Bad Staffelstein
Flagge 

Rot-Weiß gegen Weiß-Blau

Nun weht sie wieder, die Frankenfahne auf dem Staffelberg. Im Herbst wird sie dann wohl ausgefranst sein. Wenn der Fränkische Bund eine Fahne hisst, ist das immer auch ein Statement gegen zu viel bayerischen Zentralismus.
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Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden, als am Samstagnachmittag die neue Fahne auf dem Staffelberg gehisst wurde. Fotos: Markus Häggberg
Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden, als am Samstagnachmittag die neue Fahne auf dem Staffelberg gehisst wurde. Fotos: Markus Häggberg
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"Zerschlag der Bayern Übermacht, wir wollen es dir danken", heißt es in einer launigen Umdichtung der siebten Strophe der "Franken-Hymne" - einer Strophe, die dem Dichter Viktor von Scheffel so wohl nie in den Sinn gekommen wäre. Dafür aber dem Michelauer Gerd Backert, der solche Textzeilen gemeinsam mit dem als "Frankensima" bekannten Philipp Simon Golez zu Gitarre und Akkordeon sang, während Markus Geiger aus Kronach auf schmalem Felsvorsprung stehend und mit Seil gesichert, an einer Halterung hantierte. Gegen 15 Uhr sollte er am Samstag dazu beitragen, etwas auf dem Plateau aufzurichten, was seit 1999 nahezu alljährliche Tradition auf dem "Berg der Franken" hat.


"Franken sind keine Bayern"

Mit der stetigen Erneuerung der Frankenfahne wolle der Fränkische Bund "unsere altbayerischen Freunde südlich des Weißwurstäquators an die Worte des Lichtenfelsers Thomas Dehler erinnern, der klar definierte: "Franken sind keine Bayern" - so lautet schwarz auf weiß eine Erklärung Joachim Kalbs. Das klingt wie auf Krawall gebürstet. Der Zweite Vorsitzende des Fränkischen Bundes will freilich nur von einer "Kulturregion Franken" und "nicht von einem abgegrenzten politischen Raum" reden.
Auf der Webseite des Vereins gibt es diesen abgegrenzten politischen Raum aber irgendwie doch: Man spricht sich für ein Bundesland Franken aus, mit fünf Millionen Einwohnern und einer Größe, die bereits von vielen Studien empfohlen worden sein soll.
Doch was macht es nach Menung Kalbs notwendig, Franken so hervorzuheben? "Wir wollen nicht unter dem Label Bayern laufen", erklärt der Weidenberger. Der Mann weiß einiges an Seitenhieben gegen Bayern und seine Landeshauptstadt München anzuführen, vor allem, dass man "nicht zentralistisch" sei. Selbst mit Nürnberg als fränkische Kapitale mag er sich nicht anfreunden. "Eigentlich wurscht", antwortet er auf die Hauptstadtfrage und meint: "A Zentrale ist uns nicht geheuer."
Mit "uns" meint auch Schriftführer Peter Purrucker die Franken, denen er eine andere Wesensart als die der Bayern bescheinigt. Eine Mir-san-mir-Mentalität sei für den Franken undenkbar, denn er stelle sich öfter infrage. Schon darum, weil er in der Mitte Europas sitze und von je her "vielfältigen Einflüssen ausgesetzt" war. Und sich selbst grün war der Franke auch nicht immer: manche katholisch, manche evangelisch. Und was Purrucker nicht unerwähnt lässt, ist die Abwerbung fränkischer Firmen nach Altbayern. Aber dann lächelt Purrucker, besinnt sich auch auf den Spaßcharakter der Fahnenveranstaltung und fügt einem fränkisch-bayerischen Vergleich an: "Nebenbei haben wir die besseren Schäufele."


"Politischer Arm" wirkt mit

Mit Sebastian Eidloth und Klaus Sommerkorn war auch "der politische Arm" Frankens gekommen. So nennen die beiden Erlanger die Partei, die sich "auf politischem Weg für Franken stark macht" - mit mehr Rückhalt als die FDP hat, mit diversen Stadträten und Bezirkstags-Abgeordneten. Aber auch die beiden Männer haben eine fröhliche Note an sich, wirken nicht politisch verbissen. Nicht fränkisch, sondern eher norddeutsch winkt Sommerkorn ab, als die Frage nach einem Salutieren vor der Fahne auftaucht: "Bloß kein Gedöns."
Humoriges Gedöns nach Noten aber machen Gerd Backert und Philipp Simon Goletz zum Vergnügen von rund 50 Schaulustigen oder überzeugten Franken. "Ich geh' früh auf und bin Franke", erklärt der Michelauer Backert auf die Frage, wie er dazu kam, eine Zusatzstrophe zur Franken-Hymne zu texten. Dann stimmt er mit Goletz ein Loblied auf den 1. FC Nürnberg an und wird noch ein paar Mal "Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" für sein Franken singen.
Die Fahne weht dazu im Wind und wird es bis in den Herbst hinein tun. Das liegt an ihrer verbesserten Verarbeitungsqualität. Sie kommt aus Thüringen.



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