Oberreichenbach

Schon den Kindern liegt tanzen im Blut

Serenade  Die Jugendkapelle Aurachtal hatte Besuch aus Polen. Die jungen Leute haben sich der Pflege der Volksmusik verschrieben.
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von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Oberreichenbach — Zur Sommerserenade der Jugendkapelle Aurachtal, anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens, hatte sich eine besondere Gruppe angesagt. Aus Beskiden (Polen) hält sich derzeit eine Tanz- und Volksmusikgruppe im Landkreis auf. Die Gruppe mit 40 Aktiven, Jungen und Mädchen im Alter von elf bis 20 Jahren, zeigte in Oberreichenbach Tänze aus ihrer Heimat.
Die Gruppe gehört zum Verein "Stowarzyszenie gazdowie doliny Cichej” (Verein der Bergbauern aus Leisetal) und sorgte bei den Besuchern für Begeisterung. Ziel des Vereins ist es: Die sozialen und kulturellen Verbindung der ländlichen Bevölkerung zu stärken, das Naturerbe zu bewahren und die Traditionen zu bewahren.
In dem rund 600 Seelen zählenden Dorf sind mehr als 60 Mädchen und Jungen in der Volksmusikgruppe und pflegen die Traditionen ihrer Heimat und Vorfahren. Das Dorf liegt nahe der Grenze zu Slowenien und (polnisch Beskidy) ist eine traditionelle Bezeichnung für die Gebirge in den Äußeren West- und Ostkarpaten. "Das Dorf ist so klein, dass es auf keiner Karte verzeichnet ist", erklärte ein Dolmetscher der Gruppe. Als Polen seine Freiheit wieder erlangte, war der Begriff "Volksmusik" belastet: Man verstand darunter die kostümierten Tanz- und Gesangsensembles, die auf großen Bühnen mit einstudierter Choreografie Propaganda für den "Arbeiter- und Bauernstaat" machten. "Musik, die nach Stalin klingt", sagte man damals.
Doch daneben existierte in den kleinen Dörfern auch die echte traditionelle Musik, die von einfachen Leuten gespielt und gesungen wurde. Damals begann die faszinierende Entdeckung dieser vielfältigen Traditionen, aus denen sich bald eine neue, junge Folkszene entwickelte.
Die Begegnung mit Gemeinden und Vereinen im Landkreis soll zu einem festen Jugendaustausch werden, hieß es vor Ort. Der polnische Besuch war durch die Unterstützung von Sponsoren, der beteiligten Gemeinden und des Landkreises möglich. Untergebracht sind die jungen Leute aus Polen bei Gastfamilien. "Wir unterhalten uns auf Russisch, die können kein Deutsch und ich kein Polnisch", erzählte der Münchauracher Wolfgang Knobl, der zwei Tänzer beherbergt.
So war die Gruppe am Sonntag auch in Hannberg zu Gast, gestaltete in der Wehrkirche den Gottesdienst mit führte anschließend im Innenhof ihre Tänze auf. Mit Akkordeon, Kontrabass, Geige und einer Teufelsgeige sowie Gesang begleitete die polnische Volksmusikgruppe ihre Tänzerinnen und Tänzer, dass den begeisterten Zuhörern schon vom Zuschauen der Schweiß von der Stirn lief. In Oberreichenbach war auch der Musiker Georg Römer aus Höchstadt und bewunderte die Tanzvorführungen. "Nach dem Frühstück werde ich das morgen auch probieren", meinte Römer, als die Tänzer über die Hirtenstäbe sprangen.
"Das möchte ich auch sehen, damit ich schon frühmorgens was zu lachen hab", meinte seine daneben sitzende Frau Hannelore.
Dabei ist ein großer Teil der jungen Leute erst zwei bis drei Monate in der Gruppe. "Die Tänze kann man nicht so schnell lernen, die liegen schon den Kindern im Blut", erklärte der Dolmetscher auf Nachfrage. Für die Gruppe gab es am Ende tosenden Applaus und für die Zuhörer eine Zugabe, bei er manchem Zuschauer die Luft weg blieb.
Der polnische Besuch konnte im Anschluss der Musik der Jugendkapelle Aurachtal lauschen und Dirigent Wolfram Heinlein hatte dafür auch Wertungsstücke, aber auch Märsche und Polkas im Programm. Der Abend auf dem Oberreichenbacher Dorfplatz wurde, auch durch die schöne Witterung, zu einer wirklichen Serenade.

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