Stadtsteinach
Integration 

Schicksale machen betroffen

Rebekka Krauß möchte in Stadtsteinach einen Helferkreis für Flüchtlinge ins Leben rufen. Bei der Auftaktveranstaltung erzählten vier Asylbewerber von ihrer Heimat.
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Hasan Alghlaini (39) ist von Beruf Lehrer für Wirtschaft. Er kommt aus der Nähe von Damaskus. Eines Tages fuhr er in den Libanon in Urlaub. Als er zurückkehrte, verhaftete ihn die syrische Polizei . Sieben Monate saß er im Gefängnis. Bis heute kennt er den Grund dafür nicht.
Auch sein Bruder hat Probleme mit der Polizei bekommen. Es gab keine andere Möglichkeit, als das Land zu verlassen, schilderte er in Stadtsteinach. Seine Ausführungen waren nicht einfach zu verstehen. Denn Hasan Alghlaini spricht kaum deutsch und kaum englisch.
Dennoch lauschten die rund dreißig Zuhörer, die ins evangelische Gemeindehaus Stadtsteinach gekommen waren, gespannt. Die Lebensgeschichten der vier anwesenden Flüchtlinge wurden zumindest ansatzweise klar. Samir Mohammad (35) war mit seiner ehrenamtlichen Betreuerin gekommen. Samir hat ein besonders schlimmes Schicksal hinter sich.


"Ich kann arbeiten"

Er trug auf der Flucht seine beiden Kinder, zudem schleppte er noch eine schwere Tasche. Samir kam mit seiner schwangeren Frau nach Deutschland, auch sie hatte schwer zu tragen. Das ungeborene Kind, das sie noch im Leib trug, ist schwer behindert. Aber nicht nur durch die Strapazen der Flucht, sondern auch durch die Bombardierungen und die Dämpfe der Bomben, ist Samir sicher.
Samir kam mit seiner Familie zunächst in Wonsees unter und lebt inzwischen in Stadtsteinach. "Ich war nur kurz in der Schule", erzählt er. Bis maximal zu seinem zwölften Lebensjahr. "Aber ich kann arbeiten", sagt er und gibt offen zu, dass er in Deutschland glücklich ist.
Er will einen Neuanfang und setzt jetzt alles daran, in einem Alphabetisierungskurs lesen und schreiben zu lernen. Und er möchte wieder arbeiten: "Ich habe als Fliesenleger gearbeitet", erzählte er.
Außerdem berichteten noch die beiden Syrer Ali Maao (30) und Adnan Kokach (41) von ihrer Heimat, die einmal als Toskana des Nahen Ostens bezeichnet wurde, und die jetzt zerbombt und zerstört ist. Nicht überall herrscht Not. Adnan Kokach berichtet, dass er einer Gegend lebte, die noch von Assad dominiert wird. Dort ist die Versorgung gesichert. Adnan Kokach kam alleine, seine Familie ist noch in Syrien.
Andrea Boujia, Flüchtlingsberaterin bei der Caritas in Kulmbach, ging bei dem Treffen auf den Hintergrund des Syrien-Konflikts ein. Eigentlich begann der ganze Krieg mit Schmierereien, begangen von Schülern. Das Assad-Regime ließ durch graphologische Gutachten die Schmierfinken ermitteln und sperrte die Kinder und Jugendlichen ein.


Folter und Aufstände

Die Geschichte des Syrienkonfliktes ist eine Geschichte über Folter und Aufstände verschiedener Gruppen.
Das Publikum interessierte sich sehr für die syrische Geschichte, versuchte mehr über den Konflikt aus erster Hand zu erfahren.
Doch eigentlicher Hintergrund für die Veranstaltung, die Rebekka Krauß initiiert hatte, war die Idee, in Stadtsteinach zusätzlich zu den bereits ehrenamtlich Tätigen einen Helferkreis ins Leben zu rufen. "Ich fände es gut, wenn nicht nur individuelle Hilfe geleistet wird, sondern wenn ein Austausch der ehrenamtlich Tätigen stattfinden würde", so Krauß. "Ich möchte ein Zeichen setzen, ich würde gerne gemeinsam mit anderen etwas entwickeln - für die Flüchtlinge."
Auf die Idee, solch einen Helferkreis ins Leben zu rufen, sei sie gekommen, weil die Willkommenskultur auch in der öffentlichen Wahrnehmung "Kratzer" bekommen hat. Rebekka Krauß ist in Coburg Dozentin für soziale Arbeit.
Alle, die Interesse haben, sich in einem Helferkreis in Stadtsteinach einzubringen, können sich unter folgender E-Mail-Adresse melden: Rebekka-krauss@posteo.de.

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