Coburg

Schräubeln an Opas Radio

Coburg — Auf Ebay oder Opas Dachboden haben sie sie gefunden - alte Radiogeräte, echte Klassiker von Loewe, Grundig und Co. Einmal in der Woche widmen sich zehn E-Technik-Studieren...
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Coburg — Auf Ebay oder Opas Dachboden haben sie sie gefunden - alte Radiogeräte, echte Klassiker von Loewe, Grundig und Co. Einmal in der Woche widmen sich zehn E-Technik-Studierende der Hochschule Coburg diesen ganz speziellen Liebhaberstücken. Und restaurieren sie.
Es ist eine kleine Zeitreise, die der Besucher unternimmt, wenn er die zehn Studierenden im Labor 2-235 besucht. Zurück in die 70er, 60er-Jahre oder noch weiter. Technik, die sonst auf dem Speicher verstaubt, zeigt sich hier in ihrer ganzen Pracht. "Richtig teure Teile" sind das, sagt Hans-Joachim Jirmann, der als Professor die Gruppe betreut. Der Weltempfänger "Satellit " von Grundig zum Beispiel. "Solche Geräte haben früher 500 bis 800 Mark gekostet."
Master-Student Daniel Steiner dagegen hat ihn für 90 Euro im Internet ersteigert. Empfangen kann das Gerät zwar noch, aber nicht mehr alles, was möglich wäre. Vorsichtig hat Steiner deshalb den "Satellit" auseinandergebaut, prüft Teil für Teil, säubert und lötet.

Spontane Idee

Ein paar Plätze weiter sitzt Jacqueline Stenglein tief über ein altes Loewe-Radio gebeugt. Sie hat die Liebe zum alten Rundfunkempfänger beim gleichnamigen Kronacher Unternehmen entdeckt. Dort macht die Studentin parallel zum Studium eine Ausbildung zur Elektronikerin. Äußerlich hat Stenglein das Gerät schon in Schuss gebracht. Nur das Innenleben bereitet ihr noch Kopfzerbrechen. Was genau kaputt ist, weiß sie nicht. Doch obwohl das Radio nicht richtig läuft: "Das, was man hört, klingt viel schöner als bei neuen Geräten."
Die Idee zum Projekt sei spontan entstanden, berichtet Professor Jirmann. "Frau Stenglein ist damals auf mich zugekommen. Sie hätte da so ein altes Teil, ob man das nicht zum Laufen bringen könnte." Schnell haben sich weitere Technik-Liebhaber gefunden, die mitschrauben wollen. Ersatzteile sind zwar nicht mehr so leicht zu finden, aber die Hochschule hat aus einem Nachlass alte Bauteile geerbt. Die passenden Pläne für die Geräte findet man zum Glück im Internet. Und auch Professor Jirmann steht mit Rat und Tat zur Seite.
Am Prüfgerät setzt er mit geübten Handgriffen eine kleine Elektronenröhre ein. Noch die passende Steckkarte eingelegt, dann kann der Test losgehen. Manchmal sind es nämlich nur Einzelteile, die nicht mehr funktionieren. Oder Staub und anderer Dreck haben sich im Inneren abgesetzt. Am Ende soll natürlich alles wieder so funktionieren, wie im Originalzustand. Dann bekommen die Radios auch ihren verdienten Ehrenplatz im Wohnzimmer. mru

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