Bamberg
Mundart 

Schmeckt der Pfeffer gut? Is er gsolzn?

An einen fast vergessenen Brauch am Tag der unschuldigen Kindlein erinnert heute die Rettl.
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Es ist doch wirklich schade, dass viele alte Bräuche - wie das "Pfeffern" - verloren gegangen sind. Soogn Sie bloß, Sie wissns aa net, wos des woä, des Pfeffern! Diese Rutenstreiche um Beine und Knöchel sollten wohl ursprünglich Gesundheit für Blut und alle Körpersäfte bewirken.
Wenn möglich, wurden dazu gelbe Weidenruten genommen, die von einem roten oder blauen Band zusammengehalten wurden. Am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kindlein, durften die Buben und jungen Burschen die Mädchen und Frauen "pfeffern". Umgekehrt ging's am Neujahrstag, da wurden die Mädchen und Frauen aktiv. Damit die Prozedur abgekürzt wurde, kriegten die Pfefferer Äpfel und Süßigkeiten, später auch kleine Münzen. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Brauch immer seltener ausgeübt und hörte in den siebziger Jahren schließlich ganz auf.
Ich kann mich noch erinnern: Als meine Mutter in den dreißiger Jahren am 28. Dezember heimkam, sagte sie ungehalten: "Des nimmt ja wirklich übähond mit dem Pfeffern! Mindestens fünfmol hom miich frecha Bum oo die Baa gfitzt. Und net ehrä hom sie Ruh gem, bis ich aa dem Letztn a Geld gem hob! Frühä hot mä des halt bloß in deä Verwandtschaft odä bei die Nochbärn gämacht - obä des worn ja ganz fremda Läusä! Und net amol des Sprüchla hom sa gäkönnt!" Und schnell hat sie's ihrer vierjährigen Tochter beigebracht: "Schmeckt der Pfeffer gut? Is er gsolzn, is eä gschmolzn? Is eä gebrotn, is eä gsottn? Schmeckt der Pfeffer gut?"
Die Rettl konnte den Neujahrstag kaum erwarten. Zuerst schwang sie die Rute noch recht zaghaft dem Vater, den Onkeln und Nachbarn um Beine und Knöchel. Doch die Ehefrauen riefen: "Festä, festä! Und tu die Hosnbaa nauf, dass er's aa spürt!" Und es regnete Pfennige, Fünferla und Zehnerla, sogar ein silbernes Fünfzigpfennigstück war dabei, für die Kleine ein ungeahnter Reichtum. Sie steckte alles in ihren kleinen Geldbeutel, der wie eine winzige Kassierertasche aussah, aber bald schon nicht mehr zu ging.


Pfeffern für die Aussteuer

"Geh heä", sagte der Großvater, "ich wechs'l dir's um!" Es waren eine Mark und 80 Pfennige, die stockte er auf und schob ihr ein blitzblankes Zweimarkstück hin. Das konnte die Rettl gar nicht fassen: " Ich hob diä doch so vill gem - und du gibst miä bloß aans! Ich will mei vills Geld widdä hom!" Der Großvater erklärte ihr den Wert der Münzen, aber es dauerte eine ganze Weile, bis sie einverstanden war. Im Grund war's egal ' das Geld wanderte ja doch in die schwarz-silberne Sparbüchse der Aussteuerversicherung!
Zuletzt stieg das Rettäla hinauf in die Mansarde. Sie wusste, dass der Gustl, ein Geselle ihres Vaters, am Feiertag sehr lange schlief. Richtig, er lag noch in seinem Bett und schnarchte. Seine Frau freute sich diebisch. Blitzartig schlug sie die Zudeck hoch und wies auf seine haarigen Beine: "So, etz pfeffer na mol fest, den oldn Saufkopf! Wie vill deä gestern vo dem storkn Punsch gätrunkn hot, des derf mä goä kann äzehln! Und dass eä jo net vädurscht, hot eä sich nuch a Tassn Punsch aufs Nochtkästla gstellt!" Die Rettl sagte ihr Sprüchla und fitzte seine nackten Knöchel, aber der Gustl grunzte nur. Da ergriff seine Frau die Rute und peitschte seine Beine dermaßen, dass er aufschrie und sie unter die Decke ziehen wollte. Aber die Gattin hielt sie fest und ließ die Rute weiter sausen. Erst als sich rote Striemen zeigten, hörte sie auf und gab der Rettl die Rute zurück und erklärte ihr hatte: "Des woä doch bloß Spaß!"
Kurz vor dem Mittagessen kam schließlich der Pater Prokurator des nahegelegenen Klosters zum Vater der Rettl. Sie hätte ihn gerne gepfeffert, aber da war doch sein "Rock", den die Erwachsenen "Kutte" nannten. In aller Harmlosigkeit fragte sie ihre Mutter: "Mamma, sooch mol, hom die Pater unter ihrm Rock Hosn oo?" Der Mutter verschlug es die Sprache, aber der Prokurator hatte gute Ohren. "Natürlich hom sie Hosn oo", lachte er, "manchmol ganz besondera!" Und er erzählte den Eltern, dass um 1919, als in Bayern das Königtum abgeschafft worden war, die Uniformen sämtlicher Bediensteten günstig zum Verkauf angeboten wurden. Der damalige Prokurator des Straubinger Klosters erwarb daraufhin die roten Kniebundhosen der Lakaien. Die verteilte er an die jungen Novizen, die sie unter ihrem Habit gut tragen konnten. Einer von ihnen, ein reizbarer Niederbayer, fühlte sich oft von den anderen verspottet. "Sie wern's net glaam," erzählte der Pater, "do lupft der Kerl jeds Mol voll Zorn sei Kuttn und zeicht denna sein feuerrotn Hintern!"
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