LKR Haßberge
Studie 

Schlechtes Ergebnis für Kreis Haßberge

Das Wirtschaftsmagazin "Focus Money" listet den Kreis Haßberge im bundesweiten Ranking über die Wirtschaftsstärke von Städten und Landkreisen im unteren Drittel. Doch wie aussagekräftig ist diese Studie?
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Friederike Stark

Einmal im Jahr gewichtet die Zeitschrift"Focus Money" Städte und Landkreise nach Arbeitslosigkeit, Wachstum, Wertschöpfung und Einkommen, nach der Bevölkerungsentwicklung und Investitionen der Unternehmen pro Mitarbeiter. In dieser Rangliste (Grafik rechts) liegt der Kreis Haßberge bundesweit im unteren Drittel auf Platz 267 von 382 Kommunen. Auf den ersten Blick ein schlechtes Ergebnis. Immerhin: In Thüringen und Sachsen wäre der Landkreis mit seinen Kennzahlen unter der Top Fünf, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gar auf Platz 2.


Nicht das große Ganze

Doch wie aussagekräftig sind diese Zahlen, was bedeuten sie für den Landkreis? Michael Brehm, Wirtschaftsförderer des Landkreises Haßberge, wiegelt gleich ab: "Diesem Ranking fehlt es etwas an Aussagekraft." Landrat Wilhelm Schneider (CSU) kann sich dem nur anschließen: "Ein Ranking, das von uns kaum beeinflussbar ist und nur einen Teilaspekt beleuchtet - nämlich die Wirtschaftskraft. Und: Was sagt ein Wert ,verfügbares Einkommen‘ denn aus? 3000 Euro in München sind nicht annähernd so viel wert wie 2000 Euro bei uns."


Ballungszentren versus Land

Im Vergleich mit München sieht der Kreis Haßberge bei diesem Ranking sehr blass aus, obwohl die Arbeitslosenquote in München mit 5,2 Prozent (Wert 2014) höher ist als im Kreis Haßberge: Bayernweit liegt der Landkreis auf Platz 80 von 90 Landkreisen, im unterfränkischen Vergleich gar auf dem vorletzten Platz. München thront auf dem bundesweiten Siegerpodest. Doch Landrat Scheider meint: "Ballungsräume wie München oder Nürnberg schneiden in einem solchen Vergleich natürlich besser ab." Die Bedingungen in einer ländlichen Region wie dem Kreis Haßberge seien eben andere.


Weiche Standortfaktoren

Deshalb stellt Schneider die Gegenfrage: "Können Sie dieser Statistik entnehmen, dass wir als Wohn-Landkreis für Familien mit eigenem Haus und Garten wesentlich interessanter sind als ein Wohnblock am Hasenbergl, in Neuperlach oder Gostenhof?"
Michael Brehm stimmt dem zu: "Mir fehlen hier die Softskills", also die weichen Standortfaktoren. "Parameter wie etwa die Kriminalitätsrate, die Chance auf Bildung und so weiter, spielen eine große Rolle." Die würden bei dem Ranking von "Focus Money " überhaupt nicht berücksichtigt, seien aber von enormer Bedeutung. Auch das Wohnumfeld müsse stimmen, die Menschen müssen sich wohl fühlen, unterstreicht der Wirtschaftsförderer.


Andere Statistik, besserer Platz

Brehm wie auch Landrat Schneider weisen auf andere Studien hin, die genau solche Faktoren berücksichtigen. "Im Ranking der Regionen (Focus März 2014) belegte unser Landkreis im Vergleich aller 402 Landkreise den 51. Platz. Vor allem in den Kategorien Sicherheit und Lebenshaltungskosten konnten wir punkten. Auch im Vergleich Wohlstand und Jobchancen schnitten wir gut ab", zitiert Landrat Schneider.
Dem Leiter für den Bereich Standortpolitik bei der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt , Sascha Genders, fehlen darüber hinaus weitere Faktoren: "Werte wie Kaufkraft, Wettbewerbsfähigkeit, Verkehrsanbindung oder verfügbare Gewerbeflächen werden nicht berücksichtigt." Genders hat nicht viel übrig für diese Studie, auch aus fachlicher Sicht. "Es bleiben einige Fragezeichen stehen, und die Parameter wirken recht willkürlich gesetzt." Er rät dazu, diese Studie nicht allzu hoch zu hängen. "Bei den gewählten Faktoren konnte man sich den Sieger schon vorher denken."
Landrat Wilhelm Schneider will das Ergebnis aber nicht völlig unbeachtet lassen: "Das Ranking bestätigt, dass wir eine Region mit ,besonderem Handlungsbedarf‘ sind. So wurde unser Landkreis auch im Landesentwicklungsplan von der bayerischen Staatsregierung eingestuft." Das heiße, der Kreis Haßberge brauche als ländlicher Landkreis mehr Unterstützung, mehr finanzielle Förderung, um vor allem den Folgen des demografischen Wandels entgegen zu wirken. Dennoch betont Schneider: "Trotz einer vielleicht niedrigeren Wirtschaftskraft sind wir ein starker Landkreis mit hoher Lebensqualität, der sich stetig weiter entwickelt und in dem es sich gut leben, wohnen und arbeiten lässt."
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