Horn ist ein derartiges Angebot für die Landkreis-Mitte und den Norden immer von Vorteil. Wenn die Schülerzahlen reichen und keine andere Schule dadurch gefährdet wird, dann befürwortet er dieses Vorhaben. Er weist allerdings auch darauf hin, dass bei der Realisierung der Raum- und Sanierungsbedarf in der Pressiger Schule in den Blickpunkt rücken muss.
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