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Litzendorf

Schäuferla mit Spaghetti gibt's noch nicht

Tourismusförderung   Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf setzen ihre Kooperation fort: Die "Fränkische Toskana" wird jetzt professionell auf Hochglanz gebracht.
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Die "Fränkische Toskana: Blick von Tiefenellern (rechts im Bild) nach Lohndorf, ganz oben links liegt Litzendorf. Foto: Ronald Rinklef
Die "Fränkische Toskana: Blick von Tiefenellern (rechts im Bild) nach Lohndorf, ganz oben links liegt Litzendorf. Foto: Ronald Rinklef
von unserem Mitarbeiter Werner Baier

Strullendorf — Schäuferla mit Spaghetti! Nein, nein - das steht so nicht im Tourismuskonzept Fränkische Toskana, ließe sich aber gut und gerne unter dem Ziel "Touristische Angebote erarbeiten/optimieren" einreihen. Da heißt es nämlich: "Entwicklung identitätsstiftender ,Fränkische Toskana'-Angebote unter Einbeziehung der regionalen Produzenten und regionstypischen Produkte, etwa gastronomische Programme mit Elementen der fränkischen und italienischen Küche." Das funktioniert prinzipiell, wie man von dem Verzehr von Pizza und ungespundetem Kellerbier weiß. Aber es kommt eben auf den Knaller an, das "Alleinstellungsmerkmal", das Neugier weckt und das Bedürfnis: Das will ich haben! Wo ist diese Fränkische Toskana? Nichts wie hin!
Die Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos), Wolfgang Möhrlein (CSU) und Wolfgang Desel (CSU) sowie die Gemeinderäte der drei an der Kooperationsgemeinschaft Fränkische Toskana beteiligten Kommunen - Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf - billigten dieser Tage das professionell erarbeitete Tourismuskonzept über alle Fraktionen hinweg einmütig.
Die erstaunliche Geschlossenheit bei einer freiwilligen Leistung mit einem Gesamtvolumen von um die 100 000 Euro ist nur damit zu erklären, dass der Raum zwischen dem Weltkulturerbe Bamberg und der hochgeschätzten Fränkischen Schweiz seine Wirtschaftsförderung im Schulterschluss auf den Tourismus konzentriert. Um in dem endlosen Strom von Naherholungssuchenden, Radwanderern, Städte- und Bildungsreisenden, Wochenendausflüglern, Campern und Urlaubern wahrgenommen zu werden, hilft es nicht, wenn eine Gemeinde für ein paar Euro einen Prospekt druckt und ein selbstgestricktes Portal im Internet unterhält. Da braucht es schon ein paar "Kümmerer", am besten hauptberufliches Fachpersonal, um über einen längeren Zeitraum hinweg zu schieben, zu locken, zu koordinieren, Ideen umzusetzen.

Stärken und Schwächen

Christian Sauer, Brauer zu Roßdorf, schilderte das Dilemma: "Es ist nichts erreicht, wenn sich ein paar Brauer zusammensetzen und was besprechen!" Dabei ist es seiner Meinung nach höchste Zeit, die Fränkische Toskana über den Einzugskreis von 15 Kilometern hinaus bekannt zu machen, "sonst hängen uns die anderen ab!"
Diesem flammenden Appell mochten sich die in der Aula der Strullendorfer Mittelschule versammelten Kommunalpolitiker der drei Gemeinden nicht verschließen. Aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds Eler und vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium gefördert, hatte man voriges Jahr das Tourismusprojekt gestartet. Projektmanagerin Meike Klein und die BTE Tourismus- und Regionalberatung Berlin/Hannover/Eisenach dokumentierten zunächst den Istzustand der Tourismus-Angebote von Memmelsdorf, Litzendorf und Strullendorf. Stärken wurden ermittelt: zum Beispiel die hohe naturräumliche Attraktivität, (Bier-)Kultur als Besonderheit, gute Wandermöglichkeiten zu Fuß und per Rad, die Vernetzung mit Bamberg und der Fränkischen Schweiz und ein schon ausreichendes Beherber gungsangebot.
Zusammen mit den Marketingpartnern TKS Bamberg, TZ Fränkische Schweiz und TV Franken e. V. könnte die Fränkische Toskana besser zur Geltung kommen, erkannten die Experten. Hier wird, so das touristische Konzept, fränkische Kultur und Gastlichkeit mit Naturerlebnis, Kunstgenuss und dem Weltkulturerbe Bamberg zum Gesamterlebnis. Unter diesem Gesichtspunkt sei noch an vielen Stellen zu feilen, um das touristische Angebot kontinuierlich auszubauen und zu entwickeln. Die Fränkische Toskana soll sich als Region für Genuss und Gastlichkeit präsentieren, wobei der 13-Brauereien-Weg ist ein guter Anfang sei, um Gäste anzulocken.
Die Tourismus-Profis entwickelten ein umfangreiches Maßnahmenprogramm, aus dem hier nur einige Projekte genannt seien: So gehe es einerseits um die Aufwertung des Freizeitwegenetzes für Radler und Wanderer. Andererseits müssten Kunst, Kultur und Kostbarkeiten besser zur Geltung kommen. Und schon das bevorstehende Jubiläum "500 Jahre Reinheitsgebot", die traditionellen Fest der Region, ein Sängerwettstreit von Wirtshaus zu Wirtshaus böten Ansätze, die Bekanntheit zu steigern. Die Vorschläge reichen bis hin zur Auslobung eines Kunstpreises für die Fränkische Toskana mit einer medienwirksamen Verleihung und einem Festival im Schloss Seehof.

Professionalität gefragt

Als Nebenjob einer Gemeindeverwaltung ist mehr Tourismus nicht zu machen. Neukundengewinnung, Stammkunden überzeugung, umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr erfordern qualifiziertes Personal. Diese Erkenntnis und die Überzeugung, dass man die (finanziellen) Kräfte bündeln sollte, führten zu dem Empfehlungsbeschluss, die Tourismus-Kooperation im Dreier-Bündnis fortzusetzen. Die jährlichen Kosten von gut 100 000 Euro werden auf die drei beteiligten Gemeinden verteilt.
Memmelsdorfs Bürgermeister Gerd Schneider hofft, einen Teil der Kosten durch Sponsoring oder Werbepartnerschaften aus dem heimischen Tourismus-Gewerbe refinanzieren zu können. Auf Vorschlag von Alfons Distler wird ein Zeitraum von (voraussichtlich) drei Jahren festgelegt, um Zwischenbilanz zu ziehen und die Fortsetzung der Gemeinschaftsaktion zu prüfen. "Wir müssen jetzt handeln", meinte Strullendorfs Bürgermeister Wolfgang Desel, "und dürfen nicht warten, bis der Krug in den Brunnen gefallen ist."
Nach abschließender Beratung der Organisations- und Rechtsform der Tourismuskooperation und förmlicher Beschlussfassung in den jeweiligen Gemeinderäten sollen die Bürgermeister die personellen Voraussetzungen zeitnah schaffen.
Ob es je Schäuferla mit Spaghetti in der "Fränkischen Toskana" geben wird, steht in den Sternen. Pizza und Kellerbier kann man dort aber schon haben, Presssack und Grappa vielleicht auch.

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