Lichtenfels

Schläger muss für seine Tat nun 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten

von unserem Mitarbeiter Markus häggberg Lichtenfels — Lichtenfels — Wäre der Mann, der nicht als Zeuge geladen war, nicht aufgestanden und hätte sich für den Angeklagten in die Bre...
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von unserem Mitarbeiter Markus häggberg

Lichtenfels — Lichtenfels — Wäre der Mann, der nicht als Zeuge geladen war, nicht aufgestanden und hätte sich für den Angeklagten in die Bresche geworfen, hätte Richter Christoph Lehmann womöglich härter entschieden. So aber entging der 23-jährige türkische Kampfsportler aus Rödental vermutlich darum einer Haftstrafe ohne Bewährung.
Was im Amtsgericht zunächst so begann, als stünde ein üblicher Körperverletzungsprozess bevor, erhielt alsbald eine Wendung. Der 48-Jährige, der sich zum Verfahrensauftakt auf den Stuhl setzen wollte, der ansonsten nur den Verteidigern vorbehalten ist, musste auf Hinweis Lehmanns zunächst noch unter den Zuschauern Platz nehmen. Von dort verfolgte er die Anklageverlesung durch Rechtsreferendarin Viktoria Bockfeld.

Schlag auf die Nase

Demnach soll der Angeklagte Anfang November 2013 gegen 4 Uhr morgens auf dem Parkplatz einer Burgkunstadter Diskothek gewalttätig geworden sein. Einen Nasenbeinbruch fügte er dabei einem anderen jungen Mann zu.
"Ich war schon ziemlich alkoholisiert, paar Biere, paar Schnäpse", führte der Angeschuldigte zu seiner Verteidigung an. Auch erzählte er davon, durch einen Steinwurf und eine Beleidigung provoziert worden zu sein.
Auf das, was ihn zusätzlich entlasten könnte, musste ein Security-Mitarbeiter das Gericht erst aufmerksam machen. Dieser Mann sagte aus, dass er und seine Kollegen von einer Gruppe Schläger bedrängt worden seien und der Karateka ihnen hilfreich beigesprungen sei.
Das Opfer, das die Schläge kassierte, konnte oder mochte sich an keine Provokation erinnern, führte dies gleichfalls auf reichlich Alkoholika zurück und bestritt auch, zu einer Gruppe von Schlägern gehört zu haben. Vielmehr sei er einem gegen ihn ausgesprochenen Platzverweis gefolgt und habe sich brav entfernt. Dann sei ihm ein Schlagstock zwischen die Rippen gekommen und der Angeklagte habe ihm auf die Nase geschlagen.
Für Richter Christoph Lehmann stand zu diesem Zeitpunkt lediglich fest, dass der Beschuldigte mal wieder in etwas verwickelt war. Schon viermal ist das vor diesem Novembertag passiert, was eine gewisse Regelmäßigkeit erkenne lässt: pro Jahr ein Eintrag. "Es macht den Eindruck, als ob Sie Fachstraftäter sind", so Lehmann zum Angeschuldigten. "Er wollte uns Türstehern helfen, dass wir nicht verletzt werden", beteuerte ein als Zeuge aussagender Türsteher und verwies auf eine Situation, in der zehn bis 15 Leute eine Handvoll Security-Mitarbeiter bedroht hätten. Diese Einlassung hielt Lehmann dem Angeklagten zugute, aber er zeigte auch auf, dass "sie vier Vorstrafen haben, die jedes Mal mit einer Geldstrafe endeten."

Gute Sozialprognose

An dieser Stelle meldete sich der Rödentaler Trainer, der Prozessbesucher war. Er erzählte von den charakterlichen Vorzügen des Angeklagten, von dessen abgeschlossener Lehre und davon, dass man gemeinsam Behördengänge absolviere, um das Leben zu ordnen. Nun sollte sich auch die Rechtsreferendarin für eine Bewährungsstrafe aussprechen und attestierte eine gute Sozialprognose. Jedoch: zehn Monate Haft sah sie als unerlässlich.
Richter Lehmann entschied wegen gefährlicher Körperverletzung auf eine sechsmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. 80 Stunden gemeinnützige Arbeit wird der Mann verrichten müssen. "Ich will zeigen, dass ich der Gesellschaft nicht schade, sondern auch was zurückgeben kann", lautete sein letzter Satz.
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