Sand am Main

Sand zeigt, wie Ausbau machbar ist

Breitband  Die Telekom will die Gemeinde mit schnellem Internet versorgen. Ein hoher Datenfluss kommt - und alles zum Nulltarif. Andere Kommunen haben es aber schwerer.
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von unserem Redaktionsmitglied 
klaus schmitt

Sand — Die Stadt Zeil und die Nachbargemeinde Sand sind in erfrischender Rivalität miteinander verbunden. Der Main, der zwischen den Kommunen dahinfließt, hat mehr Verbindendes als Trennendes. Und für ein Projekt, das Sand jetzt anpackt, braucht Sand den Nachbarn unbedingt. Es geht um den Ausbau des Breitbandnetzes in Sand. Alle Daten kommen erst einmal aus Zeil.

Ein dickes Kabel

Dort befindet sich die Vermittlungsstelle der Telekom. In dem unscheinbaren Gebäude im Birkenweg kommt ein dickes Kabel an, von dem aus künftig schnelles Internet in Sand möglich sein wird.
Doch der Reihe nach. Sand hat sich wie alle anderen Gemeinden im Landkreis Haßberge darum bemüht, schnelles Internet zu bekommen. Die Bürger wollen es, die Unternehmen brauchen es. Schnelles Internet ist ein Standort-Kritierium.
Sand stieg in das Förderverfahren ein, das jeder Gemeinde einen staatlichen Zuschuss in Höhe von bis zu 500 000 Euro in Aussicht stellt. Dann kam die Detailarbeit. Der Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD), Matthias Klauda aus der Gemeindeverwaltung als Breitbandpate und der Gemeinderat Roland Mahr, der bei der Telekom beschäftigt war und deshalb viel Wissen auf diesem Gebiet hat, nahmen sich all der Erfordernisse an, die ein Breitbandausbau mit sich bringen kann.

Karte entsteht

Jedes Unternehmen sowie jeder Privathaus-Anschluss (immerhin rund 1000 Grundstücke) wurden untersucht und damit eine Karte angefertigt, die Aussagen darüber trifft, welche Übertragungsraten vorliegen.
Die Karte diente als Basis dafür, was wo gewollt wird und vor allem was technisch machbar ist. Somit wurde das Kumulationsgebiet (Fördergebiet) ermittelt und detailliert beschrieben.
Die Gemeinde wandte sich an exakt 14 Anbieter, und einer von ihnen, die Telekom, griff zu. Das Unternehmen baut demnächst in Sand das Breitbandnetz auf eigene Kosten aus. Das Investitionsvolumen schätzt Klaus Markert von der Telekom auf rund 500 000 bis 600 000 Euro. Und das Beste für die Sand: Die Gemeinde muss keinen Euro drauflegen, und Fördergelder werden nicht nötig. Deshalb ist die Gemeinde Sand bereits aus dem Förderverfahren ausgeschieden.
Warum macht das die Telekom? Weil es "wirtschaftlich für uns ist", sagt Klaus Markert. Seine Firma bekam dank der Vorarbeiten der Gemeinde ein klares Konzept vorgelegt.
Darauf kommt es an, hat Bürgermeister Ruß erfahren. "Für das Fördergebiet sind wir verantwortlich", betont er. Da müsse sich jede Gemeinde auf die Hinterbeine stellen. Dazu gehört nach seiner Darstellung, dass sich jede Kommune in die Details einarbeitet, auch wenn es mühsam und aufwendig ist.
Klaus Markert ergänzt: Man müsse wissen, "wo sind meine Unternehmer?", und die privaten Haushalte profitieren dann.
Hintergrund: Die Förderung des Breitbandausbaus ist in erster Linie Wirtschaftsförderung. Wenn man es clever anstellt, können alle Haushalt in der Förderkulisse untergebracht werden. Auch wenn man die staatliche Förderung dann gar nicht mehr braucht wie in Sand.
Sand hat den Vorteil, dass die Gemeinde aus einem Ort besteht, der auch noch sehr kompakt ist. "In Sand ist's einfacher. Andere haben es schwieriger", weiß Bernhard Ruß. Wie sieht es etwa in Kommunen mit vielen, kleinen Ortsteilen aus? Grundsätzlich sei technisch alles machbar, sagt Klaus Markert. Allerdings achten die Anbieter, die das Konzept technisch umsetzen, darauf, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Sein Vorschlag: Solche Gemeinden sollten sich mit einem Anbieter zusammensetzen und ausloten, was machbar ist. Ziel sollte sein, ein Fördergebiet konkret so anzulegen, dass Anbieter angesprochen werden - mit oder ohne Fördermittel.
In Sand soll der Ausbau 2016 laufen, vielleicht schon früher, hofft die Gemeinde. Jetzt kommt wieder Zeil ins Spiel. Von der Vermittlungsstelle der Telekom im Zeiler Birkenweg werden Glasfaserkabel nach Sand verlegt. Sie führen zu zehn Kabelverzweigern, die über den Ort verteilt sind. Das Glasfaserkabel ersetzt die Kupferkabel, und damit sind die wesentlich höheren Übertragungsraten möglich.
Sand erhält die bestmögliche Technik. Noch besser wären nur noch Glasfaserkabel auch von den Kabelverzweigern bis ins Haus, aber das ist unbezahlbar.
Sand rechnet mit Datengeschwindigkeiten von 30 bis 100 Mbit/s. Die meisten Haushalte werden laut Mahr bei über 50 Mbit/s liegen, einige wenige knapp unter 30 Mbit/s. Dazu ein Rat: Diese Einzelfälle sollten das Gesamtkonzept nicht scheitern lassen. Sonst wird's gar nichts.


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