Burgkunstadt

Romfreundin führt die Realschule

Porträt  Monika Geiger, die neue Leiterin der Realschule Burgkunstadt, hat zwar ein Faible fürs alte Rom, möchte aber ihre Schüler fit für die moderne Alltags- und Arbeitswirklichkeit machen. Sozialkompetenzen gehören da unbedingt dazu.
Artikel drucken Artikel einbetten
Monika Geiger leitet seit Anfang des Jahres die Realschule Burgkunstadt, wo sie in die Fußstapfen des unvergessenen Rudolf Kodalle getreten ist. Die 45-Jährige interessiert sich für die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. In ihrem Dienstzimmer hängt eine Stammtafel der Kaiser dieses Reiches.  Foto: Stephan Stöckel
Monika Geiger leitet seit Anfang des Jahres die Realschule Burgkunstadt, wo sie in die Fußstapfen des unvergessenen Rudolf Kodalle getreten ist. Die 45-Jährige interessiert sich für die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. In ihrem Dienstzimmer hängt eine Stammtafel der Kaiser dieses Reiches. Foto: Stephan Stöckel
von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Burgkunstadt — Beim Blick auf die Stammtafel der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs fangen ihre Augen an zu glänzen. Monika Geiger, die neue Leiterin der Realschule Burgkunstadt, liebt das Fach Geschichte. "Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt", sagt die Lehrerin im Brustton der Überzeugung über ihr Lieblingsfach. Sie selbst stammt aus einer Familie, in der es gleich drei Pädagogen gab. "Meine Tante war Leiterin einer Mädchenrealschule, zwei meiner Onkels unterrichteten an Gymnasien."

Beinahe im Forstamt gelandet

Ohne sie würde die 45-Jährige aus Friesen im Landkreis Kronach vielleicht heute noch am Forstamt Wiesentheid über Borkenkäfer und Buchen brüten. Nach ihrem Abitur im Jahre 1990 hatte sich Geiger zunächst für eine Ausbildung zur Verwaltungsbeamtin an der Fachhochschule in Hof im Bereich "Allgemeine Innere Verwaltung - Staatsforsten" entschieden. Forstbeamte wurden damals händeringend gesucht.
Ihre Verwandten hätten sie dann aber dazu ermuntert, die Lehrerlaufbahn einzuschlagen. Zudem macht Geiger aus ihrem Herzen keine Mördergrube: "Die Aufgabenbereiche in der Staatsforstverwaltung empfand ich als einseitig und langweilig. Ich suchte neue Herausforderungen, die ich in einem Lehramtsstudium fand." Umsonst war die Zeit in der Forstverwaltung für die frischgebackene Schulleiterin aber keineswegs. Die Organisation von Betriebsabläufen und die Aufteilung von Aufgaben - Themen, die für Geiger keine böhmischen Dörfer sind. "Das kommt mir in meiner jetzigen Funktion als ,Büroleiterin' an der Realschule Burgkunstadt durchaus zu Gute."
Die pädagogische Arbeit kommt ebenfalls nicht zu kurz. Acht Stunden in der Woche unterrichtet Geiger Jungen und Mädchen aus den sechsten, neunten und zehnten Klassen. Diese jungen Menschen zu entwickeln und zu fördern, ihnen Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit oder Toleranz mit auf ihren weiteren Lebensweg zu geben, ist ihr ein Herzensanliegen. "Es gibt vielleicht eine menschenleere Fabrik, aber keine menschenleere Schule", hatte sie bei ihrer offiziellen Amtseinführung am 28. April dieses Jahres betont.

Kompetenzen für den Alltag

"Ich lerne an der Schule nichts für Leben." Mit dieser Aussage hatte kürzlich eine 17-jährige Twitter-Nutzerin bundesweit für Aufsehen gesorgt. Darauf angesprochen, was sie von der Äußerung der jungen Dame halte, gibt Geiger offen zu: "Im Prinzip spricht sie mir aus der Seele. Allerdings muss ich feststellen, dass es die Schüler leider nicht immer zu schätzen wissen, wenn wir mit ihnen etwas anderes machen, als den sturen Lehrplan." Den Kindern und Jugendlichen möchte sie nicht nur Wissen, sondern auch "Kompetenzen für die Alltagswirklichkeit" vermitteln.
Junge Menschen sollten über Grundkenntnisse in Hauswirtschaft und Ernährung verfügen, davon ist die Pädagogin überzeugt. Vor allem in Zeiten, in denen lebenspraktische Dinge wie das Aufsetzen eines Nudelwassers oder das Annähen eines Knopfes zu Hause nicht mehr vermittelt würden. Geiger ist froh, dass es in Bayern in der siebten Klasse der Realschule das für alle verpflichtende Fach Hauswirtschaft und Ernährung gibt.
In der Familie der 45-Jährigen wurde nicht nur die Pädagogik groß geschrieben, sondern auch das Handwerk. "Meine Eltern waren Besitzer eines Sägewerks", erzählt die Schulleiterin nicht ohne Stolz. So kommt es nicht von ungefähr, dass ihr die Minderung des Fachkräftemangels am Herzen liegt. Die Kontakte, die zur Maschinenfabrik Fischer in Burgkunstadt bestehen, sollen ihren Beitrag dazu leisten.
"Schüler machen dort Praktika oder besichtigen im Rahmen des Unterrichts die Firma, die Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt. Lehrer wiederum lernen bei einem Praxistag den Arbeitsalltag einer Maschinenfabrik kennen. Ausbildungsleiter Markus Petterich ist sehr bemüht und steht in regem Kontakt mit uns. All das möchte ich weiter pflegen und ausbauen."
Wie ist um das ganztägige Lernen an der Realschule bestellt? "Momentan haben wir in der fünften und sechsten Klasse jeweils eine gebundene Ganztagsklasse. Die Nachfrage für das nächste Schuljahr ist wieder groß. Außerdem gibt es den Wunsch nach einer offenen Betreuungsform. Dieses werden wir angehen, sobald sich die Situation rund um die Turnhalle, die derzeit saniert wird, entspannt hat."
Geiger schwebt vor, die offene Ganztagsschule erst ab der siebten Klasse anzubieten. Warum? "Die Erfahrung zeigt, dass wenn man parallel zur fünften und sechsten Jahrgangsstufe noch eine offene Betreuungsform anbietet, die gebundene nicht mehr genügend Zuspruch findet." Geiger ist Lehrerin mit Leib und Seele. Doch auch für sie gibt es ein Leben außerhalb der Realschule.

Haus mit Garten

Was tut die 45-Jährige in ihrer Freizeit, um gesund und ausgeglichen, den Arbeitsalltag zu bewältigen? "Ich habe ein großes Haus mit Garten, das es gilt in Schuss zu halten. Beim Lesen eines Buches oder bei der Gartenarbeit entspanne ich mich. Außerdem möchte ich wieder öfters durch den wunderschönen Frankenwald radeln."
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren